Mainz durchgespielt

Auch im DFB-Pokal setzt sich der VfB gegen Mainz durch und zieht ver­dient ins Ach­tel­fi­na­le ein. Bei den Rhein­hes­sen lie­ßen es die Brust­ring­trä­ger zwi­schen­zeit­lich zwar sehr gemäch­lich ange­hen, im Nach­hin­ein betrach­tet war mehr aber auch gar nicht nötig.

Etwas Per­sön­li­ches: Da ich ja nicht in Würt­tem­berg woh­ne, son­dern in der süd­hes­si­schen Dia­spo­ra, sind selbst Heim­spie­le für mich nor­ma­ler­wei­se mit einem gewis­sen zeit­li­chen Auf­wand und — je nach Anstoß­zeit — mit etwas kür­ze­rem Schlaf ver­bun­den. Ganz anders die Aus­wärts­spie­le im Rhein-Main-Gebiet, also Frank­furt, zwi­schen­durch Darm­stadt und natür­lich: Mainz, zumal ich die Stadt noch aus Stu­di­en­zei­ten ken­ne, als ich nur drei Mal umfal­len muss­te, um im Gäs­te­block des alten Bruch­wegs zu ste­hen. Die Ergeb­nis­se in Mainz lie­ßen nur lei­der meist zu wün­schen übrig. Ganz anders die zwei­te Run­de des dies­jäh­ri­gen DFB-Pokals. Die unnö­tig frü­he Anstoß­zeit war natür­lich gera­de für “ech­te” Aus­wärts­fah­rer sehr arbeit­neh­mer­feind­lich, für mich bedeu­te­te es immer­hin eine noch rela­tiv ent­spann­te Abfahrt, eine ent­spann­te Rück­fahrt und dazwi­schen: Ein eigent­lich ziem­lich ent­spann­tes Spiel.

Wobei das mit der Ent­span­nung immer so eine Sache ist. Der zwi­schen­zeit­lich in den Sozia­len Medi­en genutz­te Hash­tag #VfB­sein hat ja mitt­ler­wei­le ein gewis­ses Eigen­le­ben ent­wi­ckelt. #VfB­sein ist, wenn man weiß, dass der VfB die stär­ke­re Mann­schaft ist, aber einem schon vor Anpfiff tau­send Mög­lich­kei­ten ein­fal­len, wie wir gleich wie­der den Auf­bau­geg­ner für gebeu­tel­te Abstiegs­kan­di­da­ten spie­len. #VfB­sein ist auch, wenn man selbst bei einer 2:0‑Führung in der zwei­ten von sie­ben Minu­ten Nach­spiel­zeit nicht kom­plett ent­span­nen kann. Der Hin­ter­grund ist klar: Zu häu­fig haben wir den VfB in buch­stäb­lich aller­letz­ter Minu­te ver­sa­gen sehen — in den letz­ten knapp zwei­ein­halb Jah­ren aber eben auch immer häu­fi­ger nicht.

Weit hinten im Liegestuhl

So auch die­ses Mal. Nach der frü­hen Füh­rung durch Jaquez dau­er­te es zwar knapp 67 Minu­ten bis Kapi­tän Ata­kan Kara­zor völ­lig frei­ste­hend den Deckel drauf mach­te, schaut man sich aber die Sta­tis­ti­ken an, so sieht man, dass den Main­zern in die­ser Zeit genau ein Schuss aufs Tor von Fabi­an Bred­low gelang, näm­lich von Nadiem Ami­ri in der 25. Minu­te. Zehn Minu­ten vor Schluss muss­te Bred­low dann noch­mal einen Schuss von Han­che-Olsen ent­ge­gen neh­men, das wars. Die Angst vor dem Gegen­tor speis­te sich nicht aus der Gefähr­lich­keit der Main­zer, son­dern aus der tief­sit­zen­den Furcht vor Feh­lern des VfB. Die der Mann­schaft aber kaum unter­lie­fen.

Sie lehn­te sich nur teil­wei­se see­ehr weit in ihrem Lie­ge­stuhl zurück und schon­te sich ein biss­chen für das Spit­zen­spiel in Leip­zig am Wochen­en­de. Nach­dem die Main­zer beim Füh­rungs­tref­fer jeg­li­che Abwehr­ar­beit ver­wei­ger­ten lie­ßen sich die Brust­ring­trä­ger von der Harm­lo­sig­keit der Gast­ge­ber ein wenig ein­lul­len und die Päs­se kamen teil­wei­se nicht mehr mit der nöti­gen Schär­fe, immer mehr Bäl­le wur­den nicht erlau­fen und Zwei­kämp­fe im Mit­tel­feld wur­den nicht immer gewon­nen. Im Gäs­te­block stellst Du Dir dann vor, dass gleich ein Main­zer allein auf unse­ren Tor­wart zuläuft. Die Spie­ler hin­ge­gen wuss­ten, dass die 05er aktu­ell in einer deso­la­ten Ver­fas­sung sind, egal mit wel­cher Elf sie antre­ten und dass ihnen des­halb nur eine über­schau­ba­re Gefahr droht. Sie haben Mainz qua­si durch­ge­spielt. Genau­so wie ihr Trai­ner, der die Elf vom Sonn­tag erneut fast kom­plett aus­tausch­te.

Über die Qualität wieder zur Kontrolle

Sebas­ti­an Hoe­neß the­ma­ti­sier­te trotz­dem zurecht den Leis­tungs­ab­fall nach der Füh­rung: “In der anschlie­ßen­den Pha­se haben wir jedoch zu fah­rig agiert und dadurch zuge­las­sen, dass die Par­tie wie­der offen wur­de.” In Mainz beka­men sei­ne Spie­ler das über die eige­ne Qua­li­tät wie­der in den Griff, in Frei­burg bei­spiels­wei­se ging das schief. Wobei im Breis­gau irgend­wann auch die Ein­stel­lung nicht mehr stimm­te. Die Mann­schaft hat seit­dem einen gro­ßen Schritt nach vor­ne gemacht und das ers­te von drei wich­ti­gen Spie­len gewon­nen. In Leip­zig und gegen Feye­noord wird sie sich auch wie­der an das Niveau des Geg­ners anpas­sen müs­sen — dann im posi­ti­ven Sin­ne.

Titel­bild: © Alex Grimm/Getty Images

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