Nach einer vollständigen Trainingswoche, die ja bekanntlich Seltenheitswert hat, tritt der VfB in Mainz an und will Fahrt für den Saisonendspurt aufnehmen.
Zehn Bundesliga-Spiele sind es noch. Klar — das ist fast noch ein Drittel der Saison, 30 Punkte sind noch zu vergeben und rein theoretisch kann in dieser Saison noch alles passieren. Ganz praktisch hat sich der VfB aber nach 24 Spielen in eine hervorragende Ausgangslage gebracht, die nur dadurch etwas getrübt wird, dass man auf St. Pauli und in Heidenheim fünf Punkte hat liegen lassen. Aber die Mannschaft scheint sich langsam warmzulaufen, auch wenn die Ergebnisse wie beispielsweise das folgenlose 0:1 gegen Celtic nicht immer dafür sprechen und das 4:0 gegen desolate Wolfsburger vielleicht nicht die ultimative Aussagekraft hat. Dennoch zeigten sich die Brustringträger in fast allen Spielen in den letzten Wochen ihren Gegnern überlegen und biegen jetzt auf die Zielgerade der Saison ein, in der jedes Spiel mehr und mehr Bedeutung bekommt. Natürlich birgt das auch die Möglichkeit des Scheiterns, aber könnt Ihr Euch erinnern, wann der VfB das letzte Mal so wirklich krachend gescheitert ist? Platz 9 war eine Enttäuschung, aber nicht absehbar, das aus in der Champions League — zumindest meiner Meinung nach — verkraftbar — und das Ausscheiden im DFB-Pokal 2023/2024 war ja eh Betrug. Das heißt jetzt nicht, dass wir sicher in die Champions League einziehen und das Double aus DFB- und UEFA-Pokal holen. Aber ich traue dieser Mannschaft, gerade nach den Erfahrungen der letzten Saison, zu, da zu sein, wenn es darauf ankommt.
Ankommen wird es in Mainz einmal mehr auf Effizienz und Resilienz. Die Mainzer waren schon in der Hinrunde und im Pokal unangenehm zu bespielen, wenn auch leicht zu besiegen. Im eigenen Stadion, mit dem Aufwind der letzten Wochen und einem Trainer, an dem sich der VfB jahrelang die Zähne ausbiss, wird es nochmal schwerer. Da darf man sich auch wirklich nicht vom Sieg gegen den Mainzer Klassenkampf-Konkurrenten aus Wolfsburg blenden lassen: So leicht wird es heute nicht.
Personalsituation
Zumal uns ein Spieler fehlt, der zuletzt in Glasgow beispielsweise den Unterschied machte: Bilal El Khannouss holte sich gegen Wolfsburg seine fünfte gelbe Karte ab. Außerdem fehlt Josha Vagnoman mit einer Oberschenkelzerrung. Jeff Chabot war letzten Sonntag schon fast fit, jetzt ist er es komplett.
Mögliche Aufstellung
Volle Trainingswoche, volle Power. Mittelstädt rotiert wieder rein, Assignon ersetzt notgedrungen Vagnoman und vorne stürmen dafür Demirovic und Undav.
Statistik
Es ist das 36. Aufeinandertreffen beider Vereine in der Bundesliga, 16 Siegen stehen 10 Niederlagen gegen Mainz gegenüber bei neun Unentschieden. In der Hinrunde siegte der VfB erst in der Liga mit 2:1 im Neckarstadion und kurz darauf im Pokal mit 2:0 am Europakreisel. Zwar verlor der VfB Anfang 2025 erst in Mainz, in den vergangenen Jahren sind die Niederlagen am Rhein aber eher rar gesät. Die Nullfünfer stehen aktuell einen Punkt vor dem Relegationsplatz, seitdem Urs Fischer an der Seitenlinie übernommen hat, zeigt die Leistungskurve aber nach oben. Der Schweizer holte fünf Siege, sechs Unentschieden und verlor nur zwei Mal. Beste Torschütze der Mainzer ist der verletzte Nadiem Amiri, dessen zehn Saisontreffer sieben Mal vom Elfmeter-Punkt fielen. Danach sieht es mit Toren eher mau aus bei den Gastgebern. Neben Amiri fehlen unter anderem noch Torhüter Robin Zentner und und Ex-VfB-Spieler Benedict Hollerbach. Mainz hat übrigens nicht nur die zweitmeisten Elfmeter der Liga verwandelt, sondern auch die zweitmeisten Alu-Treffer. Aufpassen sollten wir bei hohen Bällen: Keine andere Mannschaft in der Bundesliga schlägt mehr Flanken und gewinnt mehr Kopfballduelle. Nicht nur wegen eines gewissen Verteidigers hat Mainz die zweitmeisten gelben Karten der Liga.
Fazit
Es wird erneut ein hartes Stück Arbeit, um die nächsten drei Punkte einzufahren. Je näher das Saisonende rückt, desto höher ist der Druck nicht nur für uns, sondern auch für unsere Gegner. Wichtig ist, dass man sich nicht wie bei den letzten beiden Auswärtsspielen selber unnötig in eine nachteilhafte Situation bringt, sondern direkt selber für klare Verhältnisse sorgt. Hoffen wir, dass es diesmal klappt.
Titelbild: © Alex Grimm/Getty Images
