Der 12-Punkte-Schuss

So groß ist der Vor­sprung des VfB auf sei­nen Geg­ner vom Sonn­tag­nach­mit­tag aus Frei­burg (und die punkt­glei­che Frank­fur­ter Ein­tracht) und damit auf die Nicht-Euro­pa­po­kal-Plät­ze nach Erme­din Demi­ro­vics Traum­tor. Wie der VfB end­lich mal wie­der eine Steil­vor­la­ge der Kon­kur­renz nutz­te.

Natür­lich ist das alles immer nur eine Moment­auf­nah­me, ins­be­son­de­re in Spiel­zei­ten, in denen der VfB weit über 40 Pflicht­spie­le bestrei­tet. Aber nur in drei Spiel­zei­ten in unse­rer Bun­des­li­ga-His­to­rie hat­te der VfB nach 20 Spie­len mehr Punk­te als in die­ser. Nach­dem Frank­furt auch gegen Lever­ku­sen ver­lor und wir auch das drit­te Heim­spiel gegen Frei­burg in Fol­ge zu Null gewon­nen haben, wächst der Vor­sprung auf die Plät­ze, auf die der VfB vor etwa einem Jahr begann abzu­rut­schen, immer wei­ter an. Bevor es jetzt gegen die noch mehr als in der Hin­run­de vom Abstieg bedroh­ten Mann­schaf­ten aus dem Tabel­len­kel­ler und einen Zweit­li­gis­ten im Pokal geht, kann der spä­te Heim­sieg der Mann­schaft noch­mal einen rich­ti­gen Push geben.

Wobei wir uns nicht dar­auf aus­ru­hen soll­ten, dass der VfB am Ende, wie schon am Don­ners­tag, irgend­wie doch immer die drei Punk­te mit­nimmt. Denn auch das Spiel gegen die Breis­gau­er war eine zähe Ange­le­gen­heit, die schon viel frü­her hät­te ent­schie­den sein kön­nen. SCF-Trai­ner Juli­an Schus­ter sprach im Nach­hin­ein davon, dass sei­ne Mann­schaft es auf­grund ihrer Leis­tung nicht ver­dient habe, als Ver­lie­rer vom Platz zu gehen. Natür­lich war Frei­burg wie immer anstren­gend zu bespie­len — was aber auch dar­an lag, dass der VfB zeit­wei­se ähn­lich fah­rig agier­te wie am Don­ners­tag­abend nach der eige­nen 2:0‑Führung. Trotz alle­dem stan­den zur Pau­se gan­ze vier Abschlüs­se der Frei­bur­ger zu Buche, kei­ner davon ging aufs Tor. Nach dem Sei­ten­wech­sel kamen gan­ze zwei Schüs­se hin­zu, die Alex Nübel parie­ren muss­te, bevor er sich die ach­te wei­ße Wes­te in die­ser Sai­son über­strei­fen konn­te — vor allem der parier­te Schuss von Bru­no Ogbus in der Nach­spiel­zeit bleibt dabei im Gedächt­nis.

Das Spiel zu lange offen gehalten

Nein, der Ein­druck bei Schus­ter kann nicht von den Offen­siv­be­mü­hun­gen sei­ner Mann­schaft her­rüh­ren, die den VfB zwar stress­ten, aber nicht ins Wan­ken brach­ten. Viel­mehr war es die schon absurd schlech­te Chan­cen­ver­wer­tung der Brust­ring­trä­ger, die die­ses Spiel so lan­ge offen­hielt. Deniz Undav leg­te zwar den Drop­kick-Sieg­tref­fer von Erme­din Demi­ro­vic auf, schien aber sel­ber vor dem Tor jedes Mal die jeweils fal­sche Ent­schei­dung zu tref­fen. Aber nicht nur er, auch sei­ne Mit­spie­ler scheu­ten sich viel zu häu­fig davor, den Ball aufs Tor zu brin­gen. Ein Erklä­rungs­an­satz mag die­ses Zitat von Ramon Hen­driks sein: “Es war schwer und hat Kraft gekos­tet, Chan­cen zu kre­ieren – und gleich­zei­tig immer eine gute Kon­ter­ab­si­che­rung zu haben.” Nicht erst seit dem durch nicht vor­han­de­ne Kon­ter­ab­si­che­rung ver­lo­re­nen Spiel in Ham­burg hat man in man­chen Par­tien das Gefühl, dass die Mann­schaft offen­siv mit ange­zo­ge­ner Hand­brem­se spielt. Hier noch ein Abdre­hen, da noch eine Abla­ge, dort noch ein Quer­pass — alles um die Kon­trol­le über das Spiel­ge­rät in des Geg­ners Hälf­te zu behal­ten. Gegen tief­stehen­de und, bezie­hungs­wei­se oder gut ver­tei­di­gen­de Mann­schaf­ten kom­men damit zwar hohe Pass- und Ball­be­sitz­quo­ten zustan­de, aber kei­ne Tore.

Und den­noch ent­fach­te der VfB in den letz­ten zehn Minu­ten, ange­trie­ben von einem Sta­di­on, das spür­te, dass hier noch was gehen wür­de, einen Druck, dem die Frei­bur­ger am Ende nicht stand­hal­ten konn­ten. Auch wenn einem man­che leicht­sin­ni­gen Feh­ler die Haa­re zu Ber­ge ste­hen zu las­sen, scheint es grund­sätz­lich nach wie vor in der Mann­schaft zu stim­men. Viel­leicht sind sich unse­re Spie­ler manch­mal ihrer Qua­li­tät und ihres Durch­hal­te­ver­mö­gens zu sicher, denn so schön so ein Traum­tor kurz vor Schluss ist: Fast jedes der letz­ten Spie­le hät­ten wir schon jeweils in der ers­ten Halb­zeit deut­lich für uns ent­schei­den kön­nen. Was natür­lich die alte Dis­kus­si­on wie­der anfacht, ob der VfB jetzt eine Spit­zen­mann­schaft sei oder nicht. Ob mög­li­che Sie­ge in Kiel, auf St. Pau­li gegen Köln und in Hei­den­heim die­se wie­der been­den, weiß ich nicht. Viel­leicht fin­den wir aber gegen etwas weni­ger defen­siv­star­ke Mann­schaf­ten wie­der jene Kalt­schnäu­zig­keit wie­der, die wir über zwei Par­tien gegen Cel­tic brau­chen wer­den. Am Selbst­ver­trau­en dafür man­gelt uns jeden­falls nicht.

Titel­bild: © Alex Grimm/Getty Images

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