Immer der gleiche Mist

Klar ist: Der Maß­stab für den VfB kön­nen nicht die Bay­ern sein. Aber das Bay­ern-Spiel ein Maß­stab für das Auf­tre­ten gegen star­ke Geg­ner.

Was soll man zu die­sem Spiel noch sagen, oder viel­mehr an die­ser Stel­le schrei­ben? Wo liegt am Ende der Unter­schied zwi­schen einem 0:3, einem 2:4 oder einem 1:5? Der erfolg­reichs­te VfB seit lan­ger Zeit ist und bleibt gegen den deut­schen Rekord­meis­ter aus Mün­chen chan­cen­los. Nun könn­te man hier natür­lich zu einem Lamen­to über den Zustand des deut­schen Fuß­balls anset­zen, denn das der Deut­sche Meis­ter den Tabel­len­vier­ten zum Sai­son­auf­takt der­art über­fährt, kann eigent­lich für den Rest der Liga auch nicht viel Erfreu­li­che­res ver­hei­ßen. Und auch wenn das natür­lich grund­sätz­lich ein Pro­blem ist, ist mir der Zustand des deut­schen Fuß­balls erst­mal egal, da ist mir der VfB ein­fach näher.

Und der spielt ein­fach bei jedem Auf­tritt in — oder gegen — Mün­chen das glei­che Lied noch­mal: Cou­ra­gier­tes Anlau­fen, aggres­siv gegen den Ball, aber vor dem Tor wir­kungs­los, dann irgend­wann platt oder leicht­sin­nig und am Ende wehr­los. So auch zum Auf­takt in die­se Bun­des­li­ga-Sai­son: Die weiß-roten oder viel­mehr gold-schwar­zen jag­ten Ball und Geg­ner über den Platz ver­ga­ben eine ein­zi­ge hoch­ka­rä­ti­ge Chan­ce in der ers­ten Halb­zeit und lie­ßen sich dann bei einem Eck­ball düpie­ren. Sicher­lich sind die Bay­ern auch in Sachen Stan­dards das Non­plus­ul­tra der Liga und Day­ot Upa­me­ca­no nicht unge­fähr­lich, die rich­ti­ge Zuord­nung hät­te aber auch bei die­sem Gegen­tref­fer nicht gescha­det. Sei es drum, der VfB hielt das Spiel zumin­dest gefühlt lan­ge offen, vor allem war es Fabi­an Bred­low, der sei­ne Nomi­nie­rung als Sei­men-Ver­tre­ter mehr als und end­gül­tig recht­fer­tig­te, der uns im Spiel hielt und über­haupt dafür sorg­te, dass Josha Vagno­man nach der Pau­se den Ball in die Maschen schie­ben konn­te.

K0mpletter Spannungsabfall

So weit, so erfreu­lich. Gegen die Bay­ern ein wenig Glück zu haben und trotz­dem zu tref­fen, ist völ­lig legi­tim — irgend­wie müs­sen ja auch die ins­ge­samt drei (!) Nie­der­la­gen des FCB in den letz­ten bei­den Spiel­zei­ten (!!) zustan­de gekom­men sein. Und so sou­ve­rän sich der VfB gegen vie­le ande­re Liga­kon­kur­ren­ten zeigt, so sehr spielt er den Bay­ern jedes Mal durch einen kom­plet­ten Span­nungs­ab­fall in die Kar­ten. Stil­ler, der den Ball von der Grund­li­nie blind nach vor­ne drosch, Pejci­no­vic, der nicht hin­ter Kim­mich her kam, Tomás, der Oli­sé lau­fen ließ, die Innen­ver­tei­di­gung, die zu zweit auf Kim­mich drauf­ging: Die Feh­ler­ket­te war lang und ekla­tant. Die Bay­ern muss­ten den VfB noch nicht ein­mal beson­ders stark unter Druck set­zen, die Feh­ler pas­sier­ten von ganz allei­ne. Und sie setz­ten sich fort: Egal ob Jeltsch und Hen­driks, die Saiba­ri nach einem Abschlag von Neu­er zu zweit an der Außen­li­nie stel­len woll­ten und Pav­lo­vic in ihrem Rücken ver­ga­ßen oder El Khan­nouss, der in der Nach­spiel­zeit einen läs­si­gen Fehl­pass in den Mit­tel­kreis spiel­te. Zur Wahr­heit gehört natür­lich auch, dass die Bay­ern so gna­den­los wie lang­at­mig sind — aber halt auch vor allem, wenn man sie lässt.

Nach der sieb­ten Pflicht­spiel-Plei­te in Serie im Süd­gip­fel (darf man das immer noch sagen) unter Sebas­ti­an Hoe­neß wird erneut des­sen tak­ti­sche Her­an­ge­hens­wei­se an die­ses Duell unter die Lupe genom­men. Auf der Außen­bahn hat­te er natür­lich mit Tor­schüt­ze und Pech­vo­gel Vagno­man wenig Alter­na­ti­ven, ansons­ten dürf­te das der stärks­te Kader sein, den Hoe­neß in sei­ner Amts­zeit zur Ver­fü­gung hat­te — und trotz­dem pas­siert genau das Glei­che wie in den letz­ten Jah­ren. Bringt es also mehr, den Bus am eige­nen Straf­raum zu par­ken und zu ver­su­chen, die Bay­ern aus­zu­kon­tern? Auch nicht so wirk­lich, denn je mehr Platz die Münch­ner zum Anlau­fen haben, des­to mehr schnü­ren sie einen hin­ten ein und irgend­wann fällt das Tor dann ohne­hin. Oder soll man sich ein­fach das Jagen und Mann­de­cken über das gan­ze Spiel­feld schen­ken, wie Oli­ver Frit­sch meint, der das in der ZEIT für eine “Schei­ßidee” hält? Bemer­kens­wert war schon, wie müde der VfB am ers­ten Spiel­tag gegen Ende des Spiels wirk­te, was viel­leicht auch die man­geln­de Gegen­wehr bei den Gegen­tref­fern vier und fünf erklär­te.

Aus der Kurve geflogen

Ob man den Bay­ern jetzt mit Raum­de­ckung Herr gewor­den wäre, las­se ich mal dahin­ge­stellt. Viel wich­ti­ger scheint mir ohne­hin etwas, was Sebas­ti­an Hoe­neß neu­lich im Inter­view als game manage­ment bezeich­ne­te:

Wor­über wir spre­chen, sind Lern­ef­fek­te nach zwei Jah­ren auf inter­na­tio­na­ler Büh­ne. Zwei Bei­spie­le dazu: Wir haben die Erfah­rung gemacht, dass vie­le Spie­le in den Straf­räu­men ent­schie­den wer­den. Wir hat­ten zwar oft vie­le Chan­cen, doch es hat an der Effek­ti­vi­tät geman­gelt. Nun ver­su­chen wir das Bewusst­sein dafür zu schär­fen, kon­se­quen­ter und ent­schlos­se­ner im Abschluss zu sein. Der zwei­te Punkt ist das Game-Mana­ging. Wann ist es wich­tig, auch mal auf Zeit zu spie­len, wann soll­ten wir uns zurück­zu­zie­hen, wann muss man eine Schip­pe drauf­le­gen? Sol­che Din­ge müs­sen auch aus der Mann­schaft her­aus­kom­men und dies­be­züg­lich wol­len wir den nächs­ten Schritt machen.

Natür­lich ging es hier um die Spie­le in der Cham­pi­ons League und natür­lich sind die Bay­ern auch stär­ker als vie­le Geg­ner dort und der VfB kam auch — außer gegen Paris — inter­na­tio­nal nie so unter die Räder wie am Frei­tag­abend. Bezeich­nend ist aber schon, wie schnell man in die­sem Spiel nach dem ja eigent­lich erfreu­li­chen Aus­gleich aus der Bahn flog und die rest­li­che Spiel­zeit mit Schleu­der­trau­ma übers Feld stol­per­te. Auch wenn uns Inter und Atle­ti­co nicht so über­fah­ren wer­den: Auch gegen die­se Mann­schaf­ten kann man, wenn man ohne Brem­se immer wei­ter über­dreht, die Kon­trol­le ver­lie­ren und das Spiel auch — wenn auch etwas knap­per.

Ich las auf der Platt­form, die frü­her Twit­ter hieß, fol­gen­den Halb­satz: “Und das Ver­rück­te ist, dass das gar nichts für die rest­li­che Sai­son aus­sagt.” Und so ist es eben auch. Am kom­men­den Frei­tag kommt der 1. FC Köln nach Stutt­gart, der zwar auch etwas über­ra­schend den Euro­pa­po­kal­teil­neh­mer von der A6 schlug, aber mit dem Ansatz des VfB aus den letz­ten bei­den Spie­len trotz­dem Pro­ble­me bekom­men dürf­te. Für die Mann­schaft ist es jetzt wich­tig, das Ergeb­nis vom Frei­tag erst­mal aus den Köp­fen zu krie­gen ohne die Leh­ren aus die­ser Par­tie zu ver­ges­sen.

Zum Wei­ter­le­sen: Der Ver­ti­kal­pass stellt fest: “Der VfB tat dem FCB nicht weh. Er ist brav und for­dert Bay­ern zwar her­aus, aber die Spiel­wei­se führt qua­si auto­ma­tisch dazu, dass sich die baye­ri­sche Über­le­gen­heit im Ver­lauf des Spiels durch­setzt. ”

Titel­bild: © Alex Grimm/Getty Images

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