Rund um den nächsten Gegner: Im Gespräch mit Leverkusen-Experte Sebastian Bergmann von der Rheinischen Post

Zum Abschluss des Spiel­tags kommt Meis­ter Lever­ku­sen am Sonn­tag­abend nach Stutt­gart. Wie es beim aktu­ell Tabel­len­zwei­ten aus­sieht, ver­rät uns Exper­te Sebas­ti­an Berg­mann von der Rhei­ni­schen Post.

Rund um den Brust­ring: Hal­lo Sebas­ti­an und vie­len Dank, dass Du dir wie­der Zeit für unse­re Fra­gen nimmst. Am Diens­tag­abend schied Lever­ku­sen gegen die Bay­ern aus der Cham­pi­ons League aus. Wie­viel hat man sich in die­sem Wett­be­werb aus­ge­rech­net, gera­de nach­dem man die Liga­pha­se ja als bes­ter deut­scher Ver­ein abge­schlos­sen hat?

Sebas­ti­an: In der Liga­pha­se hat Bay­er unter ande­rem zuhau­se gegen bei­de Mai­län­der Teams gewon­nen und den nicht zuletzt wegen der ver­gan­ge­nen Sai­son guten inter­na­tio­na­len Ruf bestä­tigt. Zudem war es der ers­te Ein­zug in die K.o.-Runde seit 2016/17. Aller­dings hat­te sich in den Spie­len bei den abso­lu­ten Top-Teams in Liver­pool (0:4) und bei Atlé­ti­co Madrid (1:2) schon ange­deu­tet, dass es für den gan­zen gro­ßen Wurf in die­ser Sai­son wohl nicht rei­chen wür­de. Dass nun schon im Ach­tel­fi­na­le gegen die Bay­ern End­sta­ti­on war, ist für den Klub kein Welt­un­ter­gang – das kann pas­sie­ren. Was aller­dings an den Spie­lern und Ver­ant­wort­li­chen nagt, ist die Art und Wei­se, wie man sich aus dem Wett­be­werb ver­ab­schie­det hat. Nach der zuvor makel­lo­sen Bilanz unter Xabi Alon­so gegen die Bay­ern war man nun in Hin- und Rück­spiel recht chan­cen­los. Was das betrifft, hat­te man sich unterm Bay­er-Kreuz defi­ni­tiv mehr erhofft.

In der Liga konn­te man aus der über­ra­schen­den Heim­nie­der­la­ge des Tabel­len­füh­rers auch kein Kapi­tal schla­gen und ver­lor gegen Bre­men. Wie kam es zur zwei­ten Sai­son-Nie­der­la­ge und wie schätzt Du die Chan­cen auf eine Titel­ver­tei­di­gung ein?

Die Nie­der­la­ge gegen Bre­men war das Resul­tat indi­vi­du­el­ler Feh­ler, der Form­del­le bei eini­gen Leis­tungs­trä­gern und feh­len­dem Fokus zwi­schen den Königs­klas­sen-Par­tien gegen die Bay­ern. In Lever­ku­sen sieht man die Chan­cen auf die Titel­ver­tei­di­gung rea­lis­tisch, auch wenn es natür­lich wie immer heißt: „So lan­ge es rech­ne­risch mög­lich ist…“ Aber dass Mün­chen den Lever­ku­se­nern noch ein­mal so eine Steil­vor­la­ge bie­tet, ist schwer vor­stell­bar. Das Ziel dürf­te nun sein, die Vize­meis­ter­schaft so früh wie mög­lich zu sichern.

Bleibt noch der Pokal, wo man Anfang April auf Bie­le­feld trifft und in einem mög­li­chen Fina­le dann hof­fent­lich auf den VfB. Wäre man in Lever­ku­sen auch “nur” mit einer Tro­phäe zufrie­den?

Abso­lut. Nach mehr als 30 Jah­ren ohne Titel wäre eine Sai­son, an deren Ende das Ach­tel­fi­na­le der Cham­pi­ons League, die Vize­meis­ter­schaft und der DFB-Pokal­sieg stün­de, ein Erfolg – trotz der her­aus­ra­gen­den Dou­ble­spiel­zeit im Vor­jahr. Soll­te das mit dem erneu­ten Tri­umph in Ber­lin indes nicht klap­pen, wäre das schon ein schmerz­haf­ter Rück­schlag.

Im Spiel gegen Bre­men ver­letz­te sich Flo­ri­an Wirtz und fällt vor­erst aus. Wie groß ist die Lücke, die er aktu­ell hin­ter­lässt, Dei­ner Mei­nung nach?

Dass Flo­ri­an Wirtz ein begna­de­ter Fuß­bal­ler ist und zu den bes­ten der Welt gehört, bedarf kei­ner Dis­kus­si­on mehr. Sein Aus­fall bedeu­tet eine erheb­li­che Schwä­chung für das Team. Er ist Tops­corer, uner­müd­li­cher Arbei­ter und Ideen­ge­ber der Werks­elf. Dass Bay­er ihn nicht erset­zen kann, liegt auf der Hand. Zudem hat er in die­ser Sai­son noch ein­mal bes­ser gespielt als im zwei­fels­frei schon star­ken Meis­ter­jahr. In engen Spie­len ist er der­je­ni­ge, der den Unter­schied machen kann. Wobei Bay­er auch ohne den 21-Jäh­ri­gen über genü­gend Qua­li­tät im Kader ver­fügt, eine Top-Bun­des­li­ga­mann­schaft auf­zu­stel­len.

In den letz­ten drei Pflicht­spie­len blieb Lever­ku­sen jeweils ohne Tor — ver­mut­lich auch ein Novum unter Xabi Alon­so. Moment­auf­nah­me oder Trend?

Ins­ge­samt stand sogar in fünf der vor­an­ge­gan­ge­nen sie­ben Pflicht­spie­le vor­ne die Null. Mit Aus­nah­me des wirk­lich star­ken Auf­tritts in Frank­furt (4:1) haper­te es zuletzt im Spiel nach vor­ne und auch bei der Chan­cen­ver­wer­tung – egal in wel­cher Beset­zung. Der Trend spricht gegen die Werks­elf. Dass die Offen­si­ve zum chro­ni­schen Pro­blem wird, ist indes schwer vor­stell­bar.

Der VfB gewann nur eines der letz­ten sie­ben Liga-Spie­le und zwar gegen Cham­pi­ons-League-Vier­tel­fi­na­lis­ten Dort­mund, zeig­te aber auch gegen die Bay­ern eine größ­ten­teils anspre­chen­de Leis­tung. Was für ein Spiel erwar­test Du am Sonn­tag­abend?

Ich erwar­te erneut eine Par­tie auf tak­tisch-spie­le­risch gutem Niveau. Es tref­fen zwei Mann­schaf­ten mit ver­gleich­ba­ren Spiel­phi­lo­so­phien auf­ein­an­der. Ein kla­rer Favo­rit ist nicht aus­zu­ma­chen. Nicht zuletzt auf­grund der Ereig­nis­se in den vor­an­ge­gan­ge­nen Duel­len ist wie­der von einem inten­si­ven Spiel aus­zu­ge­hen.

Wo siehst Du vor dem Spiel die Stär­ken und Schwä­chen Lever­ku­sens?

Die Werks­elf kann ihre Geg­ner durch ihr Spiel im Ball­be­sitz mür­be machen, ver­fügt aber auch über aus­rei­chend Optio­nen fürs gepfleg­te Kon­ter­spiel und ist zudem stark im Gegen­pres­sing. Den aus der Vor­sai­son eta­blier­ten hohen Stan­dard in der Defen­si­ve konn­te sie nicht hal­ten und hat schon jetzt mehr Gegen­to­re als im gesam­ten Meis­ter­jahr. Nimmt man zen­tra­le Spie­ler wie Gra­nit Xha­ka aus der Par­tie und über­brückt schnell das Mit­tel­feld, kann man Lever­ku­sen Schwie­rig­kei­ten berei­ten.

Wie auch Sebas­ti­an Hoe­neß wer­den Xabi Alon­so immer wie­der Wech­sel­ge­rüch­te nach­ge­sagt, was bei erfolg­rei­chen Trai­nern natür­lich nicht aus­bleibt. Glaubst Du, Alon­so steht auch nächs­te Sai­son noch an der Sei­ten­li­nie? Und falls nicht, hältst Du es für mög­lich, dass man bei Bay­er dann nach Stutt­gart schaut?

Dass Real Madrid in die­ser Woche mit Trai­ner Car­lo Ance­lot­ti das Vier­tel­fi­na­le der Cham­pi­ons League erreicht hat, dürf­ten die Klub­ver­ant­wort­li­chen in Lever­ku­sen zufrie­den zur Kennt­nis genom­men haben. Der­zeit spricht aber auch ein­fach mehr dafür, dass Alon­so tat­säch­lich noch ein Jahr bei Bay­er bleibt. Er hat zuletzt mehr­fach betont, dass er noch immer ein jun­ger Trai­ner sei und dazu­ler­nen müs­se. Das kann er im Rhein­land frei­lich deut­lich bes­ser als bei einem inter­na­tio­na­len Spit­zen­klub. Hier kann er sich ohne Neben­ge­räu­sche ganz auf Fuß­ball kon­zen­trie­ren. Das wäre in Madrid anders. Im ver­gan­ge­nen Jahr hat er Ende März ver­kün­det, zu blei­ben. Auch in die­sem Jahr könn­te es zu einem ähn­li­chen Zeit­punkt soweit sein – dann wis­sen wir mehr. Sebas­ti­an Hoe­neß passt sicher ins Anfor­de­rungs­pro­fil beim Werks­klub und dürf­te daher auf der Lis­te poten­zi­el­ler Nach­fol­ger wei­ter oben ste­hen. Trotz­dem war das The­ma schon mal hei­ßer als es aktu­ell ist.

Zum Abschluss: Dein Tipp für Auf­stel­lung und Ergeb­nis?

2:2

Titel­bild: © Adam Pretty/Getty Images

1 Gedanke zu „Rund um den nächsten Gegner: Im Gespräch mit Leverkusen-Experte Sebastian Bergmann von der Rheinischen Post“

Schreibe einen Kommentar

Rund um den Brustring
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.