Rund um den nächsten Gegner: Im Gespräch mit Augsburg-Fan Marco

Zum Abschluss der eng­li­schen Wochen trifft der VfB auf den strau­cheln­den FC Augs­burg. Wie es bei den Fug­ger­städ­ter aus­sieht, ver­rät uns FCA-Fan Mar­co.

Rund um den Brust­ring: Wie bewer­test Du die bis­he­ri­ge Sai­son von Augs­burg?

Mar­co: Nicht gut, aber auch nicht kom­plett kata­stro­phal wie es von allen Gazet­ten, Exper­ten und Außen­ste­hen­den bewer­tet wird. Es war klar, dass das jun­ge Team sich fin­den und den neu­en Ansatz erst ein­mal ver­in­ner­li­chen muss. Es war auch zu erwar­ten, dass es Schwan­kun­gen geben wird, des­we­gen male ich die Wand jetzt nicht schwär­zer, als sie tat­säch­lich ist.

Wie bewer­test du die Arbeit von Trai­ner San­dro Wag­ner?

Für einen jun­gen Trai­ner muss er momen­tan viel Lehr­geld zah­len. Er hat sich am Anfang mit sei­nen Aus­sa­gen auch nicht gera­de einen Gefal­len getan, aber auch das wur­de — mei­ner Mei­nung nach — zu sehr auf­ge­bauscht. Der Ansatz ist span­nend: hohes Pres­sing gepaart mit spie­le­ri­schen Ele­men­ten, vie­len Kom­bi­na­tio­nen und 1 gegen 1‑Versuchen — und das mit jun­gen Spie­lern — sind dann doch eini­ge Ele­men­te, die man in Augs­burg nicht gewohnt ist. Des­we­gen bin ich bis jetzt eigent­lich zufrie­den, weil er bei sei­nem Plan bleibt und die­sen wegen einer schlech­ten Pha­se nicht kom­plett auf links dreht.

Der FCA galt lan­ge Zeit als graue Maus der Bun­des­li­ga, mit der Ver­pflich­tung von San­dro Wag­ner steht er jetzt im Ram­pen­licht. Ist das ein Fluch oder Segen?

Ist auf jeden Fall unge­wohnt, aber kei­nes­wegs schlecht. Mit Hohn und Spott muss­te man zu Beginn auf jeden Fall rech­nen, wenn die Ergeb­nis­se nicht kom­men. Die Mar­ke­ting­stra­te­gie und der Trai­ner waren für vie­le Außen­ste­hen­de viel­leicht zu viel, aber manch­mal muss man über sei­nen eige­nen Schat­ten sprin­gen, um sich lang­fris­tig zu eta­blie­ren. Auch für mich per­sön­lich war es am Anfang ziem­lich stö­rend und anstren­gend, weil wirk­lich jeder sei­ne Mei­nung kund­ge­ben muss­te. Aber mitt­ler­wei­le kommt man gut damit klar, gehört halt ein­fach dazu.

Mit Fabi­an Rie­der spielt ein ehe­ma­li­ger Brust­ring­trä­ger beim FCA. Wie läufts bei ihm?

Sehr gut, ist auf jeden Fall immer gesetzt und bringt unse­rer Offen­si­ve einen deut­li­chen Mehr­wert. Muss auch schon mit sei­nen 23 Jah­ren eine Füh­rungs­rol­le vor­ne erfül­len, was er ziem­lich gut meis­tert. Mit sei­nen vier Scorern ist er auch gut dabei, aber sei­ne Stan­dard­si­tua­tio­nen könn­ten noch ein biss­chen bes­ser und gefähr­li­cher wer­den.

Keven Schlot­ter­beck spiel­te in der Jugend beim VfB-Stadt­ri­va­len Stutt­gar­ter Kickers. Denkst du für ihn ist das Spiel was beson­de­res?

Ich gehe mal davon aus, weil da wahr­schein­lich auch die Fami­lie da sein wird. Hof­fen wir mal, dass er vor ihnen ein erfolg­rei­ches Spiel mit einem guten Ende ablie­fern wird.

Der VfB und FCA gel­ten bei­de als schwä­bi­sche Ver­ei­ne. Ist das für euch FCA-Fans ein beson­de­res Spiel?

Beson­ders, weil es ein Spiel ist, für das man kei­ne 4–5 Stun­den Fahrt auf sich neh­men muss. Sonst ist es ein Spiel wie jedes ande­re, das von den Medi­en grö­ßer gemacht wird, als es tat­säch­lich ist

Wie spielt der FCA tak­tisch?

All­ge­mein ein sehr hohes Anlauf­ver­hal­ten. Der Geg­ner wird teil­wei­se schon am eige­nen 16er atta­ckiert, um die­se zu einem lan­gen unkon­trol­lier­ten Ball oder Fehl­pass zu zwin­gen, um dann schnell umschal­ten zu kön­nen. Es wird auch ver­mehrt pro­biert, den frei­en Abschluss zu suchen. Also weni­ger blind und auf gut Glück schie­ßen, son­dern eher einen frei­en Mann fin­den, der sau­ber zum Abschluss kommt. Es ist auf jeden Fall deut­lich akti­ver, als unter Thorup, Wein­zierl und Co.

Was sind die Stär­ken und Schwä­chen ?

Die Stär­ke ist der schnel­le Ball­ge­winn und eine gute Abschluss­po­si­ti­on, wenn es funk­tio­niert. Die Schwä­che ist die Kon­ter­ab­si­che­rung. Gegen Leip­zig sind wir gut gestar­tet, aber haben uns durch drei, vier Kon­ter, die unglück­li­cher­wei­se alle in einem Tor resul­tiert sind, das Spiel ver­saut. Da fehlt noch ein wenig die Struk­tur, die Balan­ce zwi­schen „wann geh ich ins Risi­ko“ und „wann las­se ich den Geg­ner mal lie­ber kom­men“. Zudem fehlt noch ein wenig die Klar­heit in den Abschlüs­sen. Wir kom­men wirk­lich gut in den Straf­raum, aber es fehlt im Abschluss die letz­te Kon­se­quenz, manch­mal ist es ein­fach der Pass zu viel.

Wer ist dein bis­he­ri­ger FCA-Spie­ler der Sai­son?

Unse­re zwei Jugend­spie­ler. Mert Kömür und Noki Banks spie­len wirk­lich eine gute Sai­son. Klar haben sie mal ihre Ein­brü­che, aber das ist bei jun­gen Spie­lern kom­plett nor­mal. Sie sind auf jeden Fall nicht zu Unrecht oft in der Start­elf gesetzt.

Wie ist die aktu­el­le Per­so­nal­si­tua­ti­on vor dem Duell gegen den VfB?

Bis auf Gou­we­lee­uw, der wahr­schein­lich am Sonn­tag noch nicht ein­satz­be­reit sein wird, soll­ten alle Spie­ler fit und ein­setz­bar sein. Mert war letz­te Woche noch gesund­heit­lich ange­schla­gen, aber soll­te auch wie­der recht­zei­tig fit wer­den.

Was ist dein Tipp bzw. Gefühl für das Spiel?

Das Spiel gegen Dort­mund war für nicht-FCA-Fans kein Lecker­bis­sen, aber uns Fans hat der Wil­le und der Ein­satz ein wenig Hoff­nung gege­ben, dass es auf­wärts gehen könn­te. Auch San­dro hat am ver­gan­ge­nen Frei­tag Mut von der Kur­ve zuge­spro­chen bekom­men, viel­leicht haben wir ihm und den Jungs ein wenig Druck weg­ge­nom­men. Aber trotz­dem gehe ich davon aus, dass wir gegen form­star­ke Stutt­gar­ter kei­ne Punk­te mit nach Hau­se neh­men wer­den.

Vie­len Dank!

Titel­bild: © Adam Pretty/Getty Images

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