War da was in München? Der VfB tritt gegen ersatzgeschwächte Kölner genauso dominant auf wie vor zwei Wochen im Pokal und gewinnt hochverdient mit 4:1. Im Fokus stehen dabei Spieler, die um ein Haar das Brustring-Trikot an den Nagel gehängt hätten.
Denn am Deadline Day, vulgo dem vergangenen Dienstag, entstand der Eindruck als müssten Fabian Wohlgemuth und Christian Gentner auf den letzten Druck noch jenen ominösen Transfergewinn erwirtschaften, den der Aufsichtsrat ihnen wohl für diesen Sommer als Bedingung für die Verpflichtung von Leo Sauer und Dzenan Pejcinovic auferlegt hatte. Wie die Kollegen vom Vertikalpass hier aufgeschrieben haben, führte das zu der kuriosen Situation, dass der VfB Abgängen seiner Leistungsträger wesentlich offener gegenüberstand als diese selbst. Am Ende ging mit Chema lediglich ein Spieler mit Aussicht auf regelmäßige Spielzeit, der im Kader für das Spiel am Freitag umgehend durch Yannik Spalt ersetzt wurde. Bilal El Khannouss, Ermedin Demirovic — der sich schon früher zum VfB bekannt hatte — und Josha Vagnoman blieben. Und trafen.
Natürlich muss man beim FC auch bedenken, dass ihnen mit Saïd El Mala und Thijs Dallinga zwei wichtige Offensivspieler fehlten, aber auch die hätten vermutlich nicht verhindern können, dass der VfB die Kölner Abwehr ein ums andere Mal auseinander pflückte und nur in einer Phase direkt nach dem Seitenwechsel ein wenig ins Schwimmen geriet. Davon abgesehen bewies die Mannschaft, dass sie das druckvolle Spiel, was sie in Rostock exerzierte, auch in der Bundesliga auf den Platz bringen kann. Darüber, dass man gegen die Bayern scheinbar auch ein 0:0 halten kann, reden wir ein ander Mal. Konzentrieren wir uns erstmal auf den Freitagabend, der wie bei jedem ersten Heimspiel einer Saison erneut von der sehr stimmungsvollem Karawane eingeleitet wurde.
Perfekter Start ins Wochenende
Und die Stimmung bei diesem “richtigen” Saisonstart blieb blendend. Bereits in der ersten Halbzeit verhinderte nur das Aluminium ein Debakel für die Gäste, bis Bilal El Khannouss dann bewies, warum es gut ist, dass wir ihn noch mindestens eine Saison behalten haben. Sein Solo war mindestens so eindrucksvoll wie das von Ermedin Demirovic in der zweiten Halbzeit, mit dem dieser das Spiel endgültig zumachte. Die anderen beiden Tore fielen aus dem Rückraum, wobei das 4:1 durch Josha Vagnoman, dessen erstes Saisontor ähnlich entstand, schon ein ziemlicher Kunstschuss war — und der perfekte Schlusspunkt für einen perfekten Start ins Wochenende. Erwähnenswert auch das Bundesliga-Debüt des jungen Spalt sowie das von Neuzugang Sauer, der andeutete, warum es richtig war, dass die sportliche Leitung für seine Verpflichtung das Theater vom letzten Dienstag in Kauf nahm. Dass Fabian Bredlow erneut ein starkes Spiel machte, gehört ja mittlerweile zum neuen Standard.
Natürlich konnte Sebastian Hoeneß die Phase nach der Pause nicht gefallen, denn schon in Rostock leistete sich der VfB einige Nachlässigkeiten, die durchaus zum Ausgleich hätten führen können. Auch das Gegentor, als sich die Kölner zu leicht durch unsere Hintermannschaft spielen konnten, hätte nicht sein müssen. Andererseits zeigte der VfB erneut seine Gefahr vor dem gegnerischen Tor und machte damit die Klatsche von München nicht nur in der Tabelle vergessen. Letztlich ging es in diesem Spiel ja auch darum, gegen einen schlagbaren Gegner einen Fehlstart zu verhindern und besser in die Saison reinzukommen. Das ist der Mannschaft, die am Ende in diesem Sommer kaum Substanz verloren hat, gelungen. So kann es weitergehen.
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Titelbild: © Alex Grimm/Getty Images