Sieben Thesen zu Hannover 96

Hop oder Top! Am Sonntag tritt der VfB zum Spitzenspiel bei Hannover 96 an. Zur Einstimmung haben wir mit Christoph (@CBorschel), der 96-Hälfte des Podcasts Das magische Zweieck, über unsere sieben Thesen gesprochen.

Rund um den Brustring: Dass Hannover 96 am 32. Spieltag noch gute Chancen auf den direkten Aufstieg hat, war eigentlich schon vor Saisonbeginn klar, weil…

Christoph: … niemand ernsthaft daran zweifeln konnte, dass der Kader von Hannover 96 nicht gemeinsam mit dem des VfB in allen Mannschaftsteilen aus dem Rest der zweiten Liga heraussticht. 96 hatte es vor der Saison geschafft, wichtige Leistungsträger wie Miiko Albornoz, Salif Sané und Waldemar Anton zu halten und ist mit großer Euphorie in die Saison gestartet. Dennoch muss man festhalten, dass in 96-Kreisen häufig damit gerechnet wurde, den Aufstieg zum jetzigen Zeitpunkt bereits fix zu haben – davon war aber meiner Meinung nach nie wirklich auszugehen, da die Liga dafür zu eng ist und die Mannschaft zu häufig planlos gespielt und gegen Mannschaften wie Aue, Karlsruhe, Düsseldorf oder Sandhausen zu viele Punkte hat liegen lassen.

Rund um den Brustring: Sollte es doch nicht klappen, wäre das noch schlimmer als die Tatsache, dass man hinter Eintracht Braunschweig gelandet ist, weil…

Christoph: … vor allem Präsident Martin Kind immer wieder betont hat, dass ein Aufstieg „alternativlos“ sei. Der Kader in der jetzigen Zusammensetzung wäre nicht mehr zu halten und auch das Duo Heldt/Breitenreiter ist nicht gekommen, um eine launige Zeit in der zweiten Liga zu erleben. Da tröstet ein Derbysieg gegen Braunschweig wenig bis gar nicht. Hinter Braunschweig auf Platz 2 aufsteigen hätte wohl jeder (vernünftige) 96er blind unterschrieben. Auf der anderen Seite: Spielt man in der Relegation und darf dann den VfL Wolfsburg aus der ersten Liga entfernen, wäre das mehr als nur eine Genugtuung.

Rund um den Brustring: Martin Harnik ist der beste 96-Transfer seit langem, weil…

Christoph: … Hannover erstmals seit dem Tschechen Jan Simak wieder einen Spieler hat, der mehr als 15 Tore in einer Saison schießt und man solche Spieler einfach für große Ziele wie den Aufstieg braucht. Bei Jam Simak reichten seien 18 Tore für den Aufstieg in Liga 1, das dürfte bei Martin Harnik ebenfalls so sein (den kommenden „ausgerechnet“-Siegtreffer gegen den VfB mit eingerechnet). Zudem ist Martin Harnik charakterlich eine Führungsperson in der Mannschaft und für die Fans bereits jetzt eine authentische Identifikationsfigur – und auf dem Platz ein Mentalitätsmonster.

Rund um den Brustring: Mit Trainer Andre Breitenreiter hat Hannover das fehlende Puzzlestück für den Erfolg im Aufstiegskampf gefunden, weil…

Christoph: … er neben der Identifikation mit Verein und Fans auch die nötige Erfahrung und taktischen Fähigkeiten mitbringt, die unter Daniel Stendel noch gefehlt haben. Man kann Daniel Stendel das nicht wirklich zum Vorwurf machen, sollte der Verein aufsteigen, dann hat der Ex-Trainer daran ebenfalls seinen Anteil. Auf der anderen Seite spielt die Mannschaft deutlich stabiler und sortierter unter Breitenreiter, die Aufgaben der einzelnen Mannschaftsteile sind deutlicher zu erkennen. Zudem ist ein klares Spielkonzept zu erkennen und der Trainer trifft von außen nachvollziehbarere Entscheidungen. Letzteres muss nicht immer von Vorteil sein, bindet Mannschaft und Fans aber deutlich enger zusammen, was für ein Mammut-Projekt wie einen Aufstieg und der teils schwierigen Fanszene am Maschsee nicht unwichtig ist.

Rund um den Brustring: Die Pläne von Präsident Martin Kind, den Verein ab 2018 mit mehr als 50 Prozent zu übernehmen, wurden heiß diskutiert und sind für 96 ein Segen, weil…

Christoph: … bei einem Gelingen dieser Pläne die Diskussionen endlich vom Tisch sind. Im Ernst, über das Thema könnte man (und tut man ja auch) stundenlang diskutieren. Ich bin der Meinung, dass die Übernahme tatsächlich unter anderem auch deswegen sinnvoll wäre, weil 50+1 ohnehin früher oder später fallen wird und es jetzt bereits zahlreiche Schlupflöcher gibt, derer sich andere Clubs bedienen. Martin Kind ist – so polarisierend er als Person und Entscheider sein mag – tatsächlich mit Herz und Leidenschaft im Verein, sodass ich auch keine Horror-Szenarien wie bei den Münchener Löwen mit wildernden Scheichs befürchte.

Rund um den Brustring: Wenn Hannover am Ende aufsteigt, werden die Fans trotzdem mit Wohlwollen an die zweite Liga zurückdenken, weil…

Christoph: … in der Rücksicht viele unschönen Dinge verklärt werden. Dann werden sich alle mit Wohlwollen an die engen Partien gegen Teams aus dem Mittelfeld erinnern, dann wird auch der Derbysieg einen ganz anderen Charakter bekommen und in der Historie als „vorentscheidend“ eingetragen sein. Auch die Aufholjagd im Hinspiel gegen den VfB wird dann einen ganz anderen Stellenwert erhalten. Daniel Stendel und André Breitenreiter werden dann diejenigen sein, die mit zwei Eigengewächsen (Waldemar Anton und Noah-Joel Sarenren Bazee) den Hannover-Spirit wiederentdeckt haben und damit den Misserfolg der letzten Jahre korrigiert haben. Philipp Tschauer wird mit seinem „Weiße-Westen-Status“ auf das beste Jahr seiner Karriere zurückblicken. Dass all diese Dinge mitunter von einem einzigen Tor abhängen können zeigt, wie dünn das Eis in dieser zweiten Liga ist – und wie schnell es brechen kann und die Saison vom Höhepunkt zum totalen Tiefpunkt werden lassen kann.

Rund um den Brustring: Hannover 96 macht am Sonntag vor heimischem Publikum den entscheidenden Schritt zum Aufstieg, weil…

Christoph: … es gar keine andere Möglichkeit für die „Roten“ gibt. 96 muss schlichtweg gewinnen, da man sich nicht auf einen Ausrutscher von Eintracht Braunschweig in Bielefeld verlassen kann und das auch gar nicht will – und auch nicht muss. Dass Hannover 96 in Spitzenspielen eigentlich immer gut aussieht, hat diese Saison gezeigt. Bereits das Hinspiel gegen den VfB wurde gewonnen, dazu das Heimspiel gegen Braunschweig und beide Spiele gegen Union Berlin. Alles Spiele, bei denen der Druck ebenfalls jeweils klar auf Seiten von Hannover 96 lag. Mit der ausverkauften HDI-Arena im Rücken, dem Nimbus als bestes Heimteam der Liga und einer taktischen Meisterleistung von André Breitenreiter wird Hannover 96 den VfB knapp aber verdient mit 2:0 schlagen. Nach dem Spiel werden sich übrigens beide Teams dennoch in den Armen liegen, weil Bielefeld eben doch gegen Braunschweig gewinnt. Der VfB gewinnt ja dann locker gegen Würzburg am letzten Spieltag, Hannover 96 spielt mit 8000 mitgereisten Fans 1:1 gegen Sandhausen – und alles ist gut.

Bild: © VfB-Bilder.de

Lennart kommt aus der Nähe von Kassel, lebt mittlerweile in Darmstadt und ist seit den späten 90ern, etwa seit dem Pokalsieg 1997, treu ergebener Fan des roten Brustrings. In weiser Voraussicht kaufte er sich im Sommer 2006 ein Trikot von Fernando Meira. Seit 2005 ist er auch VfB-Mitglied, seit 2006 ist er Mitglied des offiziellen Fanclubs VfB-Supporters Hessen, außerdem Besitzer einer Heim- und Auswärtsdauerkarte. Auf Twitter findet Ihr ihn unter @l_sauerwald.

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