Harte Arbeit

Der VfB schafft den per­fek­ten Absprung in die Län­der­spiel­pau­se. Auch gegen kri­seln­de Augs­bur­ger ist das Ergeb­nis lan­ge offen, auch wenn die Mann­schaft das Spiel eigent­lich im Griff hat — bis Deniz Undav regelt.

Ich hat­te es schon vor dem Spiel gesagt und füh­le mich nach dem 3:2 gegen den FC Augs­burg am zehn­ten Spiel­tag dar­in bestä­tigt:

Aber es wirkt, als sei in die­ser Spiel­zeit jeder Erfolg mit sehr viel har­ter Arbeit ver­bun­den. Was ja grund­sätz­lich nichts Schlech­tes ist, weil die Mann­schaft ja offen­sicht­lich kör­per­lich und men­tal in der Lage ist, die­se Arbeit zu bewäl­ti­gen. Aber sie darf halt zu kei­nem Zeit­punkt davon aus­ge­hen, dass es ohne geht.

Gegen Augs­burg brach­ten sich die Brust­ring­trä­ger zwei Mal unnö­tig in Rück­stand, kamen zwei Mal, wenn auch in der Ent­ste­hung etwas glück­lich, zurück und bear­bei­te­ten die zuneh­mend nach­las­sen­den Gäs­te dann so lan­ge, dass sich die Qua­li­tät des alten und neu­en Tabel­len­vier­ten in Form eines erneut star­ken Solos von Chris Füh­rich und einem wun­der­schö­nen Abschluss von Deniz Undav schließ­lich durch­setz­te. Es ist nicht das ers­te Mal in die­ser Sai­son, dass der VfB droht, über die eige­nen Füße zu stol­pern: Finn Jeltsch bekam einen eigent­lich über­schau­bar gefähr­li­chen lan­gen Ball sowie sei­nen Gegen­spie­ler nicht unter Kon­trol­le und erlaub­te so letzt­end­lich sei­nem ehe­ma­li­gen Mit­spie­ler Fabi Rie­der im Nach­schuss zur Füh­rung zu tref­fen. Spä­ter mach­te Alex Nübel genau das, was man gegen eine zu die­sem Zeit­punkt noch mit hoher Inten­si­tät pres­sen­den Mann­schaft nicht machen soll­te: Gefähr­li­che Bäl­le auf Mit­spie­ler unter Bedräng­nis spie­len. Wie schon in Leip­zig zwei ver­meid­ba­re Gegen­to­re. vor allem gegen einen Geg­ner, dem meist außer Pres­sing nicht viel ein­fällt.

Auch gegen Augs­burg konn­ten sich die Brust­ring­trä­ger also nicht zurück­leh­nen und wie schon in Leip­zig lie­ßen sie auch nach frus­trie­ren­den Gegen­tref­fern nicht nach. Wir müs­sen viel­leicht wei­ter­hin über die Effi­zi­enz unse­rer Angriffs­be­mü­hun­gen spre­chen, der zwei wei­te­re fit­te Stür­mer in jedem Fall gut tun wür­den. Am Ende reich­te aber neben einem etwas schmei­chel­haf­ten Elf­me­ter und einem Mil­li­me­ter hin­ter der Tor­li­nie gelan­de­ten Kopf­ball auch die Qua­li­tät und das Durch­hal­te­ver­mö­gen eines Deniz Undav, der am Don­ners­tag­abend erst mit einem Sprint über das gan­ze Feld den Deckel auf den zwei­ten Sieg der Euro­pa­po­kal-Sai­son gemacht hat­te und am Sonn­tag­nach­mit­tag erneut 90 Minu­ten abriss und das Spiel qua­si im Allein­gang ent­schied. Oder eines Dan-Axel Zag­adou, der Jeff Cha­b­ot her­vor­ra­gend und erst­mals wie­der über 90 Minu­ten ver­trat und des­sen jeder Ein­satz nicht nur für ihn ein Geschenk ist, son­dern auch für uns. Natür­lich haben wir immer noch ein The­ma, was die Kon­zen­tra­ti­on und Cle­ver­ness, sowohl vor dem eige­nen Tor als vor dem von dich­ten Abwehr­rei­hen bewach­ten geg­ne­ri­schen Tor angeht. Aber gegen die Arbeits­mo­ral die­ser Mann­schaft sind aktu­ell nur weni­ge Grä­ser gewach­sen.

Die untere Tabellenhälfte durchgespielt

Zumin­dest in der unte­ren Tabel­len­hälf­te bis ein­schließ­lich Platz 9, die der VfB mit Aus­nah­me des Ham­bur­ger SV jetzt schon kom­plett durch­ge­spielt hat — und das mit einer Bilanz von sie­ben Sie­gen bei zwei Nie­der­la­gen. Eine wei­te­re Nie­der­la­ge kam, wie ange­spro­chen, gegen Leip­zig zustan­de, was natür­lich die Fra­ge offen lässt, wie sich der VfB im Novem­ber, Dezem­ber und Janu­ar gegen die Tabel­len­nach­barn aus Dort­mund, Mün­chen, Lever­ku­sen und ja, Hof­fen­heim schla­gen wird. Ist der dritt­bes­te Sai­son­start nach zehn Spie­len — gleich­auf mit der Vize­meis­ter­sai­son vor zwei Jah­ren — also nur dem gnä­di­gen Spiel­plan-Gott geschul­det? Die­se Dis­kus­si­on wird man bei aller Freu­de über die aktu­ell viel­ver­spre­chen­de Aus­gangs­po­si­ti­on erst been­den kön­nen, wenn wir uns gegen die­se Ver­ei­ne nicht so dus­se­lig anstel­len wie gegen Leip­zig. Aber viel­leicht geht es auch da gar nicht so sehr um Ergeb­nis­se. Denn bei allem Ein­satz kann es auch ein­fach pas­sie­ren, dass gegen Mann­schaf­ten einer gewis­sen Qua­li­tät bei uns noch ein Quänt­chen — und viel­leicht nur die­ses Quänt­chen — zum Erfolg fehlt.

So lan­ge wir aber in der Lage sind, alle ande­ren Mann­schaf­ten nie­der­zu­rin­gen — und das mit nur einem etat­mä­ßi­gen Mit­tel­stür­mer und mit den noch vor­han­de­nen eben beschrie­be­nen Schwä­chen — soll­te uns das kein Kopf­zer­bre­chen berei­ten. Es ist natür­lich noch viel zu früh, in die Rück­run­de zu schau­en, aber auch in der ver­gan­ge­nen Sai­son erar­bei­te­te sich die Mann­schaft nach schwan­ken­den Leis­tun­gen bis Ende Janu­ar ja eine gute Aus­gangs­po­si­ti­on, die sie danach völ­lig unnö­tig her­gab. Dar­aus gilt es in die­ser Sai­son zu ler­nen. Wenn dann end­lich mal alle fit blei­ben und wir das im Som­mer unfrei­wil­lig gespar­te Geld im Win­ter sinn­voll inves­tie­ren, kommt viel­leicht auch irgend­wann die Leich­tig­keit wie­der, die uns durch die vor­ver­gan­ge­ne Sai­son getra­gen hat — aber ohne har­te Arbeit wird es auch dann nicht gehen. Aber viel­leicht auch mal für eine Halb­zeit ohne Deniz Undav.

Zum Wei­ter­le­sen: Der Ver­ti­kal­pass fei­ert Deniz Undav und denkt in eine ähn­li­che Rich­tung: “Dass die Mann­schaft sich von sol­chen Rück­schlä­gen über­haupt nicht beein­dru­cken lässt, ist eine neue Qua­li­tät des VfB. Durch den posi­ti­ven Lauf der letz­ten Wochen wuchs im Team die Erkennt­nis, dass sie gegen jeden Geg­ner gewin­nen kann – dass dafür aber Geduld not­wen­dig ist und vor allem har­te Arbeit.”

Titel­bild: © Sebas­ti­an Widmann/Getty Images

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