Die richtigen Schlüsse

Erwar­tungs­ge­mäß ver­liert der VfB bei den Bay­ern und wird unge­wollt Zaun­gast der Münch­ner Meis­ter­fei­er. Von dort nimmt die Mann­schaft vor allem eine Lek­ti­on für das Sai­son­fi­na­le mit.

Immer­hin war das Ergeb­nis dies­mal nicht so schmerz­haft wie im Hin­spiel. Mit nur zwei mehr kas­sier­ten Toren hält sich damit der Scha­den an der Tor­dif­fe­renz kurz vor Sai­son­ende noch in Gren­zen. Und ent­schei­dend, im Wort­sin­ne, wer­den für uns ohne­hin die direk­ten Duel­le in Hof­fen­heim und gegen Lever­ku­sen wer­den. Aber genau des­halb lohnt es sich auch bei die­sem 2:4 in Mün­chen genau hin­zu­schau­en. Vor allem auf die ers­te Halb­zeit, denn nach der Pau­se woll­ten die Bay­ern nicht mehr als das eine Tor von Kane und der VfB konn­te nicht mehr als das Traum­tor von Che­ma.

Vor dem Sei­ten­wech­sel jedoch offen­bar­te sich, was den VfB aktu­ell stark macht, und was ihn schwächt. Stark war, wie Bil­al El Khan­nouss wahr­nahm, dass Chris Füh­rich in den Road­run­ner-Modus schal­te­te und er ihm den Ball auf Halb­links nahe­zu per­fekt in die Gas­se spiel­te. In einer Start­elf ohne zen­tra­len Stür­mer spiel­te der VfB so sei­ne Stär­ken über die Flü­gel gut aus, auch wenn auf der rech­ten Sei­te rela­tiv wenig pas­sier­te. Stark auch, wie der VfB rela­tiv kom­pro­miss­los ver­tei­dig­te und dadurch immer wie­der in Umschal­ten­si­tua­tio­nen kam.

Der obligatorische Aufbau-Fehlpass

Was uns schwächt: Die feh­len­de Prä­zi­si­on und Über­zeu­gung im letz­ten Drit­tel und vor allem die defen­si­ve Leicht­sin­nig­keit, gera­de im Spiel­auf­bau. Erst war es ein abge­fan­ge­ner Fehl­pass auf links, der dar­in mün­de­te dass Finn Jeltsch Jamal Musia­la den Ball in die Füße spit­zel­te. Es folg­te ein Fehl­pass, im Mit­tel­feld, wie wir ihn schon zu häu­fig gese­hen haben, gera­de erst letz­te Woche gegen Ham­burg. Direkt nach dem Aus­gleich steht der VfB viel zu hoch und Finn Jeltsch trifft in einer Situa­ti­on ohne rich­ti­ge Abspiel­sta­ti­on die schlech­test­mög­li­che Ent­schei­dung. Das drit­te Gegen­tor fiel dann eher in die Kate­go­rie Slap­stick, hat­te aber mit soli­der Defen­siv­ar­beit auch nicht viel zu tun. Bin­nen sechs Minu­ten war der VfB kom­plett aus­ein­an­der gefal­len. Mal wie­der: Im Hin­spiel im Dezem­ber wur­de inner­halb von zehn Minu­ten aus einem 0:2 ein 0:5 und das kurz vor Abpfiff.

Immer­hin bekam die Mann­schaft am Sonn­tag das Gan­ze wie­der eini­ger­ma­ßen in den Griff, was aber auch dar­an gele­gen haben mag, dass die Bay­ern irgend­wann mit dem Kopf eher damit beschäf­tigt waren, wie sie die 13. Meis­ter­schaft in den letz­ten 14 Jah­ren am Bes­ten fei­ern. Trotz­dem waren es vor allem fata­le eige­ne Feh­ler, die das Spiel am Ende ent­schie­den. Gegen Ham­burg hat­te man noch das Glück, dass der HSV nicht die Qua­li­tät besitzt, das aus­zu­nut­zen. Dar­auf kann man sich in den kom­men­den vier Wochen nicht ver­las­sen. Und natür­lich ist ein schma­ler Grat, auf dem man in Mün­chen wan­dert: Parkt man nach eige­ner Füh­rung den Bus, dann segeln so lan­ge Bäl­le in den eige­nen Straf­raum, bis irgend­wann einer rein­fällt. Sucht man hin­ge­gen in der Offen­si­ve die Ent­las­tung, wird man anfäl­li­ger für Feh­ler. Es sei denn, man hat eine außer­ge­wöhn­lich gute Hin­ter­mann­schaft.

Rein in den Crunchtime-Modus

Zwar nicht außer­ge­wöhn­lich, aber gut genug für die ers­ten vier Plät­ze der Tabel­le ist die VfB-Defen­si­ve alle­mal. Vier Spiel­ta­ge und min­des­tens fünf Spie­le vor Sai­son­ende müs­sen die Spie­ler im Kopf aber auch so lang­sam mal in den Cruncht­i­me-Modus rein­kom­men. Uns erwar­ten Geg­ner, die nichts mehr zu ver­schen­ken haben, im Gegen­teil, Sie­ge gegen uns wür­den sogar qua­si dop­pelt zäh­len. Die Mann­schaft muss jetzt in jedem Spiel kom­plett bei der Sache sein und den eige­nen Erwar­tun­gen auch Taten fol­gen las­sen. Das eige­ne Poten­zi­al abru­fen heißt auch: Kei­ne Hara­ki­ri-Lari­fa­ri-Päs­se mehr ohne Absi­che­rung, kein wil­des Her­um­ge­ir­re im eige­nen Straf­raum und vor allem kei­ne halb­ga­ren Abschlüs­se in die Arme des geg­ne­ri­schen Tor­warts.

Wir haben alles in der eige­nen Hand. Dass wir uns jetzt auf rech­ne­risch für einen euro­päi­schen Wett­be­werb qua­li­fi­ziert haben, ist der ers­te Schritt und der ers­te Erfolg. Die Mann­schaft muss die Chan­ce jetzt ergrei­fen, die Sai­son zu ver­gol­den.

Titel­bild: © Leon­hard Simon/Getty Images

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