Rund um den nächsten Gegner: Im Gespräch mit Leipzig-Experte Ulli Kroemer

Mit dem Heim­spiel gegen Leip­zig beschließt der VfB die Hin­run­de die­ser Sai­son. Wie es heu­ti­gen Geg­ner der­zeit aus­sieht, erklärt uns der freie Jour­na­list und Leip­zig-Exper­te Ulli Kroe­mer.

Rund um den Brust­ring: Hal­lo Ulli und vie­len Dank, dass Du Dir wie­der Zeit für unse­re Fra­gen nimmst. In der ver­gan­ge­nen Sai­son qua­li­fi­zier­te sich Leip­zig als Vier­ter wie­der für die Cham­pi­ons League, der Angriff auf die Meis­ter­schaft blieb aller­dings aus. Zum Ende der Hin­run­de steht man aktu­ell wie­der auf dem vier­ten Platz, neun Punk­te hin­ter den Bay­ern. Hat sich für Dich die Per­spek­ti­ve im Ver­gleich zur letz­ten Sai­son ver­bes­sert?

Ulli: Zunächst ein­mal nicht, da mit Dani Olmo der Kopf der Mann­schaft den Klub ver­las­sen hat und die­ser nicht adäquat ersetzt wur­de. Zwar hat Anto­nio Nusa unheim­lich Poten­zi­al, aber er ist eben erst 19 und kein gestan­de­ner Natio­nal­spie­ler und Euro­pa­meis­ter, der in Leip­zig vier­ein­halb Jah­re zu einem Welt­klas­se­spie­ler reif­te. Leip­zig sta­gnier­te spie­le­risch nicht nur, das Team ent­wi­ckel­te sich zurück und ist viel zu sehr auf die indi­vi­du­el­le Klas­se von Xavi Simons ange­wie­sen. Fal­len Spie­ler wie er und ande­re aus, konn­te die Mann­schaft in der Hin­run­de auf kein gefes­tig­tes spie­le­ri­sches Gerüst zurück­grei­fen. ABER: Ich kom­me gera­de aus Salz­burg von der Vor­stel­lung von Jür­gen Klopp als neu­er Chef­be­ra­ter des Red-Bull-Fuß­ball­im­pe­ri­ums und den­ke, dass Klopp mit­tel­fris­tig durch­aus einen Unter­schied machen und wich­ti­ge Impul­se für die Trai­ner, Stra­te­gie und Kader­ge­stal­tung geben kann.

Vor einem Jahr ver­lor Leip­zig über­ra­schend mit 2:5 in Stutt­gart, auch die­se Sai­son waren eini­ge über­ra­schen­de Nie­der­la­gen wie das 1:5 gegen Wolfs­burg oder das 3:4 in Hof­fen­heim dabei, zudem ist man in der Cham­pi­ons League immer noch punkt­los und damit aus­ge­schie­den. Wor­an liegt das Dei­ner Mei­nung nach und wie fest sitzt Mar­co Rose noch im Sat­tel?

Bei desas­trö­sen Nie­der­la­gen wie in Stutt­gart und gegen Wolfs­burg ist die Mann­schaft in schwe­ren Pha­sen für ein­zel­ne Spie­le kom­plett zer­fal­len. Die Ursa­che ist der Stil, den das Team spielt. Für Rose-Fuß­ball brauchst du 100 Pro­zent Inten­si­tät in jeder Spiel­pha­se. Wenn das Team das nicht leis­ten kann – wegen vie­ler Ver­letz­ter und Pha­sen mit eng­li­schen Wochen am Stück – fehlt häu­fig die spie­le­ri­sche Rei­fe und Sou­ve­rä­ni­tät einer Spit­zen­mann­schaft, das auch mal ent­spannt run­ter­zu­spie­len. Wenn Inten­si­tät in den Duel­len, beim Pres­sing und Gegen­pres­sing feh­len, feh­len auch die Ball­ge­win­ne und Umschal­tak­tio­nen und dann ist Leip­zig in eini­gen Pha­sen schnell ent­zau­bert gewe­sen.

Beim Sieg gegen Bre­men am Wochen­en­de spiel­te Xavi Simons groß auf, der ja beim letz­ten Auf­ein­an­der­tref­fen ver­letzt war. Gleich­zei­tig ste­hen Ben­ja­min Ses­ko und Lois Open­da bei sie­ben respek­ti­ve sechs Toren, Open­da hat zudem bereits neun Vor­la­gen gelie­fert. Vor wem von den drei­en müs­sen wir uns also am Mitt­woch­abend am Meis­ten in Acht neh­men?

Xavi war in der ver­gan­ge­nen Sai­son beim Duell in Stutt­gart gesperrt. Nach Xavis Ver­let­zungs­pau­se von Okto­ber bis zum Restart in die­sem Jahr und der Form­flau­te des Sturm­du­os im Novem­ber ist das Trio aktu­ell wie­der voll fit und höchst gefähr­lich. Beson­ders Ses­ko ist blen­dend drauf und hat viel Selbst­ver­trau­en, Xavis muss nach sei­ner Sprung­ge­lenks-Ver­let­zung erst wie­der zu Kon­stanz fin­den, hat aber ange­kün­digt, dass er jetzt nach der Pau­se ein völ­lig neu­er, noch ziel­stre­bi­ge­rer Spie­ler sei, mit ande­rem Cha­rak­ter.

Wo siehst Du aktu­ell die Stär­ken und Schwä­chen Leip­zigs?

Mit den vie­len Offen­si­ven in der Auf­stel­lung ist RB selbst in der Defen­si­ve ver­wund­bar beim schnel­len Umschal­ten des Geg­ners. Wenn schnell und direkt gespielt wird – und das kann Stutt­gart – bekommt Leip­zig längst nicht mehr so gut Zugriff wie frü­her. Das liegt auch am Sech­ser-Duo Vermeeren/Kampl/Haidara/Seiwald, das ohne den wie­der ver­letz­ten Schla­ger nicht auf Top­ni­veau agiert und zu vie­le Bäl­le in gefähr­li­che Zonen zulässt. Eine wei­te­re Schwä­che sind die feh­len­den Flan­ken, da agiert RB trotz einer Waf­fe wie Ses­ko im Zen­trum weit unter Liga­schnitt. Stär­ke ist das eige­ne Umschal­ten nach Ball­ge­winn, wenn Xavi & Co. den Ball haben und die Post nach vorn abgeht und der Rose-Power-Fuß­ball rollt. Dazu ist Kee­per Gulacsi in star­ker Form.

Ben­ja­min Hen­richs ver­letz­te sich kurz vor Weih­nach­ten schwer, fällt bis Ende der Sai­son mit einem Achil­les­seh­nen­riss aus. Gegen Bre­men stell­te Rose auf eine Vie­rer­ket­te mit Lukas Klos­ter­mann auf rechts­au­ßen um. Wie schwer wiegt der Aus­fall von Hen­richs?

Hen­richs war die gesam­te Hin­run­de über nicht in Form, der Ver­lust hält sich also in Gren­zen. In Rid­le Baku hat RB guten Ersatz geholt, Geer­trui­da, der nach Erkäl­tung wie­der fit ist, kann die Posi­ti­on bes­ser spie­len als Klos­ter­mann. Der über­spiel­te Hen­richs soll sich aus­ku­rie­ren und 2025/26 stark zurück­kom­men.

Zum Abschluss: Dein Tipp für Auf­stel­lung und Ergeb­nis?

Gulacsi – Geer­trui­da, Klos­ter­mann, Orban, Raum – Ver­mee­ren, Hai­dara – Nusa, Baum­gart­ner (Xavi Simons) – Ses­ko, Open­da

Titel­bild: © Chris­ti­an Kas­par-Bart­ke/­Get­ty Images

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