Unter die Räder

Beim Gast­spiel in Mün­chen läuft der VfB dem Rekord­meis­ter über 90 Minu­ten nur hin­ter­her. Ein ernüch­tern­der Auf­tritt, auch unab­hän­gig von der Qua­li­tät des Geg­ners.

Sicher: Nur wegen einer guten Sai­son sind wir jetzt nicht für alle Zei­ten auf Augen­hö­he mit Ver­ei­nen wie den Bay­ern oder unse­rem nächs­ten Geg­ner, in des­sen Stadt ich mich bereits befin­de. Den­noch, so groß wie es der Spiel­ver­lauf und das Ergeb­nis des nicht ganz so gip­fel­i­gen Süd­gip­fels sug­ge­rier­te ist der Unter­schied zwi­schen bei­den Mann­schaf­ten der­zeit nicht. Dass die Bay­ern am Ende einen auch in der Höhe kom­plett ver­dien­ten 4:0‑Sieg davon­tra­gen, lag vor allem dar­in, dass beim VfB gar nichts zusam­men­lief: Kein kon­se­quen­tes Ver­tei­di­gen, zwei kom­plett über­for­der­te Außen­bahn­spie­ler in Vagno­man und Debü­tant Hen­driks, ein Mit­tel­feld ohne Zugriff bei allen vier Gegen­to­ren und ein Angriff ohne Biss und Krea­ti­vi­tät.

Zu viel Rotation?

Viel­leicht war es auch der Rota­ti­on etwas zuviel und man hät­te die Mus­keln von Maxi Mit­tel­städt und Enzo Mil­lot lie­ber zum Ende des Spiels schö­nen sol­len. Viel ekla­tan­ter war aber, dass die Bay­ern den VfB mit sei­nen eige­nen Waf­fen aus der letz­ten Sai­son schlu­gen und einen Dia­go­nal­ball nach dem ande­ren hin­ter die weiß-rote Vie­rer­ket­te schlu­gen, wäh­rend es die Brust­ring­trä­ger erfolg­los mit lan­gen Bäl­len ver­such­ten, die sie man­gels Zwei­kampf­stär­ke aber nicht ver­wer­ten konn­ten. Der VfB fand nie einen Ansatz für die­ses Spiel.

Und kei­nen Zugang. Das 1:0 aus der Distanz von Har­ry Kane war nur fol­ge­rich­tig nach einer ers­ten Halb­zeit vol­ler ver­pass­ten Chan­cen. Eine sol­che hat­te auch Josh Vagno­man in der zwei­ten Halb­zeit, aber er ver­gab sie genau­so über­has­tet und leicht­fer­tig wie sei­ne Mann­schaft das Spiel. Denn die Tore zwei, drei und vier erin­ner­ten ungut an den über­wun­den geglaub­ten Kon­troll­ver­lust der ers­ten Spie­le und noch viel schlim­mer an die Hilf­lo­sig­keit ver­gan­ge­ner Jah­re, als sich der VfB regel­mä­ßig von der Qua­li­tät der Münch­ner über­rol­len ließ, ohne deren Offen­siv­feu­er­werk löschen zu kön­nen. Mitt­ler­wei­le hat die Mann­schaft aller­dings sowohl die Qua­li­tät, als auch das Selbst­ver­ständ­nis, um hier nicht nur dage­gen zu hal­ten, son­dern mit­zu­spie­len. Ich schrieb in der Vor­schau auf die­ses Spiel, wir müss­ten uns vor den nächs­ten Geg­nern nicht ver­ste­cken — aber genau das taten wir am Sams­tag.

Die Saison ist ein Marathon

Nun reiht sich die­se Klat­sche erst Mal ein in eine Serie von Spie­len, in denen mehr drin gewe­sen wäre und ist auf den ers­ten Blick der vor­läu­fi­ge Tief­punkt eines Nega­tiv­laufs. Das igno­riert aber, dass der VfB drei Mal stre­cken­wei­se sehr domi­nant auf­trat, ein­mal auch am Schieds­rich­ter, ein­mal an einem star­ken Geg­ner und ein­mal vor allem an sich selbst schei­ter­te. Das Spiel in Mün­chen war das Gegen­teil von domi­nant und Sebas­ti­an Hoe­neß kün­dig­te zurecht an, dass man danach nicht — wie übri­gens frü­her üblich — zur Tages­ord­nung über­ge­hen könn­te. Dazu war die Dis­kre­panz zwi­schen Poten­zi­al und dem in Mün­chen gezeig­ten ein­fach zu groß.

Gleich­zei­tig muss man die ers­te grö­ße­re Durst­stre­cke in Hoe­neß’ Amts­zeit auch rich­tig ein­ord­nen. Ja, das Spiel war kata­stro­phal und die nächs­ten Wochen wer­den nicht leicht. Aber zum einen ist die­se Mann­schaft auch frü­her schon von Rück­schlä­gen zurück­ge­kom­men und zum ande­ren endet die Sai­son nicht an Weih­nach­ten. Eine enor­me Leis­tungs­stei­ge­rung ist schon gegen Juven­tus und vor allem Kiel not­wen­dig. Aber die­se Sai­son ist ein Mara­thon, bei dem wir uns nicht nach fünf Kilo­me­tern schon bockig ins Gras set­zen kön­nen.

Und jetzt gilt erst­mal:  Dopo tut­ta la mer­da si par­te per il viag­gio. Stoc­car­da inter­na­zio­na­le!

Zum Wei­ter­le­sen: Der Ver­ti­kal­pass fand das Spiel zum Kot­zen. Stuttgart.international sah den VfB im Bay­ern-Stru­del.

Titel­bild: © Adam Pretty/Getty Images

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