Schön war’s

Mit Silas ver­lässt ein Spie­ler den VfB, der zwar sport­lich in den letz­ten Jah­ren in Bad Cannstatt immer mehr an Bedeu­tung ver­lor, dem vie­le Fans auf­grund sei­ner beson­de­ren Geschich­te aber vor allem emo­tio­nal wei­ter­hin sehr ver­bun­den sind.

Das Bild oben ist eines aus glück­li­che­ren Zei­ten. Glück­li­cher vor allem für Silas Katom­pa Mvum­pa, der unter die über­ra­gen­de Vize­meis­ter­schaft einer über­ra­gen­den Mann­schaft mit einem über­ra­gen­den Solo gegen Mön­chen­glad­bach den Schluss­punkt setz­te. Von über­for­der­ten Borus­sen nicht vom Ball zu tren­nen star­te­te er tief in der eige­nen Hälf­te, surf­te nach einem Dop­pel­pass durch die geg­ne­ri­sche Abwehr, links vor­bei, rechts vor­bei und rein. Das war der Silas, wie wir ihn nach sei­nem Wech­sel vom Paris FC in der zwei­ten und der ers­ten Liga bewun­dern gelernt hat­ten. Mit Tem­po, Tech­nik und Abschluss passt er per­fekt zum neu­en VfB unter Sven Mislin­tat und Tho­mas Hitzl­sper­ger, der trotz des bit­te­ren Abstiegs neu daher kam, fri­scher, muti­ger. Auch wenn er, anders als ande­re Spie­ler für eine ziem­lich ordent­li­che Ablö­se­sum­me nach Bad Cannstatt kam, die damals durch abstiegs­be­ding­te Ver­käu­fe und den even­tu­el­len Auf­stieg refi­nan­ziert wur­de, von der Fabi­an Wohl­ge­muth nach dem Wech­sel zu Mainz 05 aller­dings nur noch einen Bruch­teil sieht. Aber Ablö­se hin oder her, was Silas bot, war größ­ten­teils: spek­ta­ku­lär.

Für viel Auf­se­hen sorg­te auch, dass er sich im Som­mer 2021, als er sich gera­de von einem Kreuz­band­riss, der sei­ne ers­te Bun­des­li­ga-Sai­son abrupt been­det hat­te, erhol­te, dem VfB nicht nur offen­bar­te, son­dern auch anver­trau­te. Dabei ging es nicht nur um irgend­ein pri­va­tes Pro­blem, son­dern um sei­ne Iden­ti­tät, sei­nen Namen, unter dem er bis­lang Fuß­ball gespielt hat­te. Und vor allem um den Umgang win­di­ger Spie­ler­ver­mitt­ler mit jun­gen Men­schen vom afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent, die ihre fuß­bal­le­ri­schen Fähig­kei­ten als Aus­weg aus pre­kä­ren Lebens­ver­hält­nis­sen sehen und des­we­gen mit­un­ter gna­den­los aus­ge­nutzt wer­den. Vor­bild­lich, wie sich der VfB damals sei­ner annahm. Als Fuß­bal­ler konn­te Silas nach sei­nem Kreuz­band­riss 2021 und sei­ner Schul­ter­ver­let­zung 2022 nie mehr an das Niveau anknüp­fen, mit dem er sich in unse­re Her­zen gespielt hat­te. Als Mensch, der sei­nem Arbeit­ge­ber und des­sen Fans in die­sem mit­un­ter unbarm­her­zi­gen Busi­ness so viel Ver­trau­en ent­ge­gen­brach­te und es mit Zunei­gung und Unter­stüt­zung zurück­ge­zahlt bekam, wird er dort für immer blei­ben. War­um die­ser Aspekt in der offi­zi­el­len Ver­ab­schie­dung des VfB auf der Ver­eins­home­page kaum Erwäh­nung fin­det, ver­wun­dert mich etwas.

Keine Perspektive mehr

Und den­noch ist Silas letz­ten Endes Fuß­ball­pro­fi und ich ein Fan des VfB Stutt­gart und nicht eines Spie­lers, auch wenn die­ser mir emo­tio­nal wich­ti­ger ist, als manch ande­rer. Es wird unge­wohnt sein, ihn in Zukunft im Main­zer Tri­kot auf­lau­fen zu sehen, zum Glück sind die Null­fün­fer tabel­la­risch so weit von uns weg, dass ich ihm in 18 der rest­li­chen 19 Spie­le nur das Bes­te wün­schen kann. Beim VfB war nach dem Traum­tor gegen Mön­chen­glad­bach rela­tiv abrupt Schluss: Im Super­cup gegen Lever­ku­sen ver­schoss er nicht nur einen Elf­me­ter, son­dern ver­är­ger­te Sebas­ti­an Hoe­neß offen­bar so nach­hal­tig mit sei­nem Defen­siv­ver­hal­ten, dass die­ser im für die anste­hen­de Cham­pi­ons League-Sai­son kei­ne Kader­per­spek­ti­ve geben konn­te oder woll­te. Auch bei Crve­ne zvez­da, wohin er je nach Inter­pre­ta­ti­on flüch­te­te oder gedrängt wur­de, konn­te er nicht voll­ends über­zeu­gen und hat­te ange­sichts der hohen Kauf­op­ti­on auch wenig Per­spek­ti­ve. War­um genau er in der lau­fen­den Sai­son trotz des Eng­pas­ses in der Offen­si­ve nicht ein­mal bei der Maxi­mal­ro­ta­ti­on gegen Mainz im Kader stand, wird wohl Sebas­ti­an Hoe­neß’ Geheim­nis blei­ben, zumal auch die Tat­sa­che, dass er seit dem Mai 2024 kein Bun­des­li­ga-Spiel mehr bestrit­ten hat, sei­nem Markt­wert und damit den Ablö­se­for­de­run­gen nicht gehol­fen haben wird. Auf der ande­ren Sei­te ist gera­de auf den Außen­bah­nen die Kon­kur­renz beson­ders groß und der VfB ist längst nicht mehr wie 2019 oder 2020 in der Posi­ti­on, dass er die geg­ne­ri­schen Mann­schaf­ten mit einem wohl­tem­pe­rier­ten Steil­pass auf Silas aus­he­beln kann.

Des­halb ist es auch gut, dass die fuß­bal­le­ri­sche Nicht-Exis­tenz von Silas im ver­gan­ge­nen hal­ben Jahr ein Ende gefun­den hat und man ihn wie­der lachen sehen kann —  nur eben nicht mehr im VfB-Trai­ning, son­der für Mainz auf dem Platz. Unterm Strich ste­hen am Ende 35 Tore und 21 Vor­la­gen in 132 Ein­sät­zen im roten Brust­ring. Für einen Stür­mer eine gute, wenn auch kei­ne über­ra­gen­de Bilanz. Im Gedächt­nis bleibt aber auch ein Spie­ler, der ein­mal die Fan­ta­sie anreg­te, wohin die Rei­se mit ihm sport­lich noch gehen könn­te. Jetzt ist sie vor­bei.

Mer­ci pour tout!

Zum Wei­ter­le­sen: Der Ver­ti­kal­pass ver­ab­schie­de­te sich schon Mit­te Dezem­ber von Silas, als sich ein Wech­sel bereits abzeich­ne­te und blick­te auch auf sei­ne schöns­ten Tref­fer im Brust­ring zurück.

Titel­bild: © Alex­an­der Hassenstein/Getty Images

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