Hauptsache Portugal

Im Rück­spiel gegen Cel­tic ist der VfB zwar drü­ckend über­le­gen, aber ziem­lich zahn­los unter­wegs — was viel­leicht auch der Euro­pa­po­kal-Arith­me­tik geschul­det ist.

Einen 0:1‑Rückstand über die Zeit zu brin­gen, wider­spricht nicht nur all­ge­mein dem Ver­ständ­nis von Fuß­ball, son­dern ins­be­son­de­re dem Selbst­ver­ständ­nis unse­res Ver­eins in den letz­ten Jah­ren. Und trotz­dem konn­te man sich des Ein­drucks nicht erweh­ren, dass die Spie­ler im Brust­ring gera­de gegen Ende des Heim­spiels gegen Cel­tic vor­ran­gig dar­auf bedacht waren, nicht kurz vor Abpfiff ein zwei­tes und in der Nach­spiel­zeit mög­li­cher­wei­se ein drit­tes Gegen­tor zu kas­sie­ren, wel­ches den Aus­wärts­sieg im Hin­spiel ega­li­siert hat­te. So ent­täu­schend es ist, ein Heim­spiel ohne eige­nes Tor zu ver­lie­ren, so sind sol­che Spie­le grund­sätz­lich eben auch Teil des Sys­tems aus Hin- und Rück­spiel: Der VfB lag mit 4:2 vor­ne und hat­te kei­nen Grund, noch ein­mal all-in zu gehen.

Und den­noch war die Par­tie gegen die Schot­ten ent­täu­schend. Nicht von der Stim­mung im Sta­di­on und in der Stadt her und auch nicht von den grund­sätz­li­chen Bemü­hun­gen unse­rer Mann­schaft, auch das Rück­spiel auf ihre Sei­te zu zie­hen. Denn der VfB war drü­ckend über­le­gen, Cel­tic kam ins­ge­samt nur zu drei Tor­schüs­sen: einem nach 30 Sekun­den, einem nach 52 Minu­ten und einem in der 90. Lei­der war der ers­te drin und der schot­ti­sche Meis­ter befand sich danach in einer Art Lim­bo zwi­schen mehr wol­len und nicht mehr kön­nen und dann irgend­wann auch kei­ne Zeit mehr haben. Das änder­te aber nichts dar­an, dass der VfB, wie am Sonn­tag den Hei­den­hei­mern, Cel­tic zu viel Raum gab und sich durch Abspiel­feh­ler und ver­lo­re­ne Zwei­kämp­fe im Mit­tel­feld immer wie­der sel­ber im Weg stand. Viel­leicht war es nach dem frü­hen Rück­stand auch erneut die Angst vor dem nächs­ten Gegen­tor, die zu Unsi­cher­hei­ten im Auf­bau­spiel führ­te. Auf jeden Fall wirk­te die Mann­schaft erneut nicht voll auf der Höhe und das gegen einen Geg­ner, der mit einer fast kom­plett neu­en Start­elf antrat und momen­tan auch nicht gera­de vor Selbst­ver­trau­en strotzt.

Die Mischung passte nicht

Hin­zu kam, dass der VfB sel­ber mit einer Start­elf auf­lief, der viel­leicht etwas die Sou­ve­rä­ni­tät für ein Euro­pa­po­kal-Spiel fehl­te. Luca Jaquez, mit 22 Jah­ren der älte­re der bei­den Innen­ver­tei­di­ger, spiel­te zum ers­ten Mal seit Novem­ber von Beginn an und weder er noch Finn Jeltsch strahl­ten im Ver­bund die Sta­bi­li­tät eines Jeff Cha­b­ot aus. Davor agier­te mit Che­ma ein Spie­ler, der eben­so gro­ßes Poten­zi­al besitzt, aber nicht nur beim 0:1 nicht auf der Höhe war, son­dern dem es auch mit Ata­kan Kara­zor zu sel­ten gelang, das Offen­siv­spiel des VfB vor­an­zu­trei­ben. Und vor­ne lie­fen mit Tia­go Tomás und Badre­di­ne Bouana­ni zwei Spie­ler auf, die Du eher für das schö­ne Spiel bei einer eini­ger­ma­ßen kom­for­ta­blen Füh­rung ein­set­zen kannst, aber nicht unbe­dingt, wenn du fast das gesam­te Spiel einem Rück­stand hin­ter­her­läufst. Das ist kei­nes­falls als grund­sätz­li­che Kri­tik an den genann­ten Spie­lern zu ver­ste­hen, aber irgend­wie pass­te die Mischung an die­sem Don­ners­tag­abend nicht, hin­zu kam die bereits ange­spro­che­ne Hal­tung zum Gesamt­spiel­stand.

Und natür­lich mal wie­der der VAR. Wobei man sich schon fra­gen muss, was sich der vier­te Offi­zi­el­le dabei dach­te, als er Erme­din Demi­ro­vic in dem Moment rein­schick­te, als der VfB gera­de über genau die­se Sei­te angriff. Es kann aber nicht sein, dass ein Com­pu­ter eine Lot­li­nie an einem Kör­per­teil zieht, mit dem der Spie­ler gar kein Tor erzie­len kann, weil es sonst abge­pfif­fen wür­de — Hand­spiel­rou­lette hin oder her. Dass Spie­ler im Sprint mit dem Ober­kör­per nach vor­ne gehen liegt in der Natur der Sache, wes­we­gen es auch wesent­lich sinn­vol­ler wären, die Abseits­li­nie, wenn man sich schon die­ser Pseu­do­ge­nau­ig­keit hin­ge­ben will, an den Füßen zu zie­hen. So macht der Video­as­sis­tent aber wei­ter­hin nichts am Fuß­ball bes­ser son­dern führt nur zu Ent­schei­dun­gen, die nicht nur Fans, son­dern auch immer mehr direkt am Spiel betei­lig­te nicht mehr nach­voll­zie­hen kön­nen.

Den Moment genießen

Unterm Strich aber steht der VfB zum ers­ten Mal seit 13 Jah­ren und zum fünf­ten Mal in die­sem Jahr­tau­send im Ach­tel­fi­na­le eines euro­päi­schen Wett­be­werbs und spielt nun ent­we­der gegen den FC Por­to oder den SC Bra­ga. Klar ist, in die­sen Spie­len, genau­so wie am Sonn­tag gegen Wolfs­burg, braucht es wie­der eine ganz ande­re Schär­fe im Spiel. Gleich­zei­tig ist dies eine wirk­lich lan­ge Sai­son, in der die Mann­schaft immer wie­der ver­schie­de­ne Wel­len durch­läuft: Bis dato hat der VfB 23 Bun­des­li­ga-Spie­le, vier Pokal­spie­le, zehn Euro­pa­po­kal­spie­le und ein Super­cup-Spiel absol­viert, in Sum­me also 38 Spie­le und damit vier Par­tien mehr als in einer regu­lä­ren Bun­des­li­ga-Sai­son. Wer weiß, wo wir in zwei Wochen ste­hen oder im April vor dem Pokal-Halb­fi­na­le. Jetzt heißt es, trotz des Ergeb­nis­ses, erst­mal den Moment genie­ßen und den Flug nach Por­tu­gal buchen.

Titel­bild: © Sebas­ti­an Widmann/Getty Images

Schreibe einen Kommentar

Rund um den Brustring
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.