Rund um das Spiel gegen Augsburg

Am Samstag will der VfB gegen den FC Augsburg seine Heimsieg-Serie ausbauen. Wir haben FCA-Fan Kristell (@Kristaldo1907) vom Podcast Auf die Zirbelnuss zum Spiel und ihrem Verein befragt.

Rund um den Brustring: Hallo Kristell! Schön, dass Du uns nach dem Wiederaufstieg wieder Rede und Antwort stehst. Für diejenigen, die Dich noch nicht kennen, erzähl doch bitte kurz was über Dich und den Podcast “Auf die Zirbelnuss”.

Kristell: Ich freue mich, dass Ihr wieder da seid! Was gibt es über mich zu sagen? Ich bin in Augsburg geboren und aufgewachsen und habe mich irgendwann 2006 in den FC Augsburg verliebt, der damals in der zweiten Liga und noch im altehrwürdigen Rosenaustadion kickte und dabei vor allem versuchte, nicht gleich wieder abzusteigen. Trotzdem gewann er mein Fußballherz und hat es seitdem nicht geschafft, mich zu enttäuschen – zwar muss man mit so einem Verein schon die eine oder andere Durststrecke durchlaufen, aber es gibt immer wieder Highlights, die das Feuer anheizen, und wenn es nur die alljährlichen Klassenerhalte sind, die wir allen Abstiegsprognosen zum Trotz immer wieder schaffen.

Seit einigen Jahren moderiere ich nun auch den ersten und bisher einzigen FCA-Podcast namens “Auf die Zirbelnuss”, der auch auf www.mein-sportradio.de im Programm zu hören ist. Hierbei finde ich es am schönsten, die verschiedenen Sichtweisen zu vergangenen FCA-Spielen zu diskutieren und freue mich besonders, wenn Fans der Gastmannschaft dabei sind, um die Diskussion abzurunden.

Rund um den Brustring: Auch letzte Saison schaffte der FCA erst spät den Klassenerhalt. Würdest Du mir zustimmen, dass der Abstiegskampf nach wie vor der natürliche Lebensraum Deines Vereins ist?

Kristell: Da stimme ich 100%ig zu. Wir sind nicht immer der Verein mit dem kleinsten Etat, aber wir sind immer bei denen mit den schmalen Geldbörsen dabei. Dazu kommt, dass wir unsere Nachwuchsarbeit erst aufbauen mussten und jetzt erst die ersten erfolgversprechenden Eigengewächse an die erste Mannschaft herangezogen haben. Das sind nicht die Voraussetzungen, um sich höhere Ziele in der Liga zu setzen. Aber bisher haben wir sämtliche Kritiker Lügen gestraft, die uns immer wieder in die zweite Liga tippen!

Rund um den Brustring: In dieser Saison sieht es so gar nicht nach Abstiegskampf aus. Ihr seid ziemlich gut in die Saison gestartet, nach zwei Siegen habt ihr am Dienstag sogar Leipzig geschlagen. Wie kam es Deiner Meinung nach dazu?

Kristell: Wir sind in Augsburg alle völlig von den Socken von diesem Saisonstart. Zwar sind wir gleich in der ersten Runde aus dem Pokal geflogen und haben das erste Ligaspiel gegen den HSV verloren, aber seitdem erkenne ich meinen FCA kaum wieder! Zunächst schien Manuel Baum wie eine Notlösung nach dem Rauswurf von Dirk Schuster in der letzten Saison, aber nun, nachdem er eine ganze Vorbereitung mit dem Team hatte, zeigen sich seine Trainerqualitäten. Dazu kommt eine höchst sinnvolle Kaderplanung mit sehr guten Neuzugängen, die sogar die Abgänge von FCA-Helden wie Paul Verhaegh, Halil Altintop und Raul Bobadilla verschmerzen lassen.

Die hervorragende Arbeit, die in Augsburg seit Jahren zum Erfolgsgeheimnis gehört, scheint einfach mal wieder Früchte zu tragen!

Rund um den Brustring: Mal so nebenbei: Ist Euch eigentlich bewusst, dass am Samstag zum ersten Mal seit langem ein Spiel zwischen Stuttgart und Augsburg im Herbst stattfindet, ohne dass danach der VfB-Trainer gefeuert wird? Wie fühlt man sich so als Trainerkiller?

Kristell: Es ist auf den ersten Blick natürlich witzig, dass Vereine gern ihre Trainer nach Niederlagen gegen den FCA feuern. Im Grunde bedeutet das aber, dass man den FCA in der Liga immer noch als Punktelieferanten versteht, gegen den man nicht zu verlieren hat. Passiert es doch, zieht man wohl gerne die Reißleine. So gesehen ist es also mangelnder Respekt vor der Leistung des FCA, wenn wir der Trainerkiller sind, und das sollte sich nach sieben Jahren in der ersten Liga und einem erfolgreichen Ausflug in die Europa League eigentlich langsam ändern.

Rund um den Brustring: Wo wir grad beim Thema Trainer sind: Wie zufrieden seid Ihr eigentlich mit Eurem Trainer Manuel Baum, der die Mannschaft seit der Entlassung von Dirk Schuster letztes Jahr leitet?

Kristell: Hochzufrieden, wie sollte es anders sein bei zehn Punkten nach fünf Spieltagen! Zunächst war ich ehrlich gesagt nicht überzeugt von ihm und seinem Auftreten, aber der Erfolg gibt ihm recht. So langsam ist er in seiner Rolle als Bundesliga-Trainer angekommen und wird mir dabei immer noch sympathischer.

Der Fußball, den er spielen lässt, gefällt auch ganz gut. Wir sind natürlich noch lange nicht die Adresse für den schönsten Fußball der Liga, aber das ist ja zum Glück nicht unsere Aufgabe. Ich mag die Rolle des unangenehmen, giftigen Gegners, gegen den keiner gerne spielt.

Rund um den Brustring: Alfred Finnbogason hat vier Eurer acht Tore geschossen. Auf wen müssen wir außerdem am Samstag noch achten?

Kristell: Bei uns darf jeder Tore schießen, selbst unser Torwart Marvin Hitz wagt sich gerne mal erfolgreich in den gegnerischen Strafraum. Gegen Leipzig hat Gregoritsch seinen ersten Treffer gemacht, und das Tor von Caiuby gegen Frankfurt hat weithin Bewunderung ausgelöst – zurecht.

Aber der FCA funktioniert als Kollektiv, hier einzelne Spieler herauszustellen würde einen falschen Eindruck erwecken – ihr solltet auf alle gut aufpassen, wenn ihr zählbares behalten wollt am Samstag!

Rund um den Brustring: Und wo liegen die Schwächen der FCA-Elf?

Kristell: Auch wenn wir zuletzt hervorragende Leistungen gezeigt haben, haben wir natürlich Schwächen. Die größte dürfte am Samstag der fehlende Daniel Baier sein, der nicht umsonst Kapitän ist. Da fehlt uns einiges an Kreativität im Spielaufbau.

Rund um den Brustring: Mit Moritz Leitner und Rani Khedira stehen zwei ehemalige VfB-Spieler bei Euch im Kader. Welchen Eindruck hast Du von den beiden? Besonders Leitner war ja bei uns nicht gut gelitten.

Kristell: Rani Khedira gefällt sehr gut, er hat sich gut eingefügt in die Mannschaft.

Moritz Leitner hat sich leider seit seiner Ankunft in Augsburg nicht durchsetzen können. Derzeit ist er verletzt, aber auch wenn er wieder einsetzbar ist, wird er sich reinhängen müssen, um an die Mannschaft heranzukommen. Ob ihm das gelingen kann, muss sich zeigen.

Rund um den Brustring: Euer Kapitän Daniel Baier fehlt am Samstag, weil er Leipzig-Trainer Hasenhüttl mit einer “obszönen Geste” bedacht hat. Was ist deine Meinung dazu? Übertriebene Strafe oder unnötige Aktion?

Kristell: Die Geste war in meinen Augen der Drucksituation im Spiel geschuldet, der Sieg war ja kein Spaziergang. Und was da von der Seite an Kommentaren rein schallt, was solche Gesten als Reaktion provozieren kann, möchte man gar nicht so genau wissen.

Das alles entschuldigt natürlich nicht, dass ein Kapitän sich zu sowas hinreißen lässt. Daniel Baier hat sich am nächsten Tag öffentlich entschuldigt und bereits am Abend versucht, die Wogen bei Hasenhüttl zu glätten. Seine Reue wirkte für mich aufrichtig, und die Strafe empfinde ich als angemessen. Baier hat sie ja auch sofort akzeptiert. Ich hoffe, dass damit das Thema erledigt ist und wir nun dazu übergehen können, die herausragenden Leistungen des FCA zu würdigen – nicht die ohnehin seltenen Entgleisungen einzelner Spieler.

Rund um den Brustring: Abschließend: Dein Tipp fürs Spiel?

Kristell: Beim Spätzlederby sehen wir immer gut aus. Das wird ein 0:2 Auswärtssieg für die bayerischen Schwaben!

Rund um den Brustring: Kristell, vielen Dank fürs Gespräch!

Bild: © VfB-Bilder.de

Lennart kommt aus der Nähe von Kassel, lebt mittlerweile in Darmstadt und ist seit den späten 90ern, etwa seit dem Pokalsieg 1997, treu ergebener Fan des roten Brustrings. In weiser Voraussicht kaufte er sich im Sommer 2006 ein Trikot von Fernando Meira. Seit 2005 ist er auch VfB-Mitglied, seit 2006 ist er Mitglied des offiziellen Fanclubs VfB-Supporters Hessen, außerdem Besitzer einer Heim- und Auswärtsdauerkarte. Auf Twitter findet Ihr ihn unter @l_sauerwald.

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