Zur Abwechslung mal wieder ein anderer Wettbewerb — und eine ganz andere Herausforderung.
Sicherlich. Auch gegen Bern war der VfB favorisiert, gegen Freiburg war der Heimsieg angesichts der Passivität der Gäste verdient. Aber dennoch waren beide Gegner mehr oder minder auf Augenhöhe, zumal wir in Europa, wir wir merken mussten, ohnehin kaum jemanden unterschätzen können. Anders verhält es sich mit dem DFB-Pokal, wo uns das Los erneut einen Zweitligisten beschert hat — nach Münster, Regensburg, Kaiserslautern, Braunschweig und Bochum nun eben Kiel. Bis auf Lautern fand jedes Spiel im Stadion des Gegners statt und jedes Mal setzte sich der VfB durch. Das ist schon mal ein gutes Omen vor der Partie an der Kieler Förde, wo wir in der zweiten Liga baden gingen und auch in der Bundesliga nur einen Punkt holen konnten. Kiel ist der klassische Gegner, der den VfB der letzten zehn Jahre zum Stolpern gebracht und einer miserablen Saison die Krone aufgesetzt hätte.
Ganz so schlimm ist es aktuell nicht: Die Brustringträger stehen in allen Wettbewerben gut da und wollen jetzt auch im Pokal nach- und ins Halbfinale einziehen, zum dritten Mal in den vergangenen vier Spielzeiten. Dass wir mittlerweile die Qualität haben, die alleine schon ausreichen müsste, um einen Zweitligisten in dessen Stadion zu besiegen, ist unbestritten. Zwar muss man weiterhin über die Chancenverwertung reden, jedoch kam die Mannschaft auch in den letzten Spielen gegen höherklassige Gegner zu genügend Chancen, um regelmäßig Tore zu erzielen. Auch was die Mentalität angeht, kann man den Spielern nach zwei Last-Minute-Siegen keinen Vorwurf machen. Dennoch: Dass jedes Mal kurz vor Schluss noch ein Ball reingeht, ist nicht gegeben. Der VfB täte gut daran, in Kiel schnell für klare Verhältnisse zu sorgen.
Personalsituation
Laut Sebastian Hoeneß sind Fabian Bredlow und Niko Nartey etwas angeschlagen, Zagadou und Tomás auf einem guten Weg, können aber noch nicht spielen.
Mögliche Aufstellung
Nach zwei anstrengenden Spielen wird Sebastian Hoeneß vermutlich wieder ein wenig durchrotieren. Chabot bleibt gesetzt, Nübel ebenso, wenn Bredlow nicht fit wird. Assignon und Mittelstädt rücken wieder auf die Außenpositionen, innen bekommt Jeltsch eine Pause und Al-Dakhil eine Chance. Auch Stiller darf von der Bank kommen, ebenso wie Leweling und Undav.
Statistik
Der Zweitliga-Absteiger belegt aktuell Platz elf in der zweiten Liga und rangier vier Punkte vor den Abstiegsplätzen. Vergangenes Wochenende verloren die Störche zu Hause 1:2 gegen Fürth, insgesamt fuhr man aber vier der sechs Saisonsiege im Holstein-Stadion ein. Die besten Torschützen sind David Zec mit vier und Phil Harres mit drei Treffen. Topscorer Alexander Bernhardsson fällt seit Mitte November allerdings verletzt aus. Im Pokal schlug man in der ersten Runde Homburg mit 2:0, in der zweiten Runde Wolfsburg mit 1:0 und im Achtelfinale den HSV im Elfmeterschießen. Es ist das siebte Duell beider Vereine, wobei Kiel insgesamt eine bessere Bilanz hat als der VfB: In der zweiten Liga gingen beide Spiele gegen die KSV Holstein verloren, in der ersten Liga reichte es nur im Neckarstadion zu einem Sieg, auswärts hingegen nur zu einem 2:2. Der bislang einzige Sieg in Kiel gelang in der ersten Pokalrunde 2015/1016, in der Saison 1970/71 strich man in der ersten Runde dort hingegen die Segel.
Fazit
Die Qualität ist vielleicht nicht vergleichbar mit den letzten Gegnern, an Einsatz wird es den Hausherren nicht mangeln. Wichtig wird sein, dass der VfB dieses Spiel so annimmt und nicht aus vermeintlicher spielerischer Überlegenheit leichtsinnig wird. Entscheidet man das Spiel früh, kann man sich für die anstehenden Aufgaben schonen — aber diesen Zustand muss man erstmal erreichen. Wenn die Mannschaft das schafft, wird sie sich auch gegen den nächsten Zweitligsten durchsetzen — und ist dann nur noch ein gutes Los und einen Sieg von der Rückkehr nach Berlin entfernt.
Titelbild: © Joern Pollex/Getty Images
