In Paderborn startet der VfB in die zweite Saisonphase nach der Extrem-Länderspielpause. Ein möglicherweise wegweisendes Spiel — und das ausgerechnet auswärts bei einem Aufsteiger.
Ich hätte zugegebenermaßen auf die ganzen Diskussionen einerseits und die anbiedernde Lobhudelei an den Nationaltrainer andererseits in den letzten drei Wochen verzichten können. Wenn man so kurz nach Saisonbeginn direkt wieder eine derart lange Pause vom Vereinsfußball auferlegt bekommt, fühlt sich das an, als habe die Saison noch gar nicht so richtig begonnen. Hat sie aber natürlich trotzdem und der VfB steht zumindest tabellarisch mit dem Rücken zur Wand. Dass das auch etwas mit der verkürzten Sommerpause durch den Zirkus in den USA zu tun haben kann, genauso wie mit dem Spielplan, haben wir ja alle schon ausführlich diskutiert. Das ändert nichts an der Tatsache, dass die Mannschaft mit dem Brustring vor einer Woche steht, die wegweisend für die kommenden Monate sein kann. Sollte es uns nicht gelingen, die — bei allem Respekt — Pflichtsiege in Paderborn und in Hamburg einzufahren und sollten wir in Bratislava wichtige Punkte für das Weiterkommen in der Champions League verspielen, wäre die Stimmung für die kommenden Wochen gesetzt und auch in den Köpfen der Mannschaft würde es anfangen zu arbeiten. Das ist zumindest meine Vermutung, denn ich habe nicht den Eindruck, dass die Jungs völlig unbeeindruckt von öffentlichen Diskussionen und ausbleibenden Ergebnissen bleiben würden. Dementsprechend angespannt blicke ich auch auf den Auswärtsauftritt in Paderborn. Ein Spiel, in dem der VfB vor Hoeneß eigentlich nur verlieren konnte und das meistens auch tat. Mittlerweile haben sich Mannschaft und Trainer aber genug Vertrauen erarbeitet, so dass man nicht automatisch davon ausgehen muss, dass wir wie in alten Zeiten zum AuVfBau-Gegner werden.
Klar ist aber gleichzeitig, dass die Mannschaft aus den ersten sechs Pflichtspielen dieser Saison gelernt haben sollte. Cleverness gepaart mit der richtigen Mentalität und der richtigen Balance zwischen Angriffswirbel und Absicherung werden auch in den kommenden Spielen gegen auf dem Papier schwächere Gegner unverzichtbar sein. Und bei allem Vertrauen ist natürlich auch die Erwartungshaltung da, dass eine Mannschaft, die bis auf wenige Ausnahmen in dieser Zusammensetzung im Frühjahr die Qualifikation für die Champions League erreichte und ins Pokalfinale einzog, in der Lage ist, sich aus der Ergebniskrise der ersten Spiele eigenhändig zu befreien. Das hat weniger damit zu tun, dass ich den VfB fortan jährlich in der Champions League auflaufen sehe, sondern viel mehr damit, dass die aktuelle Mannschaft meiner Meinung nach ein riesiges Potenzial und der Verein damit eine große Chance hat. Beides sollte nicht leichtfertig verspielt werden. Ich erwarte in der kommenden Woche keinen Zauberfußball, dafür ist im Laufe der Saison noch genug Zeit. Was wir brauchen, sind seriöse und abgezockte Auftritte, die die nötigen Punkte einbringen.
Blicken wir aber nach der langen Pause erstmal auf die
Personalsituation
Ameen Al-Dakhil hat sich in der Länderspielpause was Muskuläres zugezogen und wird in Paderborn fehlen, es scheint aber nichts langwieriges zu sein. Justin Diehl ist weiterhin nicht im Training. Niko Nartey kam ebenfalls mit Beschwerden von seiner nachträglichen Nominierung für die dänische Nationalmannschaft zurück und ist genauso im Teiltraining wie Daxo Zagadou und leider Tiago Tomás, den ich gerne wieder auf dem Platz sehen würde. Lorenz Assignon sorgte ja schon im Testspiel mit seinem Fallrückziehertor für Aufsehen und ist dementsprechend fit und auch Luca Jaquez könnte laut Hoeneß in den Kader zurückkehren.
Mögliche Startaufstellung
Dass Dennis Seimen in Paderborn startet, hat Sebastian Hoeneß auf der Pressekonferenz bereits angekündigt. Mittelstädt und Vagnoman waren bei der Nationalelf und sollten den Rhythmus entsprechend mitnehmen, während Jeltsch nicht zum Einsatz kam und Stiller nicht mal nominiert war, beide dürften entsprechend motiviert sein. Gleiches gilt aus unterschiedlichen Gründen für die Flügelzange Führich und Leweling, während vorne Pejcinovic den Schwung aus seinen beiden Treffern für die deutsche U21 mitnehmen darf und Demirovic zunächst auf der Bank Platz nimmt, damit Deniz Undav endlich den Knoten platzen lässt.
Statistik
Es ist das sechste Aufeinandertreffen beider Vereine, dem im Pokal Ende des Monats ein weiteres folgen wird. Drei Mal setzte sich der VfB in diesem Wettbewerb gegen den SCP durch: Zwei Mal in Ostwestfalen, zuletzt 2023, einmal vor 7.500 Zuschauern als amtierender Meister im Neckarstadion. In der bisher einzigen gemeinsamen Bundesliga-Saison gab es ein 0:0 in Stuttgart, im Rückspiel schoss uns Daniel Ginczek zum Klassenerhalt (siehe oben). Gegen Hoffenheim sammelte Paderborn vor der Länderspielpause die ersten Punkte und Tore in dieser Bundesliga-Saison. Der SCP hat aktuell die drittmeisten Kopfballduelle der Liga gewonnen, Laurin Curda hat die meisten Zweikämpfe in der Liga gewonnen.
Fazit
Was aber eh klar war: Der VfB trifft mal wieder auf einen Gegner, der nichts zu verlieren hat und entsprechend auftreten wird. Bei aller Qualität müssen wir dieser Intensität etwas entgegensetzen, wenn wir den Saisonstart nicht wirklich in den Sand setzen wollen. Zeit war genug, um Kraft zu tanken und Fehler auszutrainieren. Jetzt gilt’s!
Titelbild: © Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images
