Bei Bundesliga-Rückkehrer HSV bestreitet der VfB das dritte von vier Auswärtsspielen in Folge. Die Mannschaft präsentiert sich zuletzt einsatz- und spielfreudig, beides kann auch in Norddeutschland nicht schaden.
Auf das 3:3 in Dortmund folgte der 4:0‑Auswärtssieg in Deventer — der VfB hat momentan einen Lauf. In Dortmund zwar mit drei unnötigen Gegentoren, aber die drei Treffer von Deniz Undav bewiesen nicht nur die Qualität der Mannschaft, sondern auch ihren Siegeswillen — auch wenn es am Ende nur zu einem Punkt reicht. In den Niederlanden ließ sich die Mannschaft weder von der Kulisse, noch vom mangelnden spielerischen und zwischenmenschlichen Niveau des Gegners beeindrucken und brachte erneut abgezockt ihre Qualität auf den Platz. Das, gepaart mit Durchhaltevermögen wird sie heute Nachmittag auch in Hamburg brauchen, denn auch wenn die Rothosen spielerisch nicht auf dem gleichen Niveau agieren, ein Auswärtsspiel im vollen Volkspark ist eine Herausforderung, gerade nach den Reisestrapazen der letzten Wochen — während der Gegner über eine Woche Zeit hatte, um sich auf dieses Spiel vorzubereiten.
Was für den VfB spricht, ist die Vielseitigkeit und das Durchhaltevermögen. Deniz Undav spult seit Wochen einen Einsatz nach dem anderen ab, trifft und legt auf — zum Beispiel für Jamie Leweling, der im Europapokal plötzlich zwei Tore machte. Sebastian Hoeneß kann (fast) rotieren wie er will, die Mannschaft funktioniert. Irgendwer springt immer in die Bresche und bringt die geforderte Leistung, was ein bisschen an die Vizemeister-Saison erinnert. Und damit zur
Personalsituation
Für Tiago Tomás reicht es noch nicht wieder, auf Dan-Axel Zagadou müssen wir leider wieder länger verzichten. Außerdem fehlen Yannik Keitel, Justin Diehl und weiterhin Ermedin Demirovic. Was Hoeneß in der Offensive weiterhin zwei Alternativen raubt und für die
Mögliche Startaufstellung
folgendes bedeutet:
Sebastian Hoeneß wird nach einer so kurzen Pause rotieren (müssen). Mittelstädt rückt wieder in die Dreierkette und entlastet Hendriks, Leweling unterstützt den immer wieder starken Führich als Wingback, während auf der anderen Seite der ehemalige HSVler Vagnoman für Assignon reinrutscht. Chema ersetzt Karazor und Bouanani El Khannouss. Nur Deniz Undav muss vorne weiter ackern, bis Tiago Tomás und/oder Ermedin Demirovic zurückkehren.
Statistik
Es ist die Neuauflage eines Traditionsduell und das 105. Aufeinandertreffen in der Bundesliga. Zuletzt spielten wir im Relegations-Rückspiel 2023 im Volkspark, das letzte Bundesliga-Spiel dort ist indes schon sieben Jahre her, als im März 2018 Daniel Ginczek bei einem 1:1 für den VfB traf. Bester Torschützer der Hamburger ist Rayan Philippe mit drei Toren, vor dem Spieltag hatte nur Heidenheim weniger Tore geschossen, die Stadtrivalen von St. Pauli lagen gleichauf — und das obwohl der HSV die zweitmeisten Schüsse der Liga abgibt. Defensiv zeigen sich die Hamburger aber umso stabiler, Daniel Heuer Fernandes spielte bereits drei Mal zu Null, mit Union hat der HSV die wenigsten Gegentore der unteren Tabellenhälfte. Interessant auch, dass die Gastgeber bei Laufstatistiken weit hinten liegen, aber auch bei Passpiel und Ballbesitz nur im Mittelfeld der Liga zu finden sind.
Fazit
Unterschätzen sollte man Aufsteiger nie, schon allein weil man Mannschaft und Trainer nicht aus der vorangegangenen Saison kennt. Gleichzeitig sollte der VfB auch in Hamburg in der Lage sein, seine Qualitäten auf den Platz zu bringen, allen widrigen Umständen zum Trotz. Die letzten Wochen haben gezeigt, wozu diese Mannschaft in der Lage ist und selbst ein Rückstand sollte uns in Hamburg nicht aus der Fassung bringen — auch wenn ich mir im Hinblick auf ein nicht minder anstrengendes Pokalspiel am Mittwoch und das Heimspiel gegen Quasi-Meister Bayern am Samstag diesmal ein bisschen weniger Aufregung wünschen würde.
Titelbild: © Maja Hitij/Getty Images
