Irgendwie gewonnen

So rich­tig mach­te es nicht den Ein­druck, als habe der VfB in der lan­gen Län­der­spiel­pau­se Selbst­ver­trau­en und Ener­gie getankt. Immer­hin stan­den am Ende eines selt­sa­men Spiels wich­ti­ge drei Punk­te zu Buche.

Die Par­tie in Pader­born war ja ohne­hin wie gemacht für einen Favo­ri­ten­sturz: Der Auf­stei­ger, der mit sei­nem ers­ten Sieg in die Pau­se gegan­gen war und ohne­hin nichts zu ver­lie­ren hat, emp­fängt den ver­un­si­cher­ten Cham­pi­ons League-Teil­neh­mer, der drin­gend auf drei Punk­te ange­wie­sen ist. Es ist also schon eine gewis­se Trend­um­kehr, dass der VfB die­ses Spiel trotz­dem gewann und gleich­zei­tig war das 2:0 in Pader­born eben­so ein Pflicht­sieg wie die Erfol­ge gegen Köln und Sta­van­ger. Und wie auch bei die­sen Par­tien erlaub­te sich die Mann­schaft im Brust­ring am Sams­tag in Ost­west­fa­len uner­klär­li­che Ball­ver­lus­te, Fehl­päs­se und ein teil­wei­se sehr wil­des Abwehr­ver­hal­ten.

Dreckig und glücklich

Dass man Spie­le dre­ckig gewinnt, ist natür­lich auch eine Qua­li­tät und zudem eine, die dem VfB häu­fig abgeht. Man muss die­sen Sieg aber nicht nur dre­ckig, son­dern auch etwas glück­lich nen­nen. Sicher­lich waren die Tref­fer von Jeff Cha­b­ot und Chris Füh­rich der ver­dien­te Lohn für eine den Chan­cen nach pas­sa­ble ers­te Halb­zeit. Nach der Pau­se, als ich eigent­lich erwar­tet hat­te, dass man sich nach den­noch auch unkon­zen­trier­ten 45 Minu­ten stei­gern wür­de, wur­de es jedoch wild. Exem­pla­risch dafür die Pader­bor­ner Drei­fach-Chan­ce vor dem 2:0, als Finn Jeltsch sei­nem debü­tie­ren­den Tor­wart und den wesent­lich erfah­re­nen Kol­le­gen den Arsch ret­ten muss­te. Abge­se­hen von die­sem etwas ziel­lo­sen Aus­flug und ein, zwei Unsi­cher­hei­ten im Auf­bau mach­te Sei­men übri­gens bei die­sem für ihn sehr emo­tio­na­len und beson­de­ren Spiel sei­ne Sache ganz ordent­lich.

Es wäre viel­leicht auch ein wenig ein­fa­cher gewe­sen, hät­ten sei­ne Vor­der­leu­te nicht jeden zwei­ten Ball im Mit­tel­feld ver­lo­ren und nicht der­art vie­le Fehl­päs­se gespielt, sowohl im Auf­bau, als auch im Angriff. Die gan­ze Mann­schaft, die ange­sichts der vie­len Län­der­spie­le und der eng­li­schen Woche lan­ge auf vie­le Natio­nal­spie­ler ver­zich­te­te, wirk­te selt­sam unko­or­di­niert und fahr­läs­sig. Am ein­drück­lichs­ten ver­deut­li­chen das selt­sam ver­peil­te Spiel des VfB fol­gen­de Zah­len: Nur 78 Pro­zent der Päs­se kamen an, die­ser Wert war nur gegen Hof­fen­heim und Bay­ern schlech­ter, nicht aber gegen ver­gleich­ba­re Geg­ner wie Köln und Sta­van­ger. Glei­ches gilt für den Ball­be­sitz. In bei­den Sta­tis­ti­ken und auch in den Zwei­kämp­fen hat­te Pader­born die Nase vorn. Was vor allem die ers­ten bei­den Metri­ken ver­deut­li­chen: Der VfB konn­te sein gewohnt domi­nan­tes Spiel nicht auf­zie­hen und Pader­born muss­te nicht ein­mal alles rein­wer­fen, um dem VfB gefähr­lich zu wer­den, statt­des­sen prä­sen­tier­ten unse­re Spie­ler den Gast­ge­bern die Hoff­nung auf den Aus­gleich auf dem Sil­ber­ta­blett.

Spielerisch ein Rückschritt

Am Ende ret­te­te uns dann mal wie­der die Qua­li­tät und eben auch das Match­glück die Punk­te, ohne die Tabel­le und Stim­mung sehr viel düs­te­rer aus­ge­se­hen hät­ten. Am Abend­spiel zwi­schen Salz­burg-Nord und Frank­furt konn­te man dann aber sehen, was pas­siert, wenn qua­li­ta­tiv bes­se­re Mann­schaf­ten auf eine unkon­zen­trier­te Abwehr tref­fen. Den Beweis, dass die über­schau­ba­re Aus­beu­te vor der Län­der­spiel­pau­se vor allem der WM und dem schwe­ren Auf­takt­pro­gramm zuzu­schrei­ben war, ist die Mann­schaft trotz des Sie­ges in Pader­born jeden­falls schul­dig geblie­ben. Stell­te man sich in Hof­fen­heim — gera­de in Hof­fen­heim — und gegen Dort­mund vor allem unge­schickt an, so war der Auf­tritt in Pader­born vor allem spie­le­risch ein Rück­schritt. Anders kann ich es mir nicht erklä­ren, wie wir uns bei eige­ner Füh­rung mehr­fach bei­na­he hät­ten aus­kon­tern las­sen, weil wir par­tout nicht in der Lage waren, im Mit­tel­feld den Spie­lern eines, bei allem Respekt, Auf­stei­gers den Ball abzu­luch­sen.

Wie schon vor der Pau­se steht und fällt der Auf­tritt der Mann­schaft aber auch mit den Füh­rungs­spie­lern. Ata­kan Kara­zor konn­te nicht unbe­dingt Wer­bung für wei­te­re Star­t­el­fein­sät­ze machen — auch wenn die rota­ti­ons­be­dingt kom­men wer­den — und auch Ange­lo Stil­ler wirk­te selt­sam fah­rig. Immer­hin zeig­te sich Deniz Undav ver­bes­sert und hät­te viel­leicht sogar ein Tor ein­ge­lei­tet, wenn Jamie Lewe­ling nur den Ball auf Chris Füh­rich quer­ge­legt hät­te. Viel­leicht war der Druck nach dem Sai­son­start doch grö­ßer als erwar­tet, aber damit müs­sen Spie­ler umge­hen kön­nen, die sich in der Natio­nal­mann­schaft sehen und dem­nächst um höher­do­tier­te Ver­trä­ge feil­schen (las­sen) wol­len. Das Gute an den eng­li­schen Wochen ist immer­hin, dass die Mann­schaft in den nächs­ten zehn Tagen drei Mög­lich­kei­ten hat, um sich zu stei­gern. Dass sie das kann, wis­sen wir alle. Viel­leicht hilft es dabei auch, so ein Spiel wie in Pader­born irgend­wie zu gewin­nen — dar­auf ver­las­sen, dass das jedes Mal klappt, soll­te man sich aber nicht.

Zum Wei­ter­le­sen: Der Ver­ti­kal­pass sah “ein Spiel, das eher an Flip­per als an Bun­des­li­ga erin­ner­te” und fei­ert Chris Füh­rich.

Titel­bild: © Chris­tof Koepsel/Getty Images

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