Chance verpasst

In einem anspruchs­vol­len Spiel im Römer Olym­pia­sta­di­on hät­te der VfB einen gro­ßen Schritt in Rich­tung Ach­tel­fi­na­le machen kön­nen, nutz­te aber die weni­gen Chan­cen nicht, die sich ihm boten.

Es sind die­se Sze­nen, die Du gefühlt in Zeit­lu­pe wahr­nimmst: Der Ball fällt Deniz Undav und spä­ter Erme­din Demi­ro­vic im Fünf­me­ter­raum vor die Füße, Du siehst ihn schon im Netz zap­peln, Dein Stür­mer muss sich in Sekun­den­bruch­tei­len ent­schei­den und…schießt den Tor­wart an. Die­se bei­den Sze­nen, sie hät­ten das Aus­wärts­spiel des VfB in Rom ent­schei­den kön­nen und das obwohl die Brust­ring­trä­ger die anfäng­li­che Spiel­kon­trol­le längst durch mut­lo­se Quer­pass-Staf­fet­ten ersetzt hat­ten, immer in Angst vor der eige­nen Rest­ver­tei­di­gung. Dass die Gäs­te nach expec­ted goals hät­ten gewin­nen müs­sen, ver­wun­dert nicht, denn die­se bei­den Chan­cen kann man schon mal oder muss man viel mehr auch nut­zen, wenn man im Febru­ar zwei Spie­le weni­ger haben möch­te.

Weil natür­lich im Fuß­ball­jour­na­lis­mus und in der Nach­ah­mung des­sen in den Sozia­len Netz­wer­ken alles immer ein Trend sein muss und nicht die Anein­an­der­rei­hung von ähn­li­chen, aber nicht not­wen­di­ger­wei­se ver­bun­de­nen Ereig­nis­sen, haben wir jetzt eine Dis­kus­si­on über die Chan­cen­ver­wer­tung, die in Lever­ku­sen gefühlt bei 100 Pro­zent war und danach nicht mehr. Dabei wird aber schnell ver­ges­sen, dass in Rom nicht nur Bil­al El Khan­nouss fehl­te, son­dern auch Ange­lo Stil­ler, zwei Spie­ler, die einer­seits auch mal die Trau­te haben ins geg­ne­ri­sche Pres­sing rein­zu­spie­len und zum ande­ren auch mal für über­ra­schen­de Offen­siv­si­tua­tio­nen zu haben sind. Denn es war nicht die Qua­li­tät, die dem VfB bei der Roma zu einem Punkt­ge­winn fehl­te, son­dern vor allem der Mut und die Risi­ko­be­reit­schaft.

Kein Risiko

Denn dass man die bes­te Abwehr der Serie A, die ihren Straf­raum schon kurz hin­ter der Mit­tel­li­nie ver­tei­digt, nicht durch Sicher­heits­päs­se aus­he­belt, soll­te ein­leuch­ten. Beim VfB sah sich aber nie­mand in der Ver­fas­sung, auch mal Bäl­le in Räu­me zu spie­len, die im Moment der Ball­ab­ga­be noch nicht besetzt sind. Was auch teil­wei­se mit der feh­len­den Ball­si­cher­heit zu tun hat­te, denn auch ein Risi­ko­pass will gezielt gespielt sein. Aus uner­find­li­chen Grün­den wür­den dann nach cir­ca zwan­zig Minu­ten die Räu­me in der eige­nen Abwehr viel zu groß, so dass der Rück­stand zur Pau­se irgend­wann unver­meid­bar war. Und trotz­dem wäre in die­sem Spiel mehr drin gewe­sen als die drit­te tor­lo­ses Nie­der­la­ge im vier­ten euro­päi­schen Aus­wärts­spiel. Aber damit kom­men wir zurück zu den ein­gangs beschrie­be­nen Chan­cen, die ein­zi­gen, die eine Roma mit der Füh­rung im Rücken zuließ, bevor sie das Spiel abge­zockt über die Zeit brach­ten.

Und dar­aus lässt sich dann viel­leicht doch ein Trend ablei­ten: Basel, Fener­bah­ce und die Roma sind Euro­pa­po­kal-erfah­re­ne Mann­schaf­ten, die um die man­geln­de Qua­li­tät der Schieds­rich­ter in inter­na­tio­na­len Wett­be­wer­ben wis­sen und es ver­ste­hen, die­se im Rah­men der Regeln für sich zu nut­zen. Die ver­stan­den haben, dass man in die­ser Pha­se des Wett­be­werbs kei­nen Schön­heits­preis gewinnt, son­dern ein­fach nur die Punk­te zie­hen muss. Der VfB wirk­te in man­chen Sze­nen etwas naiv, als kön­ne man dem Geg­ner allein mit der zwei­fels­oh­ne vor­han­de­nen und auch aus­rei­chen­den Qua­li­tät bei­kom­men. Ball­be­sitz allei­ne ist aber in sol­chen Spie­len noch mehr als in der Bun­des­li­ga ein Mus­ter ohne Wert, weil es vom Geg­ner fast schon gewollt ist, dass man sich das Spiel­ge­rät in unge­fähr­li­chen Berei­chen zuschiebt und dabei nach­läs­sig wird, was wie­der­um den wei­ter­hin hell­wa­chen Geg­ner zu Chan­cen ein­lädt.

Nicht alles auf den Platz gebracht

Nach der drit­ten Nie­der­la­ge im sieb­ten Spiel braucht es nun am kom­men­den Don­ners­tag eine Mehr­zahl von güns­ti­gen Ergeb­nis­sen, um den VfB noch in die Top 8 zu hie­ven. Ärger­lich also, dass man in Rom nicht alles auf den Platz brin­gen konn­te, zu dem man in der Lage ist, zum ande­ren traue­re ich eher den in Basel ver­lo­re­nen Punk­ten nach, denn die waren sport­lich weder mit Fener­bah­ce, noch mit der Roma zu ver­glei­chen. Gleich­zei­tig wären die Play­offs für mich aber auch kei­ne Kata­stro­phe, son­dern die Chan­ce, gegen eine Mann­schaft vom unte­ren Ende des Tableaus Erfah­run­gen in Euro­pa­po­kal-Par­tien mit Hin- und Rück­spiel zu sam­meln, bevor es im Ach­tel­fi­na­le gegen die Gro­ßen des Wett­be­werbs geht. Zumal eng­li­sche Wochen dem VfB nicht unbe­dingt zum Nach­teil gerei­chen, sieht man mal von der ein oder ande­ren miss­lun­ge­nen Rota­ti­on ab. Das Spiel in Rom war eine ver­pass­te Chan­ce in einem Spiel, das von Klei­nig­kei­ten ent­schie­den wur­de — nicht mehr und nicht weni­ger.

Zum Wei­ter­le­sen: Der Ver­ti­kal­pass möch­te das Ergeb­nis nicht nur auf die Chan­cen­ver­wer­tung redu­zie­ren und stellt fest: “Beim VfB fehl­ten Prä­zi­si­on und Frei­lauf­ver­hal­ten. Um Rom in Pro­ble­me zu bekom­men, müs­sen Räu­me erlau­fen wer­den, muss mehr Bewe­gung ins Spiel ohne Ball.

Titel­bild: © Pao­lo Bruno/Getty Images

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