Auf der Stelle

Gegen den BVB ver­liert der VfB sein zwei­tes Spiel in Fol­ge und geht mit ledig­lich drei Punk­ten aus vier Spie­len in die ers­te Län­der­spiel­pau­se. Von einer Ent­wick­lung kann man aktu­ell noch nicht spre­chen.

Am Ende waren es wie­der nur Klei­nig­kei­ten: Ange­lo Stil­ler lässt Jobe Bel­ling­ham in Rich­tung Straf­raum zie­hen, Maxi Mit­tel­städt ver­kno­tet sich die Bei­ne, Jeff Cha­b­ot ori­en­tiert sich Rich­tung Geg­ner statt Rich­tung Ball und Finn Jeltsch schaut Maxi Bei­er zu, wie die­ser vor ihm zum Füh­rungs- und spä­te­ren Sieg­tref­fer ein­schiebt. Eine Feh­ler­ket­te, an deren Ende die drit­te Nie­der­la­ge im vier­ten Spiel die­ser noch jun­gen Sai­son steht. Von denen nur eine wir­lich ver­dient war, denn die Bay­ern — auch wenn sie nicht als Tabel­len­füh­rer in die Pau­se gehen — kön­nen wei­ter­hin Mann­schaf­ten in die­ser Liga nach Belie­ben zer­le­gen. Wie man aber in Hof­fen­heim ver­lie­ren konn­te, die in der Fol­ge auf Kre­ta und in Pader­born Federn lie­ßen, ist genau­so unver­ständ­lich wie die Tat­sa­che, dass Borus­sia Dort­mund mit die­sem Fuß­ball unge­schla­gen an der Tabel­len­spit­ze steht. Aber mehr als die­sen Fuß­ball brauch­te es eben gegen den VfB in der aktu­el­len Ver­fas­sung nicht, der sich offen­sicht­lich wei­ter sieht, als er es momen­tan in der Rea­li­tät ist.

Der VfB konnte nicht reagieren

Immer­hin ent­stand das Gegen­tor dies­mal nicht, wie die letz­ten drei, aus einer Kon­ter­si­tua­ti­on, denn anders als in der Vor­wo­che stand die Mann­schaft von Sebas­ti­an Hoe­neß wesent­lich tie­fer und ließ viel weni­ger Bäl­le hin­ter die Ket­te zu. Und so sehr Cha­b­ot und Jeltsch auch beim Gegen­tor mal wie­der die rich­ti­ge Raum- und Geg­ner­zu­tei­lung ver­mis­sen lie­ßen: Die Dort­mun­der Offen­si­ve hat­ten sie grö­ßen­teils im Griff, denn der Tor­schuss war nur einer von zwei Abschlüs­sen, die Fabi­an Bred­low über­haupt parie­ren muss­te. Im Nach­hin­ein schmerzt eigent­lich die Nie­der­la­ge in Hof­fen­heim noch mehr, denn dort wären defi­ni­tiv ein bis drei Punk­te für uns drin gewe­sen, hät­te man einen fäl­li­gen Elf­me­ter bekom­men und sich im Umschalt­ver­hal­ten nicht genau­so naiv ange­stellt wie weni­ge Tage vor­her beim Aus­gleich von Viking. Gegen eine Mann­schaft von der Qua­li­tät Dort­munds — auch wenn man die­se nur sel­ten auf­blit­zen sah — kann ein sol­ches Gegen­tor pas­sie­ren. Man muss halt auch sei­ner­seits dar­auf reagie­ren kön­nen.

Das ver­pass­te die Mann­schaft im Brust­ring, denn aus ins­ge­samt 12 Schüs­sen, fünf davon aufs Tor, erwuchs ein expec­ted goals-Wert von irgend­was zwi­schen 0,67 und 1,15 — je nach Sta­tis­tik­quel­le. Aber auch abseits von sol­chen Zah­len war die offen­si­ve Harm­lo­sig­keit mit Hän­den greif­bar. Die Mann­schaft nahm sich so gut wie jeden erst­bes­ten Schuss, viel­leicht auch mit der Angst im Hin­ter­kopf, dass ein wei­te­res Auf­rü­cken von wei­te­ren Offen­siv­spie­lern in deren Rücken gefähr­li­che Räu­me öff­nen wür­de. Hin­zu kamen erneut offen­si­ve Stan­dards, die sich an Harm­lo­sig­keit gegen­sei­tig über­bo­ten. Was umso ärger­li­cher ist, weil aus den schlecht ver­wer­te­ten Angrif­fen ja immer­hin häu­fig Ecken oder Frei­stö­ße in aus­sichts­rei­cher Situa­ti­on ent­ste­hen. So lief eigent­lich alles auf ein 0:0 zwi­schen zwei defen­siv­star­ken, aber offen­siv ein­falls­lo­sen Mann­schaf­ten hin­aus, bis eben Dort­mund doch die Lücke fand und der VfB nicht mehr die Ener­gie auf­brach­te, sich zumin­dest einen Punkt zu ret­ten.

Die Achse steht noch nicht stabil

Jetzt die Tabel­le natür­lich erst­mal drei Wochen lang, par­don, schei­ße aus. Schließ­lich stand der VfB in den letz­ten drei Spiel­zei­ten nur an ins­ge­samt vier Spiel­ta­gen schlech­ter als Platz 11 und jetzt müs­sen wir uns bis Mit­te Okto­ber erst­mal Platz 15 anschau­en. Das ist natür­lich auch dem Spiel­plan geschul­det: In der ver­gan­ge­nen Sai­son hol­te man aus den drei Par­tien in Mün­chen, Hof­fen­heim und gegen Dort­mund auch nur einen Punkt dank des Last-Minu­te-Tref­fers von Tia­go Tomás, aber die Spie­le fan­den halt an den Spiel­ta­gen 28, 30 und 32 statt an den Spiel­ta­gen 1, 3 und 4. Aus­ru­hen soll­te man sich dar­auf, dass man jetzt den Meis­ter, den Vize­meis­ter und den Tabel­len­fünf­ten der ver­gan­ge­nen Spiel­zeit schon hin­ter sich hat, aber nicht. Denn nach der Pau­se steht die Mann­schaft bei drei Aus­wärts­spie­len in Fol­ge —  in der Liga in Pader­born und Ham­burg, in der Cham­pi­ons League und Bra­tis­la­va, mas­siv unter Druck. Viel­leicht auch unter dem Druck, den die Mann­schaft manch­mal braucht.

Für den Moment aber tre­ten wir auf der Stel­le. Das Spiel gegen Dort­mund auch das gegen Hof­fen­heim erin­ner­te ungut an die Auf­trit­te in Rom und Por­to, als der VfB lan­ge auf Augen­hö­he agier­te, die­se aber in ein­zel­nen Sze­nen ver­lor und damit das Spiel aus der Hand gab. Natür­lich fällt aktu­ell auch eine gan­ze Rei­he Spie­ler aus, immer­hin konn­te Niko Nar­tey in der Schluss­pha­se sein Come­back fei­ern. Aber der Kader ist trotz­dem breit genug auf­ge­stellt, um aus den ers­ten vier Spie­len mehr als drei Punk­te zu holen. Es kom­men beim VfB der­zeit ein­fach vie­le Fak­to­ren zusam­men: Auf der klas­si­schen Ach­se Tor­wart-Abwehr­chef-Mit­tel­feld­len­ker-Stür­mer ist aktu­ell nur der Tor­wart wirk­lich in Form und der spielt auf Bewäh­rung. Wenn Den­nis Sei­men ver­mut­lich nach der Län­der­spiel­pau­se den für ihn vor­ge­se­he­nen Platz im Tor ein­nimmt, muss er sich dar­auf ver­las­sen kön­nen, dass Jeff Cha­b­ot — und Finn Jeltsch oder Luca Jaquez — auch bei höhe­rem Pres­sing den Laden hin­ten im Griff hat. Ange­lo Stil­ler, der erneut kein gutes Spiel mach­te und offen­bar­te, war­um in die­sem Som­mer nicht die ganz gro­ßen Ange­bo­te her­ein­flat­ter­ten und Deniz Undav, des­sen Inter­view nach dem Spiel ich übri­gens völ­lig im Rah­men fand, haben durch ihre Nicht-Nomi­nie­rung für die Natio­nal­mann­schaft jetzt drei Wochen Zeit, die spät begon­ne­ne Vor­be­rei­tung nach­zu­ho­len und fit zu wer­den. Denn die bes­te Ent­las­tung für einen Tor­wart ist immer noch eine eige­ne Füh­rung. Aber auch Sebas­ti­an Hoe­neß und sein Team, die sich ja eigent­lich nach der letz­ten Sai­son eine Wei­ter­ent­wick­lung in ver­schie­de­nen Berei­chen erhofft hat­ten, haben in der Pau­se eini­ge Arbeit vor sich. Will der VfB die nächs­te Stu­fe erklim­men und sich gegen Mann­schaf­ten wie Dort­mund durch­set­zen, müs­sen sei­ne Spie­ler in der Lage sein, Risi­ko und Kon­trol­le rich­tig zu dosie­ren.

Zum Wei­ter­le­sen: Der Ver­ti­kal­pass ana­ly­siert: “Das sind kei­ne gro­ßen tak­ti­schen Rät­sel. Aber es sind die klei­nen Din­ge, die Spie­le ent­schei­den.”

© Titel­bild: Sona Maleterova/Getty Images

Schreibe einen Kommentar

Rund um den Brustring
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.