Rund um den nächsten Gegner: Im Gespräch mit Bremen-Fan Max

Nach dem emo­tio­na­len Ein­zug ins Pokal­fi­na­le trifft der VfB auf eine Mann­schaft, die zuletzt einen Der­by­sieg fei­er­te. Wie es beim SV Wer­der sonst so läuft, erklärt und Bre­men-Fan Max vom Weser­funk im Gespräch.

Rund um den Brust­ring: Hal­lo Max und vie­len Dank dass Du Dir Zeit für ande­re Fra­gen nimmst. Vier Spiel­ta­ge vor Schluss steht Wer­der auf dem ers­ten Nicht-Abstiegs­platz, hat sich aber mit dem Der­by­sieg gegen den HSV etwas Luft ver­schaf­fen kön­nen. Wie schätzt Du Eure Chan­cen auf den Klas­sen­er­halt ein?

Max: Moin zusam­men! Also ich möch­te hier jetzt auf gar kei­nen Fall irgend­was jin­xen, aber die Chan­cen könn­ten sicher­lich noch schlech­ter sein bei fünf Punk­ten Vor­sprung auf den Rele­ga­ti­ons­platz. Trotz­dem sind wir defi­ni­tiv nicht durch! Mit Augs­burg spie­len wir nur noch gegen einen Geg­ner, der nomi­nell auf Augen­hö­he ist. Außer­dem müs­sen wir uns dann noch mit Hof­fen­heim, Dort­mund und eben euch Stutt­gar­tern her­um­schla­gen. Könn­te also leich­ter sein. Ande­rer­seits hat auch die Kon­kur­renz kein ein­fa­ches Pro­gramm. Ich den­ke, mit vier Punk­ten aus den letz­ten Spie­len wären wir defi­ni­tiv geret­tet.

Wir wis­sen aus eige­ner Erfah­rung, was ein Abstieg auf und neben dem Platz bedeu­tet. Wel­che Aus­wir­kun­gen hät­te er für den SVW in der aktu­el­len Lage?

Wir haben es ja vor nicht all zu lan­ger Zeit selbst erle­ben dür­fen, wie sich so ein Abstieg anfühlt. Und wie viel Glück und irr­wit­zi­ge Trai­ner-Lügen und ‑Rocha­den es braucht, um auch als ver­meint­li­cher Favo­rit direkt wie­der auf­zu­stei­gen. Die zwei­te Liga ist knall­hart! Zudem sind wir ja chro­nisch plei­te, also wäre das auch finan­zi­ell ein har­ter Schlag für Wer­der. Die Geschäfts­füh­rung hat zumin­dest dafür gesorgt, dass die Ver­trä­ge der meis­ten Spie­ler sich im Fal­le eines Abstiegs stark redu­zie­ren. Mir hat die Sai­son in der zwei­ten Liga zwar ins­ge­samt gro­ßen Spaß gemacht, natür­lich vor allem dank des Hap­py Ends. Aber trotz­dem will ich das so schnell nicht wie­der erle­ben.

Mit Dani­el Thioune beschäf­tigt ihr nach Horst Stef­fen schon den zwei­ten Trai­ner in die­ser Sai­son. Wor­an ist Stef­fen letzt­lich geschei­tert und was macht Thioune anders?

Vie­le von uns wären ger­ne mit Horst Stef­fen erfolg­reich gewe­sen. Mir hat sei­ne sehr mensch­li­che Art sehr gut gefal­len. Den bei Elvers­berg so attrak­ti­ven Stef­fen-Fuß­ball hat man jedoch bei uns nie so wirk­lich zu sehen bekom­men. Klar, die Vor­aus­set­zun­gen waren sicher­lich schwie­rig. Zu den Pro­ble­men zähl­ten seit Sai­son­be­ginn unheim­lich gro­ße Ver­let­zungs­sor­gen sowie ein Kader, der einer­seits grund­sätz­lich unzu­rei­chend zusam­men­ge­stellt war und ande­rer­seits auf vie­len Posi­tio­nen nicht zu Stef­fens Sys­tem pass­te. Stef­fen hat sich jedoch selbst zusätz­lich eini­ge unnö­ti­ge Bau­stel­len auf­ge­macht. Indem er etwa Kapi­tän Mar­co Friedl zum Links­ver­tei­di­ger degra­dier­te und Leo Bit­ten­court zwi­schen­zei­tig voll­stän­dig aus dem Kader warf, ver­lor er an Rück­halt in der Mann­schaft. Außer­dem wirk­te sei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on nach außen häu­fig etwas unglück­lich, etwa nach der Der­by-Nie­der­la­ge im Hin­spiel gegen den HSV.

Gera­de in letz­te­rem Punkt unter­schei­det sich Dani­el Thioune deut­lich von Stef­fen. Kom­mu­ni­ka­tiv ist er wahr­schein­lich sogar einer der fähigs­ten Coa­ches, die wir bis­lang an der Weser hat­ten. Rhe­to­risch ist mir das fast schon zu per­fekt. Er beweist da ein gutes Gespür für Fans und Mann­schaft. Auf dem Platz setzt er zudem die Spie­ler mehr nach ihren Stär­ken ein, ist von der Drei­er­ket­te zur Vie­rer­ket­te zurück­ge­kehrt.

Wie lässt er Wer­der spie­len und wo siehst Du aktu­ell die Stär­ken und Schwä­chen der Mann­schaft?

Bei Thioune ist mitt­ler­wei­le das 4–3‑3 die bevor­zug­te For­ma­ti­on. Rein spie­le­risch unter­schei­det sich Thiounes Ansatz sich gar nicht so sehr von dem, was Stef­fen hat spie­len las­sen. Wei­ter­hin set­zen wir auf einen fla­chen Auf­bau, kom­bi­nie­ren uns durchs Zen­trum um dann die Außen frei zu spie­len. Thioune lässt gegen den Ball jedoch wie­der mehr Mann gegen Mann spie­len, wo Stef­fen noch stär­ker eine Raum­de­ckung bevor­zug­te. Er hat die Defen­si­ve deut­lich sta­bi­li­siert, das Pres­sing stimmt, gera­de auch wegen des Drei­er­mit­tel­felds aus Lynen, Puer­tas und Stage. Doch wegen des gro­ßen Ver­let­zungs­pechs, gera­de in der Innen­ver­tei­di­gung, kommt es immer wie­der zu Pro­ble­men in der Abstim­mung der Vie­rer­ket­te. Außer­dem kas­sie­ren wir regel­mä­ßig Tore aus der Distanz, was weni­ger an Mio Back­haus, son­dern dar­an liegt, dass wir den Raum vor dem 16er nicht gut geschlos­sen bekom­men.

Ein Blick auf die Zah­len offen­bart, dass ihr zwar vie­le Chan­cen habt, aber dar­aus zu wenig Tore macht. Ist das das Haupt­pro­blem in die­ser Sai­son?

Abso­lut, das zieht sich durch die Sai­son. Roma­no Schmid hat etwa nur drei Elf­me­ter­to­re erzielt bei einem xG- Wert von über 7.5. Zudem ver­schlam­pen wir häu­fig gute Umschalt­si­tua­tio­nen durch Unge­nau­ig­kei­ten im Pass­spiel. Die Offen­si­ve hat ein gro­ßes Qua­li­täts­pro­blem. Es zeigt sich, dass wir Spie­ler wie Mar­vin Ducksch, den lang­zeit­ver­letz­ten Mit­chell Wei­ser und sogar den limi­tier­ten Oli­ver Bur­ke ein­fach nicht erset­zen konn­ten. So sind wir enorm abhän­gig von Jens Stage, der als Ach­ter erneut der bes­te Tor­schüt­ze des Teams ist.

Einer, der die­ses Pro­blem behe­ben soll, ist Jovan Milo­se­vic, der im Win­ter von uns leih­wei­se zu Euch kam — nach einem Hin­weis des Por­tals Trans­fer­markt zu den Leih­re­ge­lun­gen. Wie zufrie­den seid ihr mit ihm und wie bewer­test du die Trans­fer­po­li­tik Wer­ders?

Nach­dem er zwi­schen­zeit­lich gegen St. Pau­li und Hei­den­heim in zwei Spie­len in Fol­ge getrof­fen hat­te, dach­te ich eigent­lich, dass wir in Jovan end­lich unse­ren Knip­ser gefun­den haben. Doch dann – und das ist ein­fach typisch für die­se Wer­der­sai­son – ver­letz­te er sich am Rücken und muss­te erst­mal die nächs­ten vier Spie­le drau­ßen blei­ben. Seit­dem kämpft er mit Fit­ness­pro­ble­men und konn­te noch nicht über die vol­le Spiel­zeit ein­ge­setzt wer­den. Ich glau­be, dass wir noch gar nicht alles von ihm gese­hen haben. In den Spie­len selbst fehlt ihm mit­un­ter noch die Bin­dung, da geht sicher noch mehr. Aber sei­nen Tor­rie­cher hat er mit drei Tref­fern in nur 378 Minu­ten schon unter Beweis gestellt. Ich wür­de mich freu­en, wenn er auch in der kom­men­den Sai­son bei uns spielt.

Über die Trans­fer­po­li­tik Wer­ders muss man ansons­ten eher den Kopf schüt­teln. Wir haben 10 Mil­lio­nen für Mban­gu­la aus­ge­ge­ben, also fast unser kom­plet­tes Bud­get. Der hat gro­ßes Poten­zi­al, aber bringt es auch unter dem zwei­ten Trai­ner in die­ser Sai­son ein­fach nicht aus­rei­chend auf den Platz. Dazu die Pos­se um die vie­len Leih­spie­ler. Suga­wa­ra war ein guter Trans­fer, Puer­tas war lan­ge kein Fak­tor, kommt aber jetzt ins Rol­len, Milo­se­vic hilft zumin­dest als Tor­schüt­ze wei­ter, war aber auch län­ger ver­letzt und Karl Hein ist ein soli­der Ersatz­tor­hü­ter. Dahin­ter wird es dann schon recht bit­ter. Isaac Schmidt war nur eine Ergän­zung, Maxi­mi­li­an Wöber hat ver­let­zungs­be­dingt kein ein­zi­ges Spiel gemacht und Vic­tor Boni­face ist erneut ein Risi­ko­trans­fer mit Ansa­ge, der zeigt, dass Wer­der aus dem Fall Kei­ta ein­fach nichts gelernt hat. Dazu kommt kein Geld durch Ver­käu­fe rein, Roma­no Schmid wech­selt gefühlt wöchent­lich sei­ne Bera­ter, nur um dann doch kei­ne guten Ange­bo­te zu erhal­ten. Viel­leicht ändert sich das nun aber im Som­mer durch einen Abgang vom hoch­ta­len­tier­ten Cou­li­ba­ly.

Mit Keke Topp, Mit­chell Wei­ser und Felix Agu feh­len meh­re­re Spie­ler ver­letzt, zudem sind Leo Bit­ten­court und Mar­co Grüll gesperrt. Wie schwer wie­gen die­se Aus­fäl­le?

Wie schon gesagt ist der Aus­fall von Mit­chell Wei­ser in mei­nen Augen einer der Haupt­grün­de für die Mise­re in der Offen­si­ve. Als Flü­gel­ver­tei­di­ger war er oft eher Spiel­ma­cher, enorm krea­tiv und tor­ge­fähr­lich. Felix Agu wäre nor­ma­ler­wei­se gesetzt, wird aber durch Suga­wa­ra und Deman der­zeit sehr soli­de ver­tre­ten. Bit­ten­court und Grüll über­zeu­gen bei­de durch gro­ßen Ein­satz, sind aber eher Rota­ti­ons­spie­ler. Und so leid es mir tut – aber Keke Topp hat ein­fach eine sehr schwa­che Sai­son gespielt, da hat­ten sich alle mehr erhofft. Von daher kön­nen wir die­se Aus­fäl­le gera­de zumin­dest kurz­fris­tig ganz gut auf­fan­gen

Ein Fra­ge­zei­chen steht noch hin­ter Vic­tor Boni­face, mit dem wir nach dem Super­cup 2024 unse­re eige­ne Geschich­te haben. Glaubst du, er kann im Sai­son­end­spurt noch eine Rol­le spie­len?

An der Weser glau­ben wir ja bekannt­lich an Wun­der. Was Boni­face angeht, bin ich da aber recht des­il­lu­sio­niert. Zu gra­vie­rend ist da die man­geln­de Fit­ness, auch über men­ta­le Pro­ble­me wur­de spe­ku­liert. Aber ich blei­be mal hoff­nungs­voll: Er wird als Joker noch ein ganz wich­ti­ges Tor für uns erzie­len und uns damit ein ver­söhn­li­ches Ende sei­ner Zeit in Bre­men berei­ten.

Zum Abschluss: Dein Tipp für Start­elf und Ergeb­nis?

Die Start­elf bleibt die sel­be, nur das Friedl für Pie­per in die Innen­ver­tei­di­gung zurück­kehrt: Back­haus — Suga­wa­ra, Friedl, Cou­li­ba­ly, Deman — Lynen — Stage, Puer­tas — Njin­mah, Schmid — Milo­se­vic. Wir ergau­nern uns ein 1:2, die Tore kom­men von Milo­se­vic und: VICTOR BONIFACE!

Titel­bild: © Rei­nal­do Cod­dou H./Getty Images

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