Gegen die Decke

Wie­der macht der VfB gegen einen leicht favo­ri­sier­ten Geg­ner auf Augen­hö­he ein gutes Spiel, wie­der ste­hen die Brust­ring­trä­ger nach indi­vi­du­el­len Feh­lern mit lee­ren Hän­den da. Und mehr Frust, als es die Tabel­len­si­tua­ti­on her­gibt.

Nach vier Jah­ren ohne einen ein­zi­gen Erfolg gegen den VfB hat man in Dort­mund schein­bar end­lich die Außen­sei­ter­rol­le ange­nom­men. Anders lässt es sich nicht erklä­ren, dass der desi­gnier­te Vize­meis­ter sich bis in die Nach­spiel­zeit hin­ein vor­ran­gig den eige­nen Straf­raum mit Mann und Maus ver­tei­dig­te und sich bis zur fata­len Feh­ler­ket­te des VfB auch gut mit einem 0:0 hät­te arran­gie­ren kön­nen. Die­sen Respekt hat sich der VfB in den letz­ten Spiel­zei­ten red­lich erar­bei­tet, er ging aber dann doch nicht so weit, als dass die Dort­mun­der ihre Qua­li­tät nicht ein­ge­setzt hät­ten, als die Haus­her­ren ihnen den Sieg­tref­fer auf dem Sil­ber­ta­blett prä­sen­tier­ten. Es hät­te für den VfB kei­nen all­zu gro­ßen Auf­wand bedeu­tet, auch noch die letz­ten zwei­ein­halb Minu­ten der Nach­spiel­zeit kon­zen­triert run­ter­zu­spie­len. Aber wie schon zu oft in die­ser Sai­son gelingt uns das gegen Mann­schaf­ten eines gewis­sen For­mats nicht.

Ob in Istan­bul, in Rom oder über zwei Spie­le gegen Por­to: Der VfB stößt an gewis­sen Punk­ten qua­si gegen eine Decke und schafft es nicht, die defen­si­ve Qua­li­tät die­ser Mann­schaf­ten zu über­win­den und gleich­zei­tig das eige­ne Tor sau­ber­zu­hal­ten. Der Unter­schied zu den ande­ren Spie­len war höchs­tens, dass der VfB die­se Par­tien nicht so der­art im Griff hat­te wie das Spiel gegen den Tabel­len­zwei­ten. Wobei wir das Spiel auch nur inso­fern im Griff hat­ten, dass Dort­mund nicht zur Ent­fal­tung kam, Zähl­ba­res sprang dabei für uns nicht her­aus. Vor allem in Istan­bul und gegen Por­to ließ man sich zudem vom Publi­kum und den Unsport­lich­kei­ten des Geg­ners aus dem Kon­zept brin­gen, die Dort­mun­der Klein­geis­tig­keit offen­bar­te sich erst, als das Spiel schon ent­schie­den war. Ob ein Klapp­stuhl hier das Mit­tel der Wahl ist, sei mal dahin­ge­stellt. Aber wenn sich Karim Adey­e­mi schon davon rei­zen lässt, dass wir in einem über­ra­schen­den Heim­sieg im Pokal unse­re Mann­schaft fei­ern, dann offen­bart das schon eini­ges. Wobei ich, unab­hän­gig vom Ver­ein, den Gra­tis­mut von Pro­fis, eine von Ord­nern und Zäu­nen zurück­ge­hal­te­ne Men­schen­men­ge aus siche­rer Ent­fer­nung zu pro­vo­zie­ren, ohne­hin nicht so rich­tig nach­voll­zie­hen kann.

Auch mal die Punkte mitnehmen

Wie dem auch sei, am Ende belohn­te sich die Kovac-Mann­schaft für ihre kon­zen­trier­te Defen­siv­ar­beit und beim VfB sprach man von einer unver­dien­ten Nie­der­la­ge. Es wird die gro­ße Auf­ga­be im Som­mer sein, die­se nächs­te Ent­wick­lungs­stu­fe zu neh­men und gegen sol­che Mann­schaf­ten nicht nur ansehn­lich zu spie­len, son­dern auch auch dann die Punk­te mit­zu­neh­men, wenn die­se kei­ne Feh­ler machen. Dazu gehört eben auch, dass man in der Nach­spiel­zeit kei­ne Abschlä­ge dem Geg­ner in die Füße spielt, dass man Flan­ken zur Sei­te klärt und dass man Zwei­kämp­fe kon­se­quent führt. Auf der ande­ren Sei­te sind es in der Bun­des­li­ga eigent­lich nur zwei, an einem schlech­ten Tag drei Mann­schaf­ten, gegen die uns das nicht gelingt, in Euro­pa steigt die Zahl mit dem Wei­ter­kom­men im Wett­be­werb. Des­halb tut die Nie­der­la­ge gegen Dort­mund zwar weh, auch weil sie so unnö­tig war, ändert aber an der wei­ter­hin guten Lage des VfB rela­tiv wenig.

Mit immer noch 14, mit Tor­dif­fe­renz 15 Punk­ten Vor­sprung auf Platz 7 ist uns sechs Spiel­ta­ge vor Schluss die erneu­te Euro­pa­po­kal­teil­nah­me kaum noch zu neh­men. Ein Ein­zug in die Cham­pi­ons League wür­de die Pla­nungs­si­cher­heit, was die Wei­ter­ent­wick­lung des Kaders angeht, wei­ter erhö­hen. Wir soll­ten aber nicht den glei­chen Feh­ler wie 2004 und 2005 machen, als das spä­te Ver­pas­sen der Königs­klas­se im Ver­ein eine mit­tel­schwe­re Sinn­kri­se aus­lös­te und zur Ver­pflich­tung von Gio­van­ni Tra­pat­to­ni führ­te. Wenn wir aber die Decke durch­bre­chen wol­len, die uns noch von ver­schie­de­nen natio­na­len und inter­na­tio­na­len Kon­kur­ren­ten trennt, wären die zusätz­li­chen Ein­nah­men schon hilf­reich.

Zum Wei­ter­le­sen: Der Ver­ti­kal­pass war schnel­ler und hat das Klapp­stuhl-The­ma dan­kend auf­ge­grif­fen.

Titel­bild: © Alex­an­der Hassenstein/Getty Images

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