Schön ist anders

Die stär­ke­re Start­elf auf dem Platz, eine Halb­zeit in Über­zahl — und trotz­dem hat der VfB mit Bun­des­li­ga-Abstei­ger Bochum im Ach­tel­fi­na­le mehr Mühe als, sagen wir, mit dem nie­der­län­di­schen Pokal­sie­ger. Unterm Strich steht trotz­dem der erfolg­rei­che Abschluss der Serie an Aus­wärts­spie­len.

“Tief im Wes­ten, wo die Son­ne ver­staubt Ist es bes­ser, viel bes­ser, als man glaubt”, tönt es vor jedem Heim­spiel des VfL Bochum aus den Boxen. Ich kann ja mit Grö­ne­mey­er wenig anfan­gen, wes­we­gen wir mir die­ses Lied regel­mä­ßig den Besuch des Ruhr­sta­di­ons etwas ver­ha­gelt, aber zum Ach­tel­fi­na­le des DFB-Pokals am Mitt­woch­abend passt es per­fekt. Zwar schien zum Anpfiff die Son­ne nicht mehr, zu Beginn der zwei­ten Halb­zeit zogen aber so dich­te Rauch­schwa­den durchs Sta­di­on, dass man auch den Mond nicht mehr gese­hen hät­te. Als sie sich ver­zo­gen, hielt der uner­sätt­li­che Deniz Undav sei­nen Kopf in eine wohl­tem­pe­rier­te Flan­ke von Jamie Lewe­ling und für den VfL gin­gen damit in die­ser Pokal­sai­son so gut wie die Lich­ter aus. Es war viel­leicht die gelun­gens­te Akti­on des VfB an einem Abend, der aus viel Müh­sal bestand, unterm Strich aber erfolg­reich ende­te. Denn wie schon in der ers­ten Pokal­run­de tra­fen die Brust­ring­trä­ger auf einen Geg­ner, der wesent­lich gefähr­li­cher war, als es die Liga und der Tabel­len­platz in die­ser ver­riet. Nicht umsonst schick­te Sebas­ti­an Hoe­neß zum Abschied ein Lob gen Ruhr­pott: “Ich wün­sche dem VfL Bochum alles Gute für die wei­te­re Sai­son – es hat Spaß gemacht, in der Vor­be­rei­tung auf die heu­ti­ge Par­tie die Spie­le der Bochu­mer zu schau­en und zu ana­ly­sie­ren.”

Denn den Bochu­mern fehl­te das Glück, dass sich der HSV am ver­gan­ge­nen Sonn­tag gegen uns zunut­ze mach­te. Der VfB ließ in der ers­ten Halb­zeit ins­ge­samt elf Schüs­se zu, von denen drei aufs Tor gin­gen, brach­te sel­ber nur einen Abschluss auf das geg­ne­ri­schen Gehäu­se zustan­de. Und dass, obwohl Sebas­ti­an Hoe­neß wie­der zurück­ro­tier­te: Mit­tel­städt statt Sten­zel auf der lin­ken Außen­bahn, Stil­ler im Zen­trum, Assi­gnon statt Vagno­man auf der rech­ten Außen­bahn, vor­ne drin Lewe­ling und Undav. Aber Bochum ist halt nicht Deven­ter, der Zweit­li­gist hat offen­siv und defen­siv mehr zu bie­ten als der Euro­pa­po­kal­teil­neh­mer. Was aber auch mit dem VfB zusam­men­hing, der sich mit Aus­nah­me des Eigen­tors des unglück­li­chen Phil­ipp Strom­pf sehr schwer tat gegen tief­stehen­de Gast­ge­ber und sel­ber erstaun­lich viel zuließ. Die Chan­cen der Bochu­mer beweg­ten sich zwar meis­tens eher im Unge­fäh­ren, viel hät­te aber nicht gefehlt und es wäre uns genau­so ergan­gen wie in Ham­burg. Zumin­dest in der ers­ten Halb­zeit, die in einer fast spiel­ent­schei­den­den Sze­ne ende­te: Der roten Kar­te für den eben genann­ten Strom­pf. In Unter­zahl ver­lor der VfL wesent­lich an Gefähr­lich­keit, auch wenn sich der VfB wei­ter­hin leich­te Feh­ler erlaub­te. Unterm Strich brach­ten die Brust­ring­trä­ger den Sieg dann aber rela­tiv sou­ve­rän ins Ziel und ste­hen zum vier­ten Mal in Fol­ge im Vier­tel­fi­na­le.

Es muss nicht schön sein

Hät­te man vom Titel­ver­tei­di­ger mehr erwar­ten kön­nen gegen einen der nomi­nell leich­te­ren Geg­ner in die­ser Run­de? Oder gilt, wie in jeder Pokal­run­de: “Haupt­sa­che wei­ter”? Klar ist, dass die Mann­schaft sich aktu­ell in kür­zes­ter Zeit auf ver­schie­de­ne Wett­be­wer­be und Geg­ner ein­stel­len muss. In Dort­mund hat man über­ra­schend vie­le Spiel­an­tei­le, gerät aber auch durch die indi­vi­du­el­le Klas­se des Geg­ners ins Hin­ter­tref­fen. In den Nie­der­lan­den war­te­te ein gif­ti­ger, aber völ­lig über­for­der­ter Geg­ner auf uns, in Ham­burg wie­der­um ein sehr defen­si­ver ohne gro­ße spie­le­ri­sche Momen­te, wäh­rend die Bochu­mer defen­si­ve Sta­bi­li­tät und Kon­ter­fuß­ball auf sich ver­ein­ten, aber ihre Chan­cen nicht nutz­ten und zudem mit dem Eigen­tor und der roten Kar­te auch ein­fach Pech hat­ten. Ob man einen Spie­ler, der — auch als letz­ter Mann — den Ball spielt, wäh­rend er einen Geg­ner umgrätscht, vom Platz stel­len muss, weiß ich nicht. Viel­leicht geben es die Regeln aktu­ell her, was Flo­ri­an Bad­stüb­ner aber am Bild­schirm gese­hen haben will, was er nicht auf dem Feld sah, erschließt sich mir nicht. Kurz­um: Bochum war bes­ser, als man es vor­ab hät­te glau­ben kön­nen.

Am Sams­tag war­tet mit den so domi­nan­ten wie vom Glück ver­folg­ten Bay­ern wie­der ein ganz ande­rer Geg­ner. Dann wird es wie­der dar­um gehen, defen­siv sta­bil zu ste­hen und vor­ne eis­kalt zu sein, denn Feh­ler wer­den gegen sol­che Geg­ner ganz anders bestraft. Eine Vor­la­ge könn­ten die Unio­ner lie­fern, die dem Meis­ter jetzt schon zum zwei­ten Mal ein enges Spiel boten, auch St. Pau­li hielt lan­ge ein Unent­schie­den in Mün­chen. Oder wir ori­en­tie­ren uns am Super­cup, in dem sich der VfB vor allem sel­ber schlug, wenn auch in einer ande­ren Sai­son­pha­se bei­der Mann­schaf­ten. Auch hier und da erst recht gilt: Es muss nicht schön sein, Haupt­sa­che wir kom­men wei­ter, bezie­hungs­wei­se holen die Punk­te. Es sind noch vier Pflicht­spie­le bis zur Win­ter­pau­se und dem nächs­ten Trans­fer­fens­ter, die Ver­let­zun­gen meh­ren sich, min­des­tens Bil­al El Khan­nouss wird in zehn Tagen für den Afri­ca-Cup abge­stellt und Erme­din Demi­ro­vic steht noch nicht wie­der auf dem Platz, wäh­rend Deniz Undav fast jedes Spiel durch­zieht und allei­ne ent­schei­det. Da kann man auch mal auf die Kür ver­zich­ten und sei­nen Job erle­di­gen. Und das ist dem VfB in Bochum gelun­gen.

Titel­bild: © Leon Kuegeler/Getty Images

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