Zwei Mal spielte der VfB in dieser Woche zu Null, zwei Mal hatten wir dabei viel Glück. Das lief am Samstag in Hamburg aus, auch weil dir Mannschaft nicht aus ihren Fehlern lernt.
Natürlich hätte Ermedin Demirovic seinen Kopfball auch einfach mal genauso gezielt aufs Tor bringen können wir beim 3:0 am Mittwoch in Bratislava. Oder Deniz Undav hätte seinem Premierentor ein zweites folgen lassen können. Dzenan Pejcinovic kann zwar nichts für seine Ablöse, darf aber gerne auch irgendwann an die erste Pokalrunde anknüpfen. Oder wir bringen mal eine gottverdammte Standardsituation so vors Tor, dass man den Ball quasi nicht vorbeischießen kann. All das versäumten die Spieler im Brustring im Volkspark und blieben deshalb nach zig Spielen auswärts mal wieder torlos.
Immer wieder das gleiche Gegentor
Es gibt so Spiele und manchmal ist es Pech oder es sind unsaubere Abschlüsse oder man hat beim Standardtraining wieder gepennt und dann kommt alles zusammen und Du kannst noch so viel Geld für Deine Offensivabteilung ausgeben, der Ball will einfach nicht rein. Was dann nicht passieren darf: Ein Konter-Gegentor nach eigenem Angriff. Wie letzte Saison im Hamburg. Wie vor einem Monat gegen Köln, Stavanger und Hoffenheim. Gegen eine Mannschaft, die sich bis dahin vor allem darauf verlegt hatte, den VfB hoch anzulaufen und im Mittelfeld gefühlt jeden Zweikampf zu gewinnen.
Was dann kurz vor Spielende zum Erfolg führte, weil der VfB wieder so unsortiert war, dass ein Linksaußen dem Torschützen im Sechser-Raum am nächsten war. Weil die Mannschaft es mehrfach versäumte, den Angriff durch einen robusten Zweikampf zu verhindern. Und weil eben nicht, wie von Hoeneß nach der Pleite am Technikmuseum gefordert, jeder die Beine in die Hand nahm. Der VfB spielt in jeder Partie defensiv mit dem Feuer und macht den Gegner dadurch stark…bis es irgendwann schief geht. Damit ist man, wie Deniz Undav zurecht anmerkte, von den eigenen Ansprüchen, eine Spitzenmannschaft zu sein, weit entfernt.
Auch mal an Grenzen gehen
Auch wenn es immer noch früh in der Saison ist und das Spiel am Ende einer Woche voller Auswärtsfahrten stand, ist das Ausmaß an Lernresistenz aktuell erschreckend. Wir haben offenbar nicht die Qualität, um den Gegner vorne einzuschnüren und gleichzeitig hinten alles auszuputzen. Zumindest nicht, wenn wir uns auf unserer nominellen Qualität ausruhen, anstatt auch mal an die eigenen Grenzen zu gehen. Das reicht dann eben für sechs Punkte aus sechs Spielen, aber auch nicht mehr. Und damit vergeudet eine talentierte Mannschaft erneut ihr Potenzial und auch das des Vereins, nach einem Sommer ohne Substanzverlust den nächsten Schritt zu machen oder zumindest das erreichte Niveau zu halten.
Dabei müssten viele Spieler auf dem Platz eigentlich auch ihre eigene Vertragssituation im Hinterkopf haben. Im Sommer 2028 laufen viele Verträge aus, in den nächsten zwölf Monaten muss man sich beim VfB also Gedanken machen, welche Vertragsverlängerung man sich leisten will und je nach Saisonausgang auch leisten kann. Sollte es, wie von Undav bei ausbleibenden Verbesserungen befürchtet, eine “harte Saison” werden, kommt es im Anschluss auf jeden Fall zu einem größeren Umbruch. Schon im vergangenen Sommer konnte der ein oder andere nicht den Verein finden, der den eigenen Ansprüchen genügte oder wurde am Deadline wie Sauerbier angeboten, weil Kollegen eben keinen entsprechenden Verein fanden und keine Ablöse einspielen konnten. Wer also hier oder woanders mehr Geld verdienen möchte, sollte langsam mal anfangen, sich durch außergewöhnliche Leistungen ins Schaufenster zu stellen.
Zum Weiterlesen: Der Vertikalpass stellt fest: “Wenn der VfB schon nicht sein A‑Game auf den Platz bringt, dann muss er wenigstens so cool sein und Unentschieden spielen.”
Titelbild: © Oliver Hardt/Getty Images