Keine Haltung, keine Punkte

In Mainz nimmt sich die Mann­schaft nach vier guten oder zumin­dest erfolg­rei­chen Spie­len mal wie­der eine ihrer Aus­zei­ten. Das ist einer­seits das, was uns noch zur abso­lu­ten Spit­ze fehlt, ande­rer­seits bestä­tigt sich hier mal wie­der ein Mus­ter.

Dass wir von ganz unten her­kom­men und immer noch auf Platz 4 ste­hen, mit vier Punk­ten Vor­sprung auf einen nicht zur Teil­nah­me am Euro­pa­po­kal berech­ti­gen­den Platz: Geschenkt. Ich will an die­ser Stel­le nicht unse­ren Sport­di­rek­tor zitie­ren, aber kom­plett über­ra­schend kommt ein Punkt­ver­lust beim Tabel­len­sechs­ten jetzt auch nicht. Zumin­dest nicht, wenn man, ja, die rich­ti­ge Hal­tung zu die­ser Art Spiel ver­mis­sen lässt. Nun muss man an die­ser Stel­le natür­lich dif­fe­ren­zie­ren, damit sich in den Kom­men­ta­ren nicht die Argu­men­te im ers­ten Satz sta­peln: Dass die Mann­schaft am Sams­tag­nach­mit­tag kein gutes Spiel ablie­fer­te, heißt nicht, dass es jetzt berg­ab geht, oder dass sie grund­sätz­lich eine fal­sche Berufs­ein­stel­lung hat. Und noch weni­ger heißt das, dass das Spiel gegen Paris am Mitt­woch jetzt schon ver­lo­ren ist. Es bedeu­tet ledig­lich, dass die Mann­schaft die­ses Spiel falsch anging, oder wie Sebas­ti­an Hoe­neß es for­mu­liert: “Wir kön­nen aus dem Spiel zie­hen, dass wir am Mitt­woch im Gro­ßen und Gan­zen eine ande­re Hal­tung brau­chen, wir müs­sen schon ein paar Pro­zen­te mehr her­aus­kit­zeln als heu­te.” Nicht mehr und nicht weni­ger.

Nun könn­te man natür­lich ein­wen­den, dass der VfB ja durch­aus sei­ne Chan­cen hat­te und das ja auch ganz anders hät­te lau­fen kön­nen. Die Bes­te setz­te Deniz Undav nach 13 Minu­ten dane­ben, den Rest der Tor­schüs­se muss man lei­der unter gewollt, aber nicht gekonnt ver­bu­chen. So rich­tig gefähr­lich wur­de es für den durch­aus nicht beson­ders siche­ren Robin Zent­ner nicht mehr. Was vor allem dar­an lag, dass sich die Mann­schaft nach vier Pflicht­spiel­sie­gen am Stück wie­der eine Par­tie gönn­te, in der sie dach­te, dass alles von allei­ne klappt. Wir ken­nen das schon aus der ver­gan­ge­nen Sai­son, meist folg­te auf so ein Spiel die nächs­te Sie­ges­se­rie. Und auch in die­ser Spiel­zeit konnt man das beob­ach­ten: Der 0:4‑Klatsche in Mün­chen ließ man Sie­ge in Turin, gegen Kiel und Kai­sers­lau­tern sowie ein 0:0 in Lever­ku­sen fol­gen, auf das 1:5 in Bel­grad reagier­te man mit Sie­gen in Regens­burg, gegen Uni­on, gegen Bern und in Hei­den­heim. Und nach dem Heim­spiel gegen St. Pau­li, in dem man wirk­lich kei­nen Stich mach­te, star­te­te man die gera­de wie­der been­de­te Serie aus vier Sie­gen.

Sie wussten, was sie erwartet

Auch gegen Augs­burg wirk­te die Mann­schaft trotz der vor­her­ge­hen­den kur­zen Win­ter­pau­se fah­rig, hat­te sich und den unterm Strich harm­lo­sen Geg­ner aber am Ende im Griff. Aber Mainz steht nicht aktu­ell auch nach 19 Spiel­ta­gen auf Platz 5 und wenn es eines Sym­bol­bilds für die Men­ta­li­täts­un­ter­schie­de am Sams­tag bedurf­te, dann war dies der Main­zer Tor­ju­bel nach dem etwas glück­lich ent­stan­de­nen 2:0. Von den Schul­tern der Haus­her­ren fiel in die­sem Moment die Last ab, sich für einen kämp­fe­ri­schen Ein­satz nicht zu beloh­nen. Denn ver­dient war der Heim­sieg auf jeden Fall. Man kann sich sicher­lich über die Gang­art der Main­zer beschwe­ren, aber über­rascht dar­über muss man nicht sein. Die Mann­schaft, das gaben die Ver­ant­wort­li­chen im Anschluss ans Spiel auch zu, wuss­te genau was sie erwar­te­te. Aber sie war nicht bereit, das anzu­neh­men.

Das äußer­te sich in schlam­pi­gen Päs­sen, über­has­te­ten Abschlüs­sen und feh­len­der Lauf- und Zwei­kampf­be­reit­schaft im Mit­tel­feld. Meist war ein Main­zer schnel­ler am Ball, häu­fig wur­den Päs­se mit sehr viel Zuver- und wenig Über­sicht gespielt und vor­ne nahm man sich die Abschlüs­se aus schlech­ten Posi­tio­nen und beraub­te sich der eige­nen Tor­ge­fahr. Wäh­rend dies Pro­ble­me waren, die die gan­ze Mann­schaft betra­fen, hat­ten vor allem die Außen­ver­tei­di­ger einen raben­schwar­zen Tag und lie­ßen die Main­zer immer wie­der gefähr­lich durch­lau­fen. Sym­bo­lisch für die geis­ti­ge Träg­heit der Mann­schaft war auch Ata­kan Kara­zors mit Gelb bedach­tes Foul im geg­ne­ri­schen Straf­raum nach einem erneut ver­dad­del­ten Angriff, wel­ches ihn gegen Mön­chen­glad­bach zum Zuschau­en zwingt. Der VfB hät­te wohl noch­mal 90 Minu­ten spie­len kön­nen, ihnen wäre nichts bes­se­res ein­ge­fal­len.

Erkenntnis erst nach Abpfiff

Wie schon gesagt pas­sie­ren die­se “Auszeit”-Spiele nach einem bestimm­ten Mus­ter und sie pas­sie­ren — mit Aus­nah­me des Bay­ern-Spiels — vor allem gegen Mann­schaf­ten, die dem VfB indi­vi­du­ell spie­le­risch unter­le­gen sind, dies aber durch den rich­ti­gen Ein­satz und gute Orga­ni­sa­ti­on wett­ma­chen kön­nen. In sol­chen Spie­len gelingt es dem VfB par­tout nicht, die eige­ne Qua­li­tät aufs Feld zu brin­gen und auch eine Halb­zeit­an­spra­che scheint dar­an nichts zu ändern. Erst nach Abpfiff reift dann die Erkennt­nis, dass das zu wenig war und in der Fol­ge müs­sen dann unse­re nächs­ten Geg­ner dar­un­ter lei­den. Nicht die schlech­tes­te Vor­aus­set­zung für das Spiel am Mitt­woch also, bei dem sich eine sol­che Leis­tung sowie­so von vorn­her­ein ver­bie­tet. Nun heißt es also wie­der, sich der eige­nen Stär­ken zu besin­nen und die nächs­te Serie zu star­ten. Und ange­sichts des­sen, wo wir her­kom­men und wo wir trotz­dem noch ste­hen ist das doch gar kei­ne schlech­te Aus­sicht.

Zum Wei­ter­le­sen: Der Ver­ti­kal­pass resü­miert: “Die Gäs­te hat­ten zwar ihre Ansät­ze und zeig­ten pha­sen­wei­se spie­le­ri­sche Ele­ganz, aber gegen die Kom­pro­miss­lo­sig­keit und Klar­heit der Main­zer fan­den sie kein Mit­tel.”

Titel­bild: © Chris­ti­an Kas­par-Bart­ke/­Get­ty Images

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