Irgendwo dazwischen

Die Brust­ring­trä­ger schlie­ßen die ers­te von vie­len eng­li­schen Wochen mit sie­ben von neun mög­li­chen Punk­ten ab. Das 1:1 gegen Uni­on ist nicht unbe­dingt eine Ent­täu­schung, aber auch kei­ne Glanz­leis­tung — son­dern irgend­was mit­ten­drin.

Denn natür­lich ist es zunächst ein wenig über­ra­schend, dass wir aus­ge­rech­net gegen den tabel­la­risch schlech­tes­ten Geg­ner in die­ser Woche Punk­te lie­gen las­sen — wer Lever­ku­sen und Frank­furt schlägt, soll­te doch mit Uni­on fer­tig wer­den, so die nahe­lie­gen­de Ver­mu­tung. Sich hier allein an der Tabel­le zu ori­en­tie­ren, kann aber trü­ge­risch sein. Denn die Ber­li­ner haben sich nach ihrer Hor­ror­sai­son vor zwei Jah­ren unter Stef­fen Baum­gart durch­aus wie­der kon­so­li­diert und haben wie­der zu den Stär­ken zurück­ge­fun­den, mit denen sie uns in den Jah­ren nach deren Auf- und unse­rem Abstieg auf die Ner­ven gegan­gen sind. Der Unter­schied besteht mitt­ler­wei­le dar­in, dass der VfB auf dem Papier die stär­ke­re Mann­schaft hat. Spielt ein Team wie Uni­on jedoch am Limit und der VfB nicht, dann nähert man sich unterm Strich ganz schnell an.

Ande­rer­seits könn­te man auch die Mei­nung ver­tre­ten, dass ent­ge­gen des Tableaus, Uni­on der stärks­te der drei letz­ten Geg­ner war, gegen den es für den VfB an einem nicht opti­ma­len Tag eben nur zu einem Punkt reich­te. Denn die Köpe­ni­cker ver­tei­dig­ten wesent­lich kon­se­quen­ter als die Lever­ku­se­ner, gegen die der Mann­schaft mit dem Brust­ring am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de alles gelang, gera­de vor dem Tor. Und sie waren auch wesent­lich gefes­tig­ter als die Ein­tracht, deren teils chao­ti­sches Auf­tre­ten ihrem Trai­ner mitt­ler­wei­le den Job gekos­tet hat. Was die Tor­ge­fahr angeht, wenn auch nicht unbe­dingt die Chan­cen­ver­wer­tung, waren die Gäs­te am Sonn­tag­nach­mit­tag ihren Vor­gän­gern eben­bür­tig, vor allem als sie nach dem Rück­stand nicht nur auf den Aus­gleich, son­dern gar auf den Sieg­tref­fer dräng­ten. Der VfB hin­ge­gen wuchs in die­ser Woche gegen Lever­ku­sen über sich hin­aus, ging gegen Frank­furt an sein Limit, um das Spiel für sich zu ent­schei­den und blieb gegen Uni­on eben genau das schul­dig. Und das obwohl die Gäs­te durch eine unsin­ni­ge Anset­zung am Don­ners­tag­abend gan­ze zwei Tage weni­ger Rege­ne­ra­ti­on hat­te als wir und zuletzt zwei Mal Rück­stän­den — erfolg­reich — hin­ter­her lief.

Kaum in den gefährlichen Räumen

Denn hät­te die Mann­schaft eine Leis­tung wie gegen Lever­ku­sen oder Frank­furt gezeigt, wäre es ihr wesent­lich häu­fi­ger gelun­gen, die­sen wie erwar­tet tief­stehen­den Geg­ner durch eige­nes Tem­po zu über­win­den, anstatt, wie auch Sebas­ti­an Hoe­neß im Anschluss monier­te, zu ver­su­chen, “die Lösung mit dem Ball am Fuß zu fin­den”. Hin­zu kam, dass man sich ein­fach zu weni­ge Chan­cen in aus­sichts­rei­chen Posi­tio­nen erspiel­te oder zu häu­fig aus zu gro­ßer Distanz oder zu spit­zem Win­kel abschloss. Hät­te Deniz Undav bei­spiels­wei­se gegen Frank­furt vor dem Aus­gleich meh­re­re Tore schie­ßen kön­nen, so reich­te es dies­mal nur zu einer Groß­chan­ce, wäh­rend wei­te­re Abschlüs­se ein­fach zu unge­fähr­lich waren. Iro­ni­scher­wei­se fiel das Füh­rungs­tor durch Füh­rich nach einer beein­dru­cken­den Ein­zel­leis­tung von Ramon Hen­driks und durch das fei­ne Füß­chen des Tor­schüt­zen von außer­halb des Straf­raums. Aber wäh­rend Uni­on fast nur von inner­halb des Sechs­zeh­ners aufs Tor schoss, kam der VfB kaum in die gefähr­li­chen Räu­me.

Über­haupt Füh­rich. Wenn man jeman­den von der Kri­tik an der stump­fen VfB-Offen­si­ve am Sonn­tag aus­neh­men muss, dann ihnen. Schon die gan­ze Woche über zeig­te er end­lich, war­um er vor der Sai­son unbe­dingt die Rücken­num­mer 10 haben woll­te, ihm hat­te der Weih­nachts­mann offen­sicht­lich ein biss­chen mehr Über­sicht und Ent­schei­dungs­stär­ke unter den Baum gelegt. Aber allei­ne konn­te er das Spiel auch nicht ent­schei­den, dazu war Uni­on zu defen­siv­stark und das Spiel des VfB zu unge­nau. Und nach der eige­nen Füh­rung auch lei­der zu pas­siv. Dass “aus­ge­rech­net” Jeong Woo-yeong zum Aus­gleich ein­schie­ben konn­te, lag zwar erst­mal dar­an, dass Josha Vagno­man trotz aller Vor­la­gen in die­ser Woche defen­siv zu anfäl­lig ist und dass trotz kla­rer Zutei­lung Jeff Cha­b­ot und Ramon Hen­driks den ehe­ma­li­gen Brust­ring­trä­ger im Rück­raum unbe­wacht lie­ßen. Der Aus­gleich hat­te sich aber schon abge­zeich­net, weil der VfB den ener­gi­schen Angrif­fen der Unio­ner bis auf Stil­lers Groß­chan­ce nur wenig ent­ge­gen zu set­zen hat­te. Was viel­leicht auch dar­an lag, dass es die Mann­schaft ver­säum­te, stär­ker aufs zwei­te Tor zu gehen und mit der Ein­wechs­lung von Finn Jeltsch und der rela­tiv spä­ten Her­ein­nah­me von Erme­din Demi­ro­vic auch nicht unbe­dingt den Impuls von außen dazu bekam.

Wieder ans Limit

Grund­sätz­lich ist also durch­aus mehr drin gegen Uni­on, aber eben nicht an die­sem Tag. Viel­leicht ist es für uns auch des­halb so schwer, Unent­schie­den rich­tig ein­zu­ord­nen, weil sie unter Sebas­ti­an Hoe­neß so sel­ten gewor­den sind. Nur 20 von 127 Pflicht­spie­len mit ihm an der Sei­ten­li­nie gin­gen Remis aus. Immer­hin hält man durch den einen Punkt die Abstän­de in der noch immer etwas schie­fen Tabel­len nach unten, beson­ders auf die Plät­ze außer­halb des Euro­pa­po­kals. Dort geht es jetzt am Don­ners­tag im Sta­dio Olim­pi­co gegen die Mann­schaft, die die wenigs­ten Gegen­tref­fer der Serie A kas­siert hat. Da wer­den die Brust­ring­trä­ger wie­der näher an ihr Limit kom­men oder es sogar über­schrei­ten, wol­len sie bei der Roma etwas mit­neh­men. Dass sie dazu in der Lage sind, haben wir ver­gan­ge­ne Woche gese­hen.

Titel­bild: © Alex Grimm/Getty Images

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