Hauptsache Halbfinale

Erneut besiegt der VfB den FC Augs­burg in einem zähen Spiel durch ein Tor von Deniz Undav. Auch ange­sichts des spä­ten Fouls an Enzo Mil­lot ist man geneigt, den Ein­zug ins Halb­fi­na­le als das Bes­te an die­sem Spiel anzu­se­hen.

Die guten Nach­rich­ten zuerst: Nach zwei Jah­ren kehrt der VfB zurück ins Pokal­halb­fi­na­le, wel­ches uns letz­te Sai­son auch nur durch Los­pech und eine unter­ir­di­sche Schieds­rich­ter­leis­tung ver­wehrt blieb. Und: Ent­ge­gen land­läu­fi­ger Annah­men führ­te der Trans­fer von Antho­ny Rou­ault nicht dazu, dass der VfB defen­siv aus­ein­an­der fiel und somit die gro­ße Chan­ce auf ein Wei­ter­kom­men im Pokal für etwa 15 Mil­lio­nen Euro ver­hö­kert hat. Schließ­lich: Augs­burg spielt aus Grün­den nicht um den Ein­zug ins euro­päi­sche Geschäft mit.

Und damit hat es sich nach die­sem Pokal­a­bend auch erst­mal, der am Ende über­schat­tet wur­de von einer wil­den Grät­sche von FCA-Ver­tei­di­ger Dimi­tri­os Gian­nou­lis, der offen­bar nicht damit klar kam, dass Enzo Mil­lot ihn auf der Grund­li­nie nass mach­te und die­sen des­halb gna­den­los von hin­ten ummäh­te. Dass der erneut mit der Lei­tung eines Spiels zwi­schen zwei Bun­des­li­gis­ten über­for­der­te Sascha Ste­ge­mann dafür nur Gelb zeig­te, run­det einen Abend ab, an dem der VfB gut und ger­ne deut­li­cher hät­te gewin­nen müs­sen, sich aber das Leben immer wie­der sel­ber schwer mach­te.

Gute Lösung für die Startelf

Dabei hat­te Trai­ner Sebas­ti­an Hoe­neß eigent­lich sehr gute Lösun­gen für die beson­de­re Situa­ti­on gefun­den, dass ein Innen­ver­tei­di­ger ver­letzt, einer ver­kauft und zwei gera­de erst ver­pflich­tet wor­den waren, dazu fie­len auch noch Josha Vagno­man und Nick Wol­te­ma­de krank aus. Anrie Cha­se, der mir bei sei­ner Ein­wechs­lung gegen Paris ange­sichts sei­ner der­zei­ti­gen Form­schwä­che fast schon leid tat, war nicht ein­mal im Kader, dafür ver­tei­dig­ten Jeff Cha­b­ot und Ramon Hen­driks innen, Maxi Mit­tel­städt und Leo Ster­giou außen. Vor­ne bot er sei­nen 50-Mil­lio­nen-Sturm auf, der das Spiel am Ende ent­schei­den soll­te.

Dass das Tor nicht so ele­gant fiel wie in der Liga, son­dern dadurch, dass Onye­kas Klä­rungs­ver­such von Undav zu Demi­ro­vic prall­te, der wie­der­um Undav das Tor auf­leg­te, ist auch etwas bezeich­nend. Dabei hat­te der VfB gegen danach immer offe­ner agie­ren­de Augs­bur­ger im Ansatz noch wei­te­re Chan­cen, mach­te es aber wie in der ver­gan­ge­nen Woche zu kom­pli­ziert und brach­te sich damit um ein biss­chen mehr Ruhe in der Schluss­pha­se. Gleich­zei­tig hat­te Alex­an­der Nübel bei zwei Schüs­sen der Augs­burg mehr zu tun, als ihm lieb sein konn­te und als es der Auf­tritt der Gäs­te ehr­li­cher­wei­se her­gab.

Trifft Augsburg aus Versehen doch?

Wie schon in der Liga zum Jah­res­auf­takt blieb der FCA unterm Strich ziem­lich harm­los, der Auf­schwung der letz­ten Wochen mit zehn Punk­ten aus vier Spie­len schien wie weg­ge­bla­sen. Trotz­dem hat­te man als leid­ge­prüf­ter VfB-Fan immer wie­der die Befürch­tung, dass ihnen aus Ver­se­hen doch ein Tor gelin­gen könn­te. Und manch­ma auch über­haupt nicht, denn zumin­dest der opti­sche Vor­teil — sta­tis­tisch sieht das gan­ze nach einem über­zeu­gen­den Sieg aus — schwapp­te immer wie­der hin und her. Bis zur Füh­rung leis­te­te sich der VfB vie­le Unkon­zen­triert­hei­ten, ver­lor wich­ti­ge Zwei­kämp­fe und stell­te sich in der geg­ne­ri­schen Hälf­te sehr umständ­lich an. Nach dem 1:0 und bis weit in die zwei­te Halb­zeit hin­ein lie­ßen die Spie­ler im Brust­ring den Ball so ele­gant und ziel­stre­big lau­fen, wie wir es von ihnen gewohnt sind, nur um urplötz­lich wie­der in den alten Schlen­dri­an zu ver­fal­len.

Sicher­lich war dies das vier­te Spiel unter der Woche im noch jun­gen Jahr 2025 und sowohl die drei jüngs­ten Nie­der­la­gen, als auch das Spiel gegen Paris mögen der Mann­schaft noch in den Kno­chen hän­gen und im Kopf her­um­geis­tern. Gleich­zei­tig zeig­te die Mann­schaft ja zwi­schen­durch immer wie­der, dass es ihr weder an kör­per­li­cher noch an geis­ti­ger Fri­sche fehlt — was die aus­ge­dehn­ten spie­le­ri­schen Aus­zei­ten wäh­rend des Spiels umso unver­ständ­li­cher macht. Erst im Lau­fe des Spiels bekam man das Gefühl, dass der VfB sich der Bedeu­tung des Spiels bewusst war und außer­dem ein Zei­chen gegen die “vom Welt­meis­ter zum Bademeister”-Stimmung (Zitat Hoe­neß) set­zen woll­te.

Voller Fokus auf die Liga

Am Ende ist es viel­leicht von allem ein biss­chen: Ein wech­sel­haf­ter Auf­tritt gegen einen schwa­chen Geg­ner, der aber gen­aus das Ziel ereich­te, auf das man es abge­se­hen hat­te: Die Chan­ce, am 1. oder 2. April ins Pokal­fi­na­le ein­zu­zie­hen. Auch bei Borus­sia Dort­mund am Sams­tag wird der VfB noch mit Per­so­nal­pro­ble­men zu kämp­fen haben und mit einer gewis­sen men­ta­len Blo­cka­de in vie­len Spiel­si­tua­tio­nen. Im Pokal kann man jetzt zwei Mona­te lang die Füße hoch­le­gen, in der Bun­des­li­ga muss man sich lang­sam wie­der die Posi­ti­on erar­bei­ten, die man in den letz­ten bei­den Par­tien etwas ver­spielt hat. Da wird ein Spiel nicht rei­chen, um die Wei­chen Rich­tung Euro­pa zu stel­len. Was aber auch bedeu­tet, dass man nicht nur, wie am Diens­tag­abend eine Chan­ce hat, son­dern sich bis Sai­son­ende wie­der nach oben kämp­fen kann.

Titel­bild: © Alex Grimm/Getty Images

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