Rund um den nächsten Gegner: Im Gespräch mit Gladbach-Fan Marvin

Nach dem Aus­schei­den aus der Cham­pi­ons League bleibt dem VfB Stutt­gart nicht viel Ver­schnauf­pau­se, denn am Sams­tag war­tet der VfL Borus­sia Mön­chen­glad­bach. Wie es bei den Foh­len aus­sieht ver­rät uns Glad­bach-Fan Mar­vin.

Rund um den Brust­ring: Hal­lo und dan­ke, dass du Dir die Zeit für uns nimmst. Zu aller­st gefragt: Wie bewer­test Du die aktu­el­le Sai­son der Foh­len?

Mar­vin: Sehr ger­ne und dan­ke für die Anfra­ge! Die aktu­el­le Sai­son läuft zumin­dest ergeb­nis­tech­nisch bes­ser, als vie­le – und dazu gehö­re auch ich – sicher­lich ange­nom­men haben. Wir haben jetzt schon mehr Sie­ge ein­ge­fah­ren als in der gesam­ten ver­gan­ge­nen Sai­son und die Punk­te­aus­beu­te ist ja für den Zeit­punkt der Sai­son durch­aus zufrie­den­stel­lend. In eini­gen Spie­len wur­de sogar ansehn­li­cher Fuß­ball gespielt. Das alles sind Din­ge, die es vor allem in der ver­gan­ge­nen Sai­son nicht gab. Man kann aber auch nicht ver­leug­nen, dass die Pro­ble­me der letz­ten Jah­re nur ganz bedingt gelöst wur­den. Mann­schafts­in­tern hat sich schon sicht­lich etwas zum Posi­ti­ven ver­än­dert, auch im Ver­hält­nis zwi­schen Mann­schaft und Kur­ve gibt es Fort­schrit­te. Auf Ver­eins­ebe­ne kann man aber nicht wirk­lich von Fort­schrit­ten spre­chen. Fuß­bal­le­risch fehlt auch wei­ter­hin ein rich­ti­ges Kon­zept. Man ist von guten Momen­ten eini­ger Ein­zel­spie­ler und der Stär­ke bei Stan­dards abhän­gig.

Wel­che Trans­fers gab es im Win­ter bei Glad­bach? Wer kam und wer ging?

Es wur­den ledig­lich zwei Spie­ler aus der zwei­ten bezie­hungs­wei­se drit­ten Rei­he ver­lie­hen (Stür­mer Ranos nach Kai­sers­lau­tern und Tor­hü­ter Olschow­sky nach Aachen) und für den Som­mer der Abwehr­spie­ler Kevin Diks ver­pflich­tet. Ansons­ten ist es die­sen Win­ter bis­her sehr ruhig geblie­ben – ob man jetzt sagt, dass man mit dem Kader zufrie­den ist, weil es ja läuft, oder es eher auf die Untä­tig­keit der sport­li­chen Füh­rung schiebt, bleibt natür­lich jedem selbst über­las­sen. Auf eini­gen Posi­tio­nen (vor allem in der Offen­si­ve) gibt es sicher­lich nur bedingt Alter­na­ti­ven, was ein bis zwei Trans­fer sinn­voll erschei­nen las­sen wür­de, aber zur Wahr­heit gehört natür­lich auch, dass der Ver­ein in den letz­ten Jah­ren finan­zi­ell gelit­ten hat und somit nur begrenzt über die Mög­lich­kei­ten ver­fügt, ohne Abgän­ge neue Spie­ler zu ver­pflich­ten.

Nach drei Nie­der­la­gen in Fol­ge konn­te Glad­bach gegen Bochum wie­der gewin­nen. Kann man von einem Tur­n­around spre­chen?

Es war ein Pflicht­sieg, nicht mehr und nicht weni­ger. Immer­hin holen wir die Pflicht­sie­ge die­se Sai­son. Das war die letz­ten Jah­re schließ­lich auch nicht so. Sport­lich gese­hen war das Spiel sicher­lich in Ord­nung, auch wenn von Bochum nach der Anfangs­pha­se im Prin­zip fast nichts mehr kam. Wäre in die­ser Anfangs­pha­se das 0:1 gefal­len, will ich nicht wis­sen, wie das Spiel gelau­fen wäre. Aber so haben eben wie­der gute Ein­zel­ak­tio­nen und Stan­dards das Spiel ent­schie­den. Man erkennt ein Mus­ter. Dem­entspre­chend wür­de ich es nicht als Tur­n­around bezeich­nen, aber als wich­ti­ges Erfolgs­er­leb­nis, um eine rich­ti­ge Kri­se zu ver­hin­dern.

Glad­bach könn­te mit einem Sieg in die Schlag­di­stanz der inter­na­tio­na­len Plät­ze ran­kom­men, ist das ein rea­lis­ti­sches Sai­son­ziel?

Grund­sätz­lich ist die­ses Jahr alles mög­lich, so eng wie das Mit­tel­feld der Liga zusam­men­liegt. Ich glau­be aller­dings nicht, dass das für Glad­bach rea­lis­tisch ist. Dafür ist man aus­wärts wei­ter­hin zu leicht zu besie­gen und auch immer für Aus­rut­scher gut (ich freue mich schon auf die Spie­le bei Uni­on, in Hei­den­heim, in Kiel und bei St. Pau­li) und die Heim­spie­le der Rück­run­de sind auf dem Papier defi­ni­tiv schwie­ri­ger als die in der Hin­run­de. Ins­ge­samt ist man ein­fach zu inkon­stant für die inter­na­tio­na­len Plät­ze – auch wenn man es ja tat­säch­lich im Dezem­ber geschafft hat, zwei Spie­le in Fol­ge zu gewin­nen. Aber ob das so schnell wie­der pas­siert…

Beim letz­ten Gast­auf­tritt der Foh­len fei­er­te der VfB am letz­ten Spiel­tag eine Par­ty. Was denkst Du muss Glad­bach tun, dass die­ses Mal die Par­ty rui­niert wird?

Letzt­end­lich kann Glad­bach nur auf das set­zen, was in die­ser Sai­son gut funk­tio­niert – Stan­dards und Flan­ken und dar­auf hof­fen, dass Klein­dienst oder die Innen­ver­tei­di­ger sie ver­wer­ten. Defen­siv muss man dann dar­auf hof­fen, dass man wie­der auf das Level der Hin­run­de kommt, als man ja doch oft recht gut stand. Spä­tes­tens seit dem Wolfs­burg-Spiel zwei­felt man dar­an wie­der. Es mag etwas absurd klin­gen, sich nur dar­auf zu ver­las­sen, aber das ist Borus­sia Mön­chen­glad­bach aktu­ell.

Wo siehst Du Glad­bach am Ende der Sai­son?

Irgend­wo zwi­schen den Plät­zen 8 und 13. Mehr ist mei­ner Mei­nung nach nicht drin und nach unten abstür­zen wird man auch nicht mehr – sofern Klein­dienst nicht aus­fällt.

Wie wür­dest Du den Fuß­ball von Seo­ane beschrei­ben?

Ein­di­men­sio­nal. Und das ist Teil des Pro­blems, war­um man nicht mehr aus die­ser Mann­schaft her­aus­holt. Ein wirk­li­cher Plan oder ein rich­ti­ges Spiel­sys­tem ist zumin­dest offen­siv nicht zu erken­nen – wenn man eben davon absieht, dass man sehr vie­le Flan­ken auf Klein­dienst schlägt und ansons­ten vor allem lan­ge Bäl­le schlägt. Wenn spie­le­risch etwas ent­steht, sind das gute Momen­te von Ein­zel­spie­lern wie Plea, Stö­ger, Reitz oder Hono­rat. Man merkt allein an die­ser Auf­zäh­lung, dass fuß­bal­le­risch eini­ges mög­lich wäre (Flo­ri­an Neu­haus ist hier noch gar nicht inbe­grif­fen, weil er nahe­zu gar kei­ne Spiel­zeit mehr bekommt), zum Vor­schein kommt es lei­der nur sel­ten.

Wel­cher ist Euer wich­tigs­ter Spie­ler?

Defi­ni­tiv Tim Klein­dienst. Sowohl sport­lich als auch im Hin­blick auf die Men­ta­li­tät. Die Mann­schaft tritt anders auf, wenn er auf dem Feld steht. Er wird ja oft als Lebens­ver­si­che­rung bezeich­net und man muss es auch so sehen. Er ist der Haupt­grund, war­um die­se Sai­son bes­ser läuft als die ver­gan­ge­ne. Dass so vie­les an einem Spie­ler hängt, ist aber gleich­zei­tig sehr gefähr­lich. Das hat man unter ande­rem in Wolfs­burg gese­hen, als er aus­ge­fal­len ist. Und das wur­de auch in den Spie­len deut­lich, in denen er kei­nen guten Tag hat­te. Aber auch über Klein­dienst hin­aus sind sicher­lich vor allem Moritz Nico­las, Roc­co Reitz und Franck Hono­rat wich­ti­ge Stüt­zen des Glad­ba­cher Spiels.

Wie ist die aktu­el­le Per­so­nal­si­tua­ti­on bei den Glad­ba­chern?

Franck Hono­rat fällt län­ger aus, was natür­lich bezo­gen auf die Stär­ke nach Stan­dards und Flan­ken, aber auch das gene­rel­le Spiel über die Flü­gel ein Pro­blem ist – auch das fiel seit dem Jah­res­wech­sel auf. Alas­sa­ne Plea ist gegen Bochum wegen mus­ku­lä­rer Pro­ble­me aus­ge­fal­len und ist offen­bar auch wei­ter­hin frag­lich. Kevin Stö­ger hat ihn ver­gan­ge­ne Woche aber gut ersetzt. Auch Ko Ita­ku­ra war gegen Bochum nicht dabei, scheint sich von sei­nem Infekt aber erholt zu haben.

Dein Tipp für das Spiel?

Ich tip­pe und hof­fe auf ein 2:2. Die rea­lis­ti­sche Ver­si­on aus Glad­ba­cher Per­spek­ti­ve ist aber fol­gen­de: Eini­ge gute Chan­cen zu Beginn, dann das 1:0 für Stutt­gart, danach nicht mehr viel bis zur Halb­zeit. Nach der Halb­zeit ein guter Start, aber durch einen Kon­ter dann das 2:0. Um die 70. Minu­te her­um der Anschluss­tref­fer (wahr­schein­lich nach einer Ecke) und dann eine zähe Schluss­pha­se, in der man den Aus­gleich nicht mehr schafft und optio­nal noch das 3:1 kurz vor Schluss bekommt. Mal sehen, wie es läuft… 

Vie­len Dank! 

Titel­bild: © Pau Barrena/Getty Images

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