Neu im Brustring: Chema Andrés

Der VfB bedient sich in die­ser Som­mer­pau­se nicht nur beim FC Bar­ce­lo­na, son­dern auch beim gro­ßen Riva­len Real Madrid — aller­dings auch hier in der Nach­wuchs­ab­tei­lung: Der defen­si­ve Mit­tel­feld­spie­ler Che­ma Andrés wech­selt wie Noah Dar­vich aus der drit­ten spa­ni­schen Liga, aber immer­hin mit ein paar Pro­fi-Minu­ten in den Bei­nen, nach Stutt­gart. Wir stel­len Euch den Neu­zu­gang vor.

Die Nach­richt, dass Fabi­an Wohl­ge­muth erst­mal von einer Ver­pflich­tung des zu teu­ren und über­dies aktu­ell ver­letz­ten Cas­par Jan­der Abstand neh­men wür­de, war noch nicht so alt, da tauch­te Ende ver­gan­ge­ner Woche direkt der Name eines ande­ren defen­si­ven Mit­tel­feld­spie­lers auf — den die meis­ten VfB-Fans, wie so häu­fig in den letz­ten Jah­ren, nicht unbe­dingt kann­ten: Che­ma Andrés. Er kommt von unse­rem letzt­jäh­ri­gen Cham­pi­ons League-Geg­ner Real Madrid, war aber bis­her vor allem für die Nach­wuchs­mann­schaf­ten und die zwei­te Mann­schaft in der drit­ten Liga im Ein­satz. Das erin­nert an Noah Dar­vich, der ver­gan­ge­ne in der glei­chen Liga­stu­fe, aber nicht in der glei­chen Liga aktiv war. Andrés kam aber immer­hin auch auf ein paar Ein­sät­ze im Pro­fi­ka­der der Madri­le­nen, zudem hielt Real Madrid Castil­la anders als FC Bar­ce­lo­na Atlè­tic die Klas­se. Erneut fin­det also ein gro­ßes Talent den Weg nach Stutt­gart, für eine über­schau­ba­re Ablö­se, aber dem Ver­neh­men nach durch eine Rück­kauf­op­ti­on wei­ter­hin mit Bin­dun­gen nach Madrid. Um her­aus­zu­fin­den, was wir von Andrés in der kom­men­den Sai­son erwar­ten kön­nen, haben wir uns mit Ale­jan­dro Dia­go unter­hal­ten, ein spa­ni­scher Jour­na­list bei One­Foot­ball (wo auch unse­re Arti­kel erschei­nen), der in Ber­lin lebt.

Stammspieler in der Youth League

José María Andrés Baix­au­li wur­de am 25. April 2005, also vor etwas mehr als 20 Jah­ren, in Valen­cia gebo­ren, lern­te das Kicken aber nicht beim Clúb de Fut­bol, son­dern zunächst bei einem Vor­ort­ver­ein und spä­ter beim Lokal­ri­va­len UD Levan­te. 2018 wech­sel­te er dann in den Nach­wuchs von Real Madrid, wo er schließ­lich vier Jah­re spä­ter in die U19 der König­li­chen auf­stieg. Zu die­sem Zeit­punkt, so Ale­jan­dro, habe man auch gemerkt, dass sein Talent etwas grö­ßer sein könn­te als das sei­ner Mit­spie­ler. Unter Trai­ner Alva­ro Arbel­oa sei er Teil des Madri­der Nachwuchs-“Systems” gewor­den und spiel­te in der A‑Jugend auch eine zen­tra­le Rol­le. Mit der lief er nicht nur in den loka­len Nach­wuchs­li­gen auf, son­dern auch zwei Spiel­zei­ten in Fol­ge in der Youth League. 2023 schei­ter­te Real nach einem Sieg im Ach­tel­fi­na­le gegen Salz­burg eine Run­de spä­ter über­ra­schend deut­lich mit 0:4 gegen den spä­te­ren Sie­ger Alk­maar, 2024 war eben­falls im Vier­tel­fi­na­le Schluss, dies­mal gegen die AC Milan, die das Fina­le gegen Olym­pia­kos. Andrés absol­vier­te in bei­den Spiel­zei­ten fast jedes Spiel und steu­er­te beim 6:0 gegen Napo­li sogar ein Tor und eine Vor­la­ge bei.

Für Arbel­oa sei Andrés ein Schlüs­sel­spie­ler gewe­sen, so Ale­jan­dro, auch beim Gewinn der Copa de Cam­peo­nes de Liga Juve­nil und der Copa del Rey Juve­nil de Fút­bol 2023, also dem Dou­ble aus A‑Ju­gend-Meis­ter­schaft und ‑Pokal­sieg. Zudem kam er gegen Ende der Sai­son 2023/2024 noch auf drei Ein­sät­ze in der dritt­klas­si­gen zwei­ten Mann­schaft Reals unter Trai­ner Raúl.

Unter Raúl in der dritten Liga

In der ver­gan­ge­nen Sai­son wur­de er unter dem ehe­ma­li­gen Welt­star zum Stamm­spie­ler in der Pri­me­ra Federa­ción, die Real Madrid Castil­la auf Platz 6 abschloss. Er stand in 32 von 38 Liga­spie­len in der Start­elf und spiel­te meist durch. Nach­dem ihn zu Sai­son­be­ginn eine Knö­chel­ver­let­zung zurück­warf, habe er sich auch in der zwei­ten Mann­schaft schnell als wich­ti­ger Spie­ler eta­bliert, erklärt Ale­jan­dro. Er und Rechts­au­ßen Gon­za­lo Gar­cia sei­en die Schlüs­sel­spie­ler für Raul in der ver­gan­ge­nen Sai­son gewe­sen. Da lie­ßen natür­lich auch Nomi­nie­run­gen für die Pro­fi­mann­schaft der König­li­chen nicht mehr lan­ge auf sich war­ten, auch wenn sei­ne Ein­satz­zei­ten mit 27 Minu­ten gegen Viert­li­gist Depor­ti­va Mine­ra in der drit­ten Pokal­run­de sowie sie­ben La Liga-Minu­ten gegen Las Pal­mas Anfang die­ses Jah­res eher über­schau­bar waren. Immer­hin stand er zudem in ver­schie­de­nen Wett­be­wer­ben im Kader, unter ande­rem auch beim kürz­lich been­de­ten Infan­ti­no-Pokal. Dass es nicht zu mehr Spiel­zeit reich­te, lag laut Ale­jan­dro zudem an der natur­ge­mäß gro­ßen Kon­kur­renz im zen­tra­len Mit­tel­feld, aber auch dar­an, dass er mit sei­nen Fähig­kei­ten nicht so wirk­lich in Car­lo Ance­lot­tis Sys­tem pass­te. Das scheint sich auch unter Xabi Alon­so nicht geän­dert zu haben.

Aber wel­che Fähig­kei­ten sind das, die zum VfB schein­bar bes­ser pas­sen als zu Real Madrid? Ale­jan­dro beschreibt ihn als einen sehr robus­ten Spie­ler mit einer bein­dru­cken phy­si­schen Prä­senz, der ein gutes Spiel­ver­ständ­nis habe — Andrés misst immer­hin auch 190 Zen­ti­me­ter. Er ver­gleicht ihn mit Rodri, mir kom­men da zudem Erin­ne­run­gen an Zvo­ni­mir Sol­do, auch wenn man die Spie­ler in Sachen Erfah­rung und Qua­li­tät und über 20 Jah­re natür­lich schwer ver­glei­chen kann. Andrés ver­su­che zudem häu­fi­ger, mit Distanz­schüs­sen geg­ne­ri­sche Tor­hü­ter zu über­ra­schen. Unter Raul spiel­te durch­gän­gig in einem 4–2‑3–1 auf der Dop­pel­sechs, dabei aber grund­sätz­lich den eher defen­si­ve­ren Part — beim VfB aktu­ell die Rol­le von Ata­kan Kara­zor. Eine sym­bol­träch­ti­ge Posi­ti­on in Spa­ni­en, so Ale­jan­dro, nach den Erfol­gen, die Spie­ler wie Bus­quets oder Rodri in der Natio­nal­mann­schaft gefei­ert haben. A‑Ju­gend-Trai­ner Arbel­oa habe neben lan­gen Bäl­len auch viel auf Ball­be­sitz gesetzt, was Andrés sehr ent­ge­gen kam. Als Schwä­che sieht unser Exper­te noch sei­nen Man­gel an Erfah­rung.

Der nächste junge Herausforderer

Auch in der Nach­wuchs-Natio­nal­mann­schaft neh­me Andrés eine wich­ti­ge Rol­le ein, im ver­gan­ge­nen Som­mer führ­te er Spa­ni­en U19 zum Euro­pa­meis­ter-Titel, aktu­ell sei er auf dem Sprung in die U21-Natio­nal­mann­schaft — abhän­gig davon, wie er sich beim VfB ent­wick­le. Den Sprung in die Bun­des­li­ga sieht Ale­jan­dro auf jeden Fall als rich­tig an, spe­zi­ell auch den Wech­sel zum VfB und zu Sebas­ti­an Hoe­neß, der bewie­sen habe, dass er jun­ge Spie­ler ent­wi­ckeln kann. Zudem sei­en in der Bun­des­li­ga nicht nur phy­si­sche Stär­ke, son­dern auch tech­ni­sche Fer­tig­kei­ten wich­tig, die Andrés besit­ze. Ale­jan­dro führt auch das Bei­spiel von Dani Car­va­jal an, der Madrid-Fans davon über­zeugt habe, wie gut sich Reals Nach­wuchs­spie­ler in Deutsch­land ent­wi­ckeln kön­nen. Für die­sen Fall hat Real allem Anschein nach eine Rück­kauf­op­ti­on in den Kauf­ver­trag ein­ge­baut. Das sei laut Ale­jan­dro die Regel bei Real, um wei­ter die Hand auf jun­gen Talen­ten zu haben — und auch der VfB hat sich ja in der Ver­gan­gen­heit bei Matej Mag­li­ca einer sol­chen Klau­sel bedient oder sie bei Raul Pau­la oder Ben­ny Boakye ein­ge­baut. Aktu­ell ist das The­ma auch bei Nico Paz von Como, den Real zurück­ho­len könn­te.

Andrés ist zwar nach Assi­gnon, Dar­vich und Jova­no­vic der vier­te Neu­zu­gang des VfB in die­sem Som­mer, die gro­ßen Kader­be­we­gun­gen wer­den aber in naher Zukunft mit einem mög­li­chen Abgang von Mil­lot und der Ver­pflich­tung sei­ner Nach­fol­ge sowie einem mög­li­chen mil­lio­nen­schwe­ren Trans­fer von Wol­te­ma­de und des­sen Fol­gen noch kom­men. Aktu­ell hat der VfB erst ein­mal die schwä­cheln­de rech­te Abwehr­sei­te neu besetzt und ansons­ten den eta­blier­ten Spie­lern im Mit­tel­feld jun­ge Spie­ler als Her­aus­for­de­rer an die Sei­te gestellt. Auch Andrés wird sich zunächst hin­ter Ange­lo Stil­ler und Ata Kara­zor anstel­len und mit Yan­nik Kei­tel um den Platz auf der Bank kon­kur­rie­ren. Bei die­ser Ablö­se macht der VfB — trotz der Rück­kauf­op­ti­on, die sich je nach Ent­wick­lung als güns­tig für Real erwei­sen könn­te — erst ein­mal nicht viel falsch. Auch wenn man erneut die Fra­ge stel­len kann, ob man nicht gege­be­nen­falls einen Mir­za Cato­vic, der ja schon auf dem Mann­schafts­fo­to zu sehen war, vor- und hoch­zie­hen soll­te.

Andrés wirkt jeden­falls — wie so vie­le Talen­te — wie jemand, der per­fekt zum VfB passt, um den nächs­ten Schritt zu machen. Ob das der Fall sein wird, hängt natür­lich auch vom Ver­lauf der kom­men­den Sai­son ab. In der wird es, Mil­lio­nen-Ein­nah­men hin oder her, übri­gens auch dar­auf ankom­men, dass die eta­blier­ten Spie­ler in der Lage sind, sich wie­der an das Niveau der Vize­meis­ter-Sai­son anzu­nä­hern und die kol­lek­ti­ve Unsi­cher­heit, die die Mann­schaft im Früh­jahr erfass­te, abzu­schüt­teln. Da kön­nen jun­ge Spie­ler nicht unbe­dingt bei hel­fen, das muss die Stamm­elf schon allei­ne hin­krie­gen — auch um Spie­lern wie Andrés Raum zur Ent­wick­lung zu geben.

Titel­bild: © Denis Doyle/Getty Images

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