Außer Form

Gegen Wolfs­burg kon­trol­liert der VfB lan­ge das Spiel, ohne viel dar­aus zu machen — und wird nach der eige­nen Füh­rung bit­ter bestraft. Vor allem offen­siv ist aktu­ell der Wurm drin.

Sie­ben ver­schie­de­ne Spie­ler tru­gen sich in den ers­ten vier Spie­len des Jah­res in die Tor­schüt­zen­lis­te des VfB ein: Je zwei Mal Deniz Undav, Jamie Lewe­ling und Nick Wol­te­ma­de sowie Jacob Bru­un Lar­sen, Erme­din Demi­ro­vic, Antho­ny Rou­ault und Fabi­an Rie­der. Drei sechs Tor­schüt­zen in den sechs fol­gen­den Spie­len tru­gen nicht ein­mal ein VfB-Tri­kot. PSGs Pacho und Glad­bachs Elve­di sowie Ex-Kapi­tän Wal­de­mar Anton zeich­nen sich seit­dem für die Hälf­te der VfB-Tore ver­ant­wort­lich. Blei­ben noch übrig. Undavs Tor zum Pokal­halb­fi­na­le, Innen­ver­tei­di­ger Jeff Cha­b­ot und am gest­ri­gen Sams­tag der wie­der­ge­ne­se­ne Joker Nick Wol­te­ma­de, der nach über 70 Minu­ten end­lich das Patt auf­lös­te, in dass sich der VfB und die Gäs­te von VW manö­vriert hat­ten.

Mit einem mara­do­n­es­ken Solo tanz­te er die Wolfs­bur­ger Hin­ter­mann­schaft ein­fach aus, wo sei­ne Kol­le­gen zuvor immer wie­der ver­sucht hat­ten, den Ball ins Tor zu tra­gen und sich immer wie­der vor der Ver­ant­wor­tung des Tor­schus­ses gedrückt hat­ten. Statt geziel­ten Angrif­fen wur­de immer wie­der abge­bro­chen, abge­spielt oder der Ball unko­or­di­niert in den Straf­raum geflankt. Ohne Ball­kon­trol­le, ohne Schär­fe, ohne Tem­po. Dar­an haben wir uns in den letz­ten Spie­len gewöhnt, als die Mann­schaft einer­seits die Viel­zahl an Spie­len und dann noch die offen­bar scho­ckie­ren­de Nie­der­la­ge gegen PSG men­tal und kör­per­lich ver­ar­bei­ten muss­te — mal abge­se­hen von einer Rei­he von Ver­let­zun­gen und Erkäl­tun­gen. In den letz­ten bei­den Spie­len stan­den unterm Strich immer­hin der Aus­wärts­sieg in Dort­mund der Sieg im Pokal.

Fahrlässig

Für das Spiel gegen Wolfs­burg war aber eigent­lich alles ange­rich­tet. Ein Heim­spiel, eröff­net mit einer atem­be­rau­ben­den Cho­reo­gra­phie des Schwa­ben­sturms über die Cannstat­ter Kur­ve und zusätz­lich die Gegen­ge­ra­de — etwas, was es Recher­chen zufol­ge erst zum zwei­ten Mal im Neckar­sta­di­on gab, das ers­te Mal im Pokal-Halb­fi­na­le 1997. Eine vol­le Trai­nings­wo­che, die mit zwei frei­en Tagen nach dem Erfolg in Dort­mund begon­nen hat­te. Einen Geg­ner, den man ernst neh­men muss, der mit der rich­ti­gen Her­an­ge­hens­wei­se aber alles ande­re als unbe­zwing­bar ist und sei­ner­seits auf wich­ti­ge Spie­ler ver­zich­ten muss­te. Und die gro­ße Chan­ce, wie­der auf Platz 4 zu sprin­gen und die direk­te Kon­kur­renz etwas abzu­hän­gen.

Bis zu jenem eben beschrie­ben Solo von Nick Wol­te­ma­de rum­pel­te sich der VfB aber den­noch ziem­lich durch die­ses Spiel. Hin­ten muss­te die Mann­schaft ab und zu mal einen lan­gen Ball hin­ter die Ket­te wie­der unter Kon­trol­le brin­gen, aber erst in der 84. Minu­te muss­te Alex­an­der Nübel das ers­te Mal einen Ball hal­ten. Die pas­si­ve Kon­trol­le, die gegen Dort­mund noch zum Erfolg geführt hat­te, war in die­ser Par­tie zu wenig und so waren die bei­den Gegen­to­re durch die Gäs­te — eins dus­se­li­ger als das ande­re — am Ende eine Art Stra­fe für den fahr­läs­si­gen Umgang der Mann­schaft mit die­sem Spiel. Wie so häu­fig war das Spiel zu lan­ge zu offen und der VfB in ent­schei­den­den Momen­ten nicht cle­ver genug.

Grundlevel reicht manchmal nicht

Am deut­lichs­ten wer­den die Pro­ble­me, die jetzt zu drei Nie­der­la­gen in den letz­ten vier Liga­spie­len geführt haben, an der ein­gangs auf­ge­führ­ten Sta­tis­tik: Offen­siv ist beim VfB der Wurm drin. Mit Füh­rich, Undav, Lewe­ling und Mil­lot stan­den drei vor­ne drei deut­sche Natio­nal­spie­ler und der Kapi­tän der fran­zö­si­schen U21 auf den Feld. Ein­zig Füh­rich war dabei in Nor­mal­form und mach­te mit Ein­zel­ak­tio­nen immer wie­der Betrieb über links. Undav und Mil­lot sind aktu­ell völ­lig außer Form und kaum sicht­bar, Lewe­ling rennt sei­ner nach der Ver­let­zung weit hin­ter­her und konn­te vom erneut indis­po­nier­ten Josha Vagno­man auch kei­ne Unter­stüt­zung erwar­ten. Eben­je­ne Spie­ler hät­ten in einem zähen Spiel aber den Unter­schied machen kön­nen, viel­leicht sogar müs­sen. Daher der Name Unter­schieds­spie­ler.

Viel­leicht hät­te es nach Wol­te­ma­des Füh­rung auch trotz­dem gereicht, das ändert aber nichts an dem grund­sätz­li­chen Pro­blem. Die Mann­schaft hat ein gewis­ses Grund­le­vel und mit ein wenig Glück holt man damit auch mal einen Arbeits­sieg. Wenn das Glück aber aus­bleibt oder sich wie bei Josha Vagno­mans Hand­spiel sogar ins Pech ver­kehrt, bräuch­te man eben­je­ne Unter­schieds­spie­ler, um das Spiel trotz­dem auf sei­ne Sei­te zu zie­hen. Und wir haben noch nicht mal davon gespro­chen, dass Erme­din Demi­ro­vic fast das gesam­te Spiel auf der Bank saß.

Ist bald Friehling?

Die Nie­der­la­ge ist vor allem des­halb so ärger­lich, weil sie zum einen ver­meid­bar war und weil sie zum ande­ren wie gegen Mainz und Glad­bach einer Mann­schaft zugu­te kam, die auch ums inter­na­tio­na­le Geschäft mit­spielt. Die Euro­pa­po­kal­plät­ze wer­den natür­lich nicht im Febru­ar ver­ge­ben, aber der VfB lässt aktu­ell rei­hen­wei­se Chan­cen lie­gen, sich in eine bes­se­re Aus­gangs­po­si­ti­on zu brin­gen — vor allem weil als nächs­tes die Bay­ern und Lever­ku­sen ins Neckar­sta­di­on kom­men. Aber es hilft alles nichts, auch sol­che Del­len gehö­ren dazu. Wich­tig ist jetzt, dass sich die Mann­schaft das Selbst­ver­ständ­nis zurück­holt, dass sie Spie­le aktiv gestal­ten muss. Viel­leicht hilft dabei eine wei­te­re vol­le und vor allem erkäl­tungs­freie Trai­nings­wo­che. Und es ist ja schließ­lich noch nicht mal Frieh­ling.

Titel­bild: © Chris­ti­an Kas­par-Bart­ke/­Get­ty Images

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