Mit einem 0:2 in Porto scheidet der VfB im Achtelfinale aus dem UEFA-Cup aus. Wie schon im Hinspiel fehlten die letzten paar Prozent zum Weiterkommen. Aber auch nicht mehr.
Am Ende konnte Jamie Leweling nicht einmal mithelfen, seine nicht ganz ernst gemeinte Ankündigung nach dem Pokalsieg im Mai vergangenen Jahres wahr werden zu lassen. Verletzt musste er dabei zusehen, wie der VfB leider doch nicht den Europapokal gewinnt, sondern bereits im Achtelfinale die Segel streichen muss. Wobei “bereits” sich als VfB-Fan immer noch unwirklich anhört, liegt doch das letzte europäische Viertelfinale schon eine ganze Weile zurück. Und auch sonst muss man sich über dieses Aus in Porto als Anhänger des Brustrings nicht über Gebühr grämen. Ja, es ist schade, dass wir in diesen Spielen nicht unser volles Potenzial abrufen konnten. Aber dies ist nicht das Ende der Reise.
Im Rückspiel im Estádio do Dragão waren es keine zwei kapitalen Böcke, die den VfB auf die Verliererstraße brachten, sondern zwei kleine und dazu noch eine unzureichende Chancenverwertung, gepaart mit einer erschreckenden Einfallslosigkeit bei Ecken. Dabei hatten wir die Gastgeber eigentlich lange im Griff, bevor diese nur einen schlecht verteidigten Angriff brauchten, um zu treffen. In jeder Situation hellwach zu sein, gelang in dieser Szene weder Luca Jaquez, noch Atakan Karazor oder Ramon Hendriks. Bei allem Lob, welches unsere Mannschaft in der Bundesliga zurecht bekommt, reicht ein solches Abwehrverhalten genauso wenig zum Weiterkommen wie beim 0:2, als sich Angelo Stiller den gerade wieder eroberten Ball von Victor Froholdt abluchsen ließ, bevor der Sehenswert zum Endstand traf.
Besorgniserregende Standards
Vielleicht lassen sich solche Gegentreffer auf nicht ganz vermeiden, wurden aber gemeinsam mit dem Hinspielergebnis zu einer schweren Hypothek. Hinzu kam, dass der VfB gerade in der Anfangsphase seine Chancen mal wieder nicht nutzte, beziehungsweise nicht in der Lage war, Diogo Costa häufig genug vor Probleme zu stellen. Wirklich besorgniserregend ist die Harmlosigkeit der Mannschaft nach Standards, insbesondere Ecken. Die gab es dank der Angriffsbemühungen zuhauf für uns, sie verpufften aber alle. Gefühlt hat beim VfB niemand einen Plan, wie aus einer solchen Situation ein Tor fallen soll und genauso sieht das dann auch aus: Die Bälle fliegen hoch rein, vornehmlich an den kurzen Pfosten und am Ende muss man froh sein, dass man sich kein Kontertor gefangen hat.
Das ist eine der Aufgaben, die der VfB für den Rest der Saison und vor allem die nächste Spielzeit auf europäischer Bühne hat, die ja aktuell nicht ganz unrealistisch ist. Eine andere ist der Umgang mit solch schwierigen Spielen. In Basel ließ sich der VfB unnötig die Butter vom Brot nehmen, in Istanbul ließ man sich von der Atmosphäre beeindrucken. In keinem dieser Spiele und auch nicht in Rom war der VfB spielerisch oder qualitativ unterlegen. Aber jedesmal misslang es uns, unsere Qualität zu zeigen, was dann letztlich auch dazu führte, dass man bereits im Achtelfinale auf eine Mannschaft wie Porto traf.
Keine Normalität
Nichtsdestotrotz war es, im zweiten Jahr in Folge, eine aufregende Reise durch Europa. Dass wir uns überhaupt wieder international messen dürfen, war auch im zweiten Jahr in Folge keine Normalität — vielleicht ist das kommende Saison anders. Dennoch: Die Mannschaft befindet sich weiter in der Entwicklung und kann in der kommenden Saison mit mehr Abgezocktheit vielleicht noch mehr erreichen. Nach dem frühen Aus in der Champions League waren das Weiterkommen und ehrlich gesagt auch die Playoffs in dieser Spielzeit Pflicht — und alles andere Kür. In der Zukunft sieht das vielleicht schon anders aus.
Zum Weiterlesen: Der Vertikalpass attestiert den Fans Champions-League-Niveau, der Mannschaft noch nicht.
Titelbild: © Diogo Cardoso/Getty Images