Raus mit Applaus

Im letz­ten Spiel der Liga­pha­se schei­det der VfB gegen über­le­ge­ne Gäs­te aus Paris aus der Cham­pi­ons League aus. Hät­te die Mann­schaft alles auf den Platz gebracht, was sie kann, hät­te das viel­leicht anders aus­ge­se­hen. Dass es am Ende so ein­deu­tig wur­de und die Rei­se für die­se Sai­son been­det ist, ist aber auch Teil eines Pro­zes­ses.

Als ein Wei­ter­kom­men für den VfB in der Cham­pi­ons League immer unwahr­schein­li­cher und schließ­lich unmög­lich wur­de, schwang sich die Cannstat­ter Kur­ve mal wie­der zu einer ihrer Glanz­leis­tun­gen auf. War die Stim­mung im Neckar­sta­di­on selbst beim deut­li­chen Sieg gegen Bern noch über­schau­bar gewe­sen, so san­gen die Fans am Mitt­woch­abend gegen die unver­meid­li­che Heim­nie­der­la­ge an, fei­er­ten gewon­ne­ne Bäl­le und Ein­wür­fe und stimm­ten, als alles aus war, den Gas­sen­hau­er der letz­ten knapp 15 Mona­te an: “Stutt­gart inter­na­tio­nal”.

Die Rei­se ist nach dem 1:4 gegen PSG und den Ergeb­nis­sen aus Zagreb und Man­ches­ter zu Ende und wer das Spiel sah, ist geneigt zu sagen, dass es viel­leicht bes­ser so ist aktu­ell. Natür­lich wäre es reiz­voll gewe­sen, sich noch ein­mal mit einer euro­päi­schen Spit­zen­mann­schaft zu mes­sen und noch ein­mal Euro­pa zu berei­sen. Im Nach­hin­ein hät­te das auch eine Fahrt zum Bun­des­li­ga-Elf­ten nach Dort­mund bedeu­ten kön­nen. Und außer­dem offen­bar­te das Spiel gegen den Katar-Club, dass dem VfB noch eini­ges fehlt, um gegen sol­che Mann­schaf­ten und viel­leicht auch gene­rell in der Königs­klas­se eine bes­se­re Rol­le zu spie­len.

Angst vor Fehlern

Denn die Punk­te fehl­ten natür­lich nicht nur am Mitt­woch­abend, sie fehl­ten auch beim glück­lo­sen Auf­tritt gegen Prag und erst recht beim nai­ven Deba­kel in Bel­grad — gleich­zei­tig hol­te man in Turin drei Punk­te, mit denen nun wirk­lich nicht zu rech­nen war. Gegen Paris gelang es der Mann­schaft mit dem Brust­ring über­haupt nicht, ins Spiel zu fin­den. Die Angst vor Feh­lern gegen den mil­lio­nen­schwe­ren Geg­ner lähm­te die Bei­ne und führ­te so erst recht zu Feh­lern, die der Geg­ner knall­hart aus­nutz­te. Sei es Kara­zors unnö­ti­ger Fehl­pass, der zu einer Ecke führ­te oder die kom­plet­te Über­for­de­rung des bemit­lei­dens­wer­ten Josha Vagno­man gegen Brad­ley Bar­co­la.

Lan­ge hat­te man den VfB nicht mehr so hilf­los durch eine Par­tie tau­meln sehen. Um in die­sem Spiel den nöti­gen Punkt zu holen, hät­te die Mann­schaft eine Par­tie mit höchs­tem Ein­satz und höchs­ter Kon­zen­tra­ti­on ablie­fern müs­sen — und es hät­te viel­leicht trotz­dem, wie in Madrid nicht gereicht. In der zwei­ten Halb­zeit, als PSG das Wei­ter­kom­men sicher hat­te, dreh­ten die Brust­ring­trä­ger noch­mal auf, kamen sogar zum Anschluss und wei­te­ren guten Chan­cen. Das nennt man erho­be­nen Haup­tes zu gehen.

Aus dem Ausscheiden lernen

Man kann nach zwei ver­lo­re­nen Spie­len in Fol­gen mit ähn­li­chen posi­tio­nel­len (Rechts­ver­tei­di­ger!) und men­ta­len Schwä­chen natür­lich wie­der schwarz malen und nicht nur ein Abrut­schen aus den inter­na­tio­na­len Plät­zen und ein Aus­schei­den auch im Pokal pro­gnos­ti­zie­ren. Die Erfah­rung lehrt uns etwas ande­res. Die Mann­schaft kam bis­her immer aus Schwä­che­pha­sen zurück. Die Teil­nah­me an der Cham­pi­ons League und die Erfah­run­gen auf die­sem Niveau wer­den einer Mann­schaft, in der nie­mand älter ist als 29, mit Sicher­heit mit­tel­fris­tig hel­fen, sich wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und für die AG bedeu­ten die erwirt­schaf­te­ten Ein­nah­men eine gewis­se Pla­nungs­si­cher­heit. Nun gilt die vol­le Kon­zen­tra­ti­on den Spie­len gegen Mön­chen­glad­bach und Augs­burg. Zwei Heim­spie­le in denen die Mann­schaft zei­gen muss und will, dass sie in der Lage ist, ihre Stär­ken dem Geg­ner auf­zu­zwin­gen und sich für den Auf­wand zu beloh­nen.

Und nächs­tes Jahr gehen wir wie­der auf die Rei­se!

Titel­bild: © Alex Grimm/Getty Images

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