Das tat weh!

Der VfB lie­fert den ers­ten rich­tig schlech­ten Auf­tritt in der Königs­klas­se in die­ser Sai­son ab und geht in Bel­grad mit 1:5 unter. Und dann lei­tet auch noch Silas die Wen­de ein.

Ein Ball­ge­winn im Mit­tel­feld, ein paar schnel­le Schrit­te Rich­tung Straf­raum, der Geg­ner greift nicht ein und der Ball passt genau zwi­schen Tor­hü­ter und Pfos­ten. Es sind kei­ne Unmen­gen an Toren, die Silas im Tri­kot mit dem Brust­ring geschos­sen hat, aber wenn, dann waren es sol­che Tore. Es war nur eine von vie­len schmerz­haf­ten Erkennt­nis­sen am Mitt­woch­abend in Bel­grad, dass der VfB nicht in der Lage war, ein sol­ches Tor zu ver­hin­dern, obwohl kaum jemand bis zu die­sem Som­mer für den VfB gespielt hat, wie eben Silas. Es greift natür­lich zu kurz, sich von fünf Gegen­to­ren nur eines raus­zu­su­chen. Aber gera­de weil der Leih­stür­mer des VfB es erziel­te und weil zuerst Enzo Mil­lot den Ball leicht­fer­tig im Zwei­kampf her gab und Jeff Cha­b­ot im Anschluss nur Geleit­schutz gab, war es so sym­pto­ma­tisch für den Auf­tritt der Mann­schaft in der ser­bi­schen Haupt­stadt.

Dass das Spiel kein leich­tes wer­den wür­de, war vor­ab klar und eben­so, dass es für einen Sieg eine Leis­tungs­stei­ge­rung gegen­über dem Bochum-Spiel brauch­te, als die Mann­schaft zwar gedul­dig, aber auch teil­wei­se sehr glück­los agier­te und die wei­test­ge­hend unge­fähr­li­chen Bochu­mer trotz viel Ball­be­sitz etwas ins Spiel zurück­brach­te, bevor sie end­gül­tig den Deckel drauf mach­te. In Bel­grad nutz­te der VfB sei­ne Chan­cen früh, Erme­din Demi­ro­vic traf zum 1:0 und stand bei einem mög­li­chen 2:1 hauch­dünn im Abseits. War­um die Mann­schaft sich dann aber der­art unge­lenk anstell­te, ist mir wei­ter­hin ein Rät­sel. Liegt es dar­an, dass man auf der Bank kei­nen wirk­lich tor­ge­fähr­li­chen Stür­mer zur Ent­las­tung von Erme­din Demi­ro­vic hat­te, weil Lewe­ling, Undav und El Bil­al alle­samt ver­letzt sind? Oder fehlt uns wei­ter­hin ein über­ra­gen­der Innen­ver­tei­di­ger, der dir hin­ten alles weg­ver­tei­digt.

Überlastung, trügerische Sicherheit, falsche Haltung

Es war wohl eine Mischung aus men­ta­ler Über­las­tung, fal­scher Sicher­heit auf­grund der frü­hen Füh­rung und fal­scher Hal­tung zum Spiel. Bel­grad mag die ers­ten vier Spie­le alle ver­lo­ren haben, aber sie tra­fen eben auch auf Ben­fi­ca, Inter, Mona­co und Bar­ce­lo­na, gegen die der VfB unter Umstän­den auch nicht bes­ser aus­ge­se­hen hät­te. Gleich­zei­tig spielt die Mann­schaft im vier­ten Jahr in Fol­ge Cham­pi­ons League und ist in Ser­bi­en Seri­en­meis­ter. An Erfah­rung und Cle­ver­ness fehlt es ihr also nicht, höchs­tens an der Qua­li­tät im Kon­zert der Gro­ßen. Der VfB hin­ge­gen stell­te sich am Mitt­woch ein­fach naiv an. Pas­cal Sten­zel ließ sich auf der Außen­bahn aus­tan­zen und Ata Kara­zor schlug über den Ball. Alex Nübel und Jeff Cha­b­ot irren bei einem Eck­ball an den lan­gen Pfos­ten durch den eige­nen Fünf-Meter-Raum. Und den erwart­ba­ren Kon­ter­to­ren gin­gen haar­sträu­ben­de Ball­ver­lus­te vor­aus.

Ein kom­plett gebrauch­ter Abend aus VfB-Sicht also, abge­run­det von der Will­kür der ser­bi­schen Poli­zei an der Gren­ze und den lei­der erwart­ba­ren Angrif­fen ein­zel­ner Crve­na Zvez­da-Fans auf VfB-Anhän­ger — so war zumin­dest zu lesen. Man kann jeden, der sich nach sol­chen Erleb­nis­sen im Sta­di­on noch die­se Klat­sche anschau­en muss­te, nur Respekt zol­len. Mir per­sön­lich war das Gan­ze zu heiß und letzt­lich bin ich froh, jetzt am spä­ten Mitt­woch­abend nicht in Bel­grad aus­har­ren zu müs­sen, bis ich wie­der nach Hau­se kom­me. Das Ergeb­nis und das Zustan­de­kom­men ist aber auch aus einem ande­ren Grund schmerz­haft.

Risse im Selbstverständnis

Denn der VfB wähn­te sich schon wei­ter, auch wenn man immer wie­der betont zu wis­sen, “wo man her­kommt”. In Madrid und Turin ver­kauf­te man sich teu­er und gewann sogar ein Spiel, an Prag biss man sich trotz Über­le­gen­heit die Zäh­ne aus, Ata­lan­ta war erwart­bar zu stark. In Bel­grad aber zeig­te die Mann­schaft eine kata­stro­pha­le Leis­tung gegen einen nicht über­mäch­ti­gen, aber effi­zi­en­te­ren Geg­ner. Zudem setzt man sich für die nächs­ten bei­den Spie­le gegen die wei­ter­hin sieg­lo­sen Bern und Bra­tis­la­va unter Druck und lässt zu, dass das Selbst­ver­ständ­nis und das Selbst­be­wusst­sein, trotz Rück­schlä­gen immer zu kämp­fe­ri­schen Leis­tun­gen imstan­de zu sein, Ris­se kriegt. War Sebas­ti­an Hoe­neß nach dem Spiel in Mün­chen noch der Ansicht, man kön­ne nicht zur Tages­ord­nung über­ge­hen, so fiel es ihm am Mitt­woch­abend noch schwer, die­ses Deba­kel ein­zu­ord­nen.

Die Mann­schaft hat aller­dings kei­ne Zeit, sich Selbst­zwei­feln hin­zu­ge­ben. Am Sams­tag in Bre­men ist der Kader wie­der etwas brei­ter, der Geg­ner aber ähn­lich unan­ge­nehm wie Bel­grad. Wer­der ist aktu­ell tabel­la­risch auf dem glei­chen Level wie der VfB und hat uns schon im End­spurt der letz­ten Sai­son eine schmerz­haf­te Aus­wärts­nie­der­la­ge zuge­fügt. Nach dem klei­nen Schritt nach vor­ne gegen Bochum macht die Mann­schaft wie­der zwei Schrit­te zurück und lässt zu, dass das zwei­te von drei Aus­wärts­spie­len bin­nen sechs Tagen wie­der als rich­tungs­wei­send ein­ge­ord­net wird. In Bre­men muss eine Reak­ti­on erfol­gen — aber nicht nur in Form eines gefähr­li­che­ren Offen­siv­vor­trags, son­dern auch im Hin­blick auf Abge­brüht­heit und Cle­ver­ness. Nach dem Bochum-Spiel schrieb ich, dass wir uns auch in Zukunft in Geduld wer­den üben müs­sen — das gilt auch wei­ter­hin. Aber wir müs­sen schein­bar auch ein biss­chen lei­dens­fä­hig sein und sol­che schmerz­haf­ten Ergeb­nis­se aus­hal­ten ler­nen, die uns in den ver­gan­ge­nen Mona­ten nur sel­ten wider­fah­ren sind.

Titel­bild: © Srd­jan Stevanovic/Getty Images

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