Erneut wäre der VfB in einer Schwächephase fast bestraft worden, am Ende steht aber auch in Bratislava hinten die Null und der zweite Sieg im zweiten Champions-League-Spiel fest. Gegen einen schwächeren Gegner zeigte sich die Mannschaft wieder torgefählicher, muss aber ihre Sorglosigkeiten in den Griff kriegen.
So richtig rund läuft es ja nach der Länderspielpause immer noch nicht. Also spielerisch, denn was die Ergebnisse angeht kann man sich über zwei Siege zu Null binnen vier Tagen natürlich nicht beschweren, zumal der VfB mit dem 3:0 bei Slovan Bratislava die Pflicht in der Königsklasse erstmal erfüllt hat und sich jetzt für kommenden Dienstag gegen Atlético der Kür widmen kann. Aber auch in der slowakischen Hauptstadt wäre der VfB beinahe Opfer seiner eigenen defensiven Sorglosigkeit geworden und konnte froh sein, dass Schiedsrichter und Videoassisten im Europapokal genauso unfähig sind wie teilweise in der Bundesliga, wenn nicht sogar noch mehr. Ein Ausgleich früh in der zweiten Halbzeit hätte das Spiel vielleicht nochmal ganz anders ausgehen lassen können, zumal die Fehlentscheidung der Unparteiischen dem VfB auch nicht unbedingt mehr Sicherheit gab. Wie fast jedes Spiel in dieser Saison so stand auch dieses zwischendurch auf Messers Schneider und es gehörte neben der verbesserten Offensivleistung eben auch eine ordentliche Portion Glück dazu.
Verdient war der Auswärtssieg des VfB natürlich trotzdem, weil Slovan dem schnellen und zielstrebigen Angriffsspiel wie erwartet nicht sehr viel entgegensetzen konnte. Der slowakische Serienmeister dominiert die eigene Liga und ist — anders als zum Beispiel Paderborn — nie in der Situation, das eigene Tor auf Biegen und Brechen verteidigen zu müssen. Offensiv hatte Sebastian Hoeneß — bis auf den unsichtbaren und glücklosen Pejcinovic — diesmal die richtige Formation gefunden: Bilal El Khannouss und Chris Führich leiteten immer wieder gefährliche Ballstaffetten ein und zunächst Deniz Undav und später auch Ermedin Demirovic standen dort, wo sie stehen mussten. Besonders schön war natürlich, dass Undav seinen Flow offenbar wiedergefunden hat und wieder eines seiner typischen Tore erzielen konnte. Ergänzt wurde das durch einen Josha Vagnoman, der offensiv an die guten Leistungen der letzten Wochen anknüpfte und einen Angelo Stiller, dem ich in der letzten Spielbetrachtung vielleicht etwas unrecht getan habe. Die Chancenqualität war erneut hoch und immerhin sprangen am Ende, auch unter Mithilfe eines Eigentores, drei Treffer für den VfB heraus, der damit seine Tordifferenz vor schwierigen Heim- und Auswärtsspielen auf +5 hochschraubte.
Kein Herzkasper mehr!
Die Phasen der Sorg- und Gedankenlosigkeit müssen uns aber zu denken geben. Dass wir einen Gegentreffer nach einem Abstoß des gegnerischen Torhüters kassieren, bei dem Deniz Undav die letzte Verteidigungsreihe bildet, ist hanebüchen. Ja, ein Ball kann mal durchrutschen, aber selbst wenn Jeff Chabot den wie in diesem Fall nicht verteidigen kann, muss der Rest der Mannschaft wach genug sein, um den durchlaufenden Suleiman Camara zu stoppen. Auch der Lattentreffer von Sandro Cruz, der wenig später unglücklich das Spiel entscheiden sollte, darf so nie zugelassen werden von einer Mannschaft, die auswärts in Führung liegt und erinnert ungut an die letztlich vereitelte Dreifachchance der Paderborner am vergangenen Samstag. Bei aller offensiven Qualität, die erwartetermaßen gegen einen Gegner wie Slovan auch spielentscheidend zum Tragen kommt, und bei aller Dominanz in den Zahlen schafft es die Mannschaft erneut nicht, ein Spiel so unter Kontrolle zu kriegen, dass man dabei nicht mindestens einen Herzkasper pro 90 Minuten kriegt.
Das liegt vielleicht auch — aber natürlich nicht nur — an der Rolle von Grischa Prömel, der wieder den Vorzug vor Atakan Karazor erhielt. Der stach zwar gegen Paderborn auch nicht unbedingt heraus, teilte sich aber den Sechserraum mit Angelo Stiller wesentlich besser auf, als das am Mittwochabend dem Neuzugang aus Sinsheim gelang. Immer wieder standen sich beide, grundsätzlich ja offensiv orientierten Mittelfeldspieler, auf den Füßen, was auch auf Heatmaps deutlich wird (die ich hier leider nicht einbinden kann). Und auch von der Erfahrung des 31jährigen profitiert die Mannschaft noch nicht in dem Maße, wie sich das Sebastian Hoeneß vermutlich erhofft hatte. Als der von game management sprach, hatte er sicherlich neben anderen erfahrenen Spielern wie Undav, Chabot und Stiller auch jemanden wie Prömel im Kopf. Der hat nun, anders als beispielweise Pejcinovic, keine hohe Ablöse gekostet, muss aber dennoch bald zeigen, warum man ihn geholt hat. Wobei mir wichtig ist, zu betonen, dass es natürlich nicht alleine an ihm liegt, wenn wir zwischendurch den Kopf verlieren.
Mit Pflichtsiegen stabilisiert
Viele solcher Phasen sollten wir uns jedenfalls nicht mehr leisten. In Hamburg fiel uns das bereits in der vergangenen Saison auf die Füße und im vermutlich schwersten der drei Auswärtsspiele in dieser Woche sollten wir uns nicht von den beiden wichtigen Siegen blenden lassen. Andererseits kann man konstatieren, dass der VfB sich immerhin dahingehend stabilisiert hat, dass er diese wichtigen Pflichtsiege trotzdem eingefahren. Betrachtet man die Form der Hoffenheimer wäre das Spiel in Sinsheim auch ein solcher Pflichtsieg gewesen. Hoffen wir, auch wenn wir es noch nicht durchgängig sehen, dass in der Länderspielpause nochmal Grundlagen gelegt wurden, die sich in den kommenden Spielen langsam durchsetzen.
Titelbild: © Christian Bruna/Getty Images