Heiß auf Europa

Der VfB gewinnt ein inten­si­ves Spiel bei Cel­tic dank eines enga­gier­ten Auf­tritts mit sage und schrei­be 4:1 und stößt die Tür ins Ach­tel­fi­na­le weit auf. Nach guten Ergeb­nis­sen in der Liga und im Pokal set­zen die Brust­ring­trä­ger damit auch auf inter­na­tio­na­lem Par­kett ein Zei­chen.

Dass Derek Rae ein Ken­ner des schot­ti­schen Fuß­balls und der Bun­des­li­ga ist, konn­tet ihr ja in unse­rer letz­ten Pod­cast-Fol­ge hören. Was das Spiel im Cel­tic Park anging, bewies die Kom­men­ta­to­ren-Legen­de qua­si-pro­phe­ti­sche Fähig­kei­ten. Denn zum Einen wies der dar­auf hin, dass Cel­tics Kee­per Kas­per Schmei­chel nicht mehr der sprung­kräf­tigs­te sei, zum ande­ren erwar­te­te er zwar ein enges Spiel erwähn­te aber neben­bei den spä­te­ren End­stand: “Ich erwar­te nicht, dass das Spiel 4:1 oder 5:1 für den VfB aus­geht”. Nun­ja, am Ende stan­den für die Gäs­te im Cel­tic Park vier Tore zu Buche, ein fünf­tes wur­de wegen einer knap­pen Abseits­stel­lung zurück­ge­nom­men. Und das eine Tor von Cel­tic? Das leg­te sich der VfB — mal wie­der — durch einen Feh­ler im Spiel­auf­bau selbst rein. Am Ende egal, denn dass unse­re Mann­schaft nach einem Aus­gleich ein­fach nach­le­gen kann, hat sie bereits in den letz­ten Wochen gezeigt und trat die­sen Beweis jetzt auch auf inter­na­tio­na­ler Büh­ne an. Der Sieg im Para­di­se war nicht nur groß­ar­tig und ein fan­tas­ti­sches Pols­ter für das Rück­spiel in der Fes­tung Neckar­sta­di­on, son­dern auch kom­plett ver­dient.

Rech­net man mit ein, dass Cel­tic zwar Seri­en­meis­ter einer schwä­che­ren Liga, aber den­noch ein Spit­zen­team ist, dann war die­ser Sieg wesent­lich här­ter erar­bei­tet als die Erfol­ge gegen Köln und Kiel. Ich war ja vor dem Spiel sehr ner­vös, weil ich mich immer noch schwer damit tue, unse­re Spiel­stär­ke im Ver­gleich zu Mann­schaf­ten aus ande­ren Ligen ein­zu­ord­nen. Klar war: Der VfB muss­te in die­sem Spiel an sein Limit gehen und die Spie­ler, die den Unter­schied machen kön­nen, müs­sen das auch tun. Auf­tritt Bil­al El Khan­nouss. Auch wenn Kas­per Schmei­chel an die­sem Abend wirk­lich mehr Ähn­lich­keit mit einer Bahn­schran­ke hat­te, zeig­te El Khan­nouss eine her­aus­ra­gen­de Leis­tung, kämpf­te um jeden Ball und fand zudem die Leicht­fü­ßig­keit wie­der, die ihn vor dem Afri­ka-Cup aus­ge­zeich­net hat. Ein Distanz­schuss, ein Kopf­ball und ein unglaub­li­ches Enga­ge­ment auch gegen den Ball brach­ten den VfB nach dem Schock des Aus­gleichs wie­der auf die Sie­ger­stra­ße.

Es geht einem das Herz auf

Die dann durch Jamie Lewe­ling und Tia­go Tomás wei­ter zemen­tiert (asphal­tiert?) wur­de. Der VfB war an die­sem Abend in Glas­gow so effi­zi­ent und wie von Sebas­ti­an Hoe­neß vor­ab gefor­dert kalt­schnäu­zig, dass er es sich erlau­ben konn­te, dass sei­ne bei­den bes­ten Stür­mer nicht tref­fen. Lewe­ling ent­schied das Spiel mit sei­nem Distanz­schuss, Tomás nach Vor­la­ge des eben­so wie er ein­ge­wech­sel­ten Niko Nar­tey leg­te so tech­nisch anspruchs­voll wie emo­tio­nal die Kir­sche auf die Sah­ne­tor­te die­ses Aus­wärts­siegs. Sze­nen, bei denen einem nicht nur wegen des Spiel­stands das Herz auf­geht. Phä­no­me­nal auch die Reak­ti­on des Gäs­te­blocks, der bei die­sem Tor fast über­lief und über die gesam­te Spiel­zeit sta­bil ablie­fer­te — auch wenn ihm natür­lich ange­sichts der ver­bann­ten Heim­kur­ve das Gegen­über fehl­te. Ansons­ten aber war es eine rund­um gelun­gen Aus­wärts­rei­se mit nicht nur einem sehr guten Ergeb­nis für das Rück­spiel, son­dern auch einer Leis­tung, auf der sich auf­bau­en lässt.

Natür­lich ist Cel­tic ein wenig ein­fa­cher zu bespie­len für uns, weil es nicht zu ihrem Selbst­ver­ständ­nis gehört, sich hin­ten ein­zu­mau­ern. Aber der VfB such­te end­lich wie­der über den gan­zen Platz die Eins-gegen-Eins-Duel­le, spiel­te muti­ge Päs­se nach vor­ne und hat­te meist auch in der Rück­wärts­be­we­gung alles im Griff. Genau das, was in die­sem ers­ten euro­päi­schen KO-Spiel seit 13 Jah­ren auch gefragt war. Das Wei­ter­kom­men nach der Liga­pha­se war ange­sichts der Kon­kur­renz — man den­ke nur an die schwa­chen Auf­trit­te von Deven­ter, Tel-Aviv oder auch Cel­ta Vigo — Pflicht, nun folgt die Kür, bei der wir schau­en, wie weit uns unse­re Qua­li­tät, wenn wir sie auf den Platz brin­gen, tra­gen kann. Wenn die Mann­schaft sich, wie seit dem Pokal­sieg besun­gen, so heiß auf Euro­pa zeigt, könn­te das unter Umstän­den ziem­lich weit sein. Aber einen Schritt nach dem ande­ren, denn schon am Sonn­tag steht beim Tabel­len­letz­ten in Hei­den­heim das tota­le Kon­trast­pro­gramm an. Den Heiß­hun­ger auf Tore soll­ten wir aus Glas­gow mit­neh­men.

Titel­bild: © WM Sport Media/Getty Images

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