Robins Zeugnistag – Rund um den Brustring am Dienstag, 1. September 2015

Das Spiel in Frankfurt ist weitestgehend durchanalysiert, nach dem Ende der Sommer-Transferphase 2015 gilt es nun, die Transferpolitik des VfB zu bewerten.
Den Anfang macht heute einmal Goldmann Sax, der sich sehr ausführlich der Bilanz von Robin Dutt in diesem Sommer widmet. Positiv wird bewertet, dass, wenn auch unter Aufwendung einiger Euros in Form von Abfindungen, fast alle Spieler, die man loswerden wollte, auch weg sind. Auch Dutts Standhaftigkeit in Sachen Kostic wird gelobt, bei Didavi hätte sich Goldmann gewünscht, dass Dutt lieber das Geld genommen hätte.
Sehe ich ehrlich gesagt ein wenig anders. Didavi hat schon in den letzten Spielen bewiesen, wie überaus wichtig er für die Mannschaft ist. Er hat einen Einfluss auf das Offensivspiel, welches Maxim bisher nie an den Tag legen konnte. Ich sehe es ähnlich, dass der Rumäne wahrscheinlich deshalb einen langfristigen Vertrag unterschrieben hat, weil er weiß, dass sein Mittelfeldkollege im August 2016 wahrscheinlich nicht mehr den Brustring trägt. Dennoch möchte ich Dida in dieser Saison nicht missen. Er ist der einzige, der offensiv in allen Spielen seine Leistung gebracht hat. Ebenso kritisch beurteilt wird die Verpflichtung der beiden Torhüter. Sicherlich hätte man statt zweier Keeper einen überragenden Keeper verpflichten können. Die Frage ist jedoch: Welcher Topspieler wechselt zur Zeit zum VfB. Momentan müssen wir angesichts der sportlichen Perspektive schon mit sehr großen Geldscheinen wedeln, um große, anerkannte Namen an den Neckar zu locken. Zustimmung erhält von meiner Seite aus der Skeptizismus was die Abwehr angeht. Wenn Sunjic nicht die erhoffte Verstärkung ist, hat der VfB in dieser Saison ein ganz dickes Problem. Der VfB und insbesondere Zorniger müssen sich dann daran anpassen, dass die Abwehr qualitativ nicht mit dem Sturm mithalten kann. Bleibt abzuwarten, welche Konsequenzen daraus gezogen werden.

Kruse verstärkt den VfB in der Breite

Die Stuttgarter Nachrichten blicken auf die Transfers am Montag und weisen auf die beachtliche Aufräum-Bilanz Robin Dutts hin. Fun Fact zu Neuzugang Robbie Kruse: Seine beiden einzigen Treffer für Leverkusen erzielte er 2013 gegen den VfB. Kruse ist mit Kaufoption ausgeliehen, da kann man meiner Meinung nach nicht viel falsch machen. Optimalerweise macht er Timo Werner und Martin Harnik auf der offensiven Außenbahn Beine. Beide hätten es dringend nötig. Moritz Veerhoff weist bei 90min.com darauf hin, dass Kruse den Kader vor allem in der Breite verstärken wird, zumal er nicht nur auf dem Flügel sondern auch in der Spitze einsetzbar ist.

Die Stuttgarter Nachrichten rechnen noch mal alle (teilweise geschätzten) Ablösesummen gegeneinander auf und kommen auf einen Transfer-Überschuss von  etwas über neun Millionen Euro. Wie schon anderer Stelle angesprochen geht davon wahrscheinlich einiges für Handgelder drauf, um Spieler aus ihrem Vertrag rauszukaufen.

Kostic, Opfer seiner Berater?

Der Vertikalpass hat eine – populärmusikalisch unterlegte – Ode an Filip Kostic verfasst. Ich kann die Begeisterung für Kostic durchaus verstehen, auch wenn das Geschachere der letzten Tage meine Euphorie etwas getrübt hat. Vielleicht ist es wirklich so, wie gestern in der Stuttgarter Zeitung beschrieben, dass sich Kostic von seinen Beratern den Kopf verdrehen lässt und wie schon beim Wechsel von Groningen zum VfB damit viel Porzellan zerbricht. Aber der Junge hat einen Vertrag bis 2019. Entweder er beschert dem VfB mit seinen Flankenläufen noch viele Tore oder viel Geld. Ich bin froh, dass er jetzt auch noch den Brustring trägt.

Gutes System, schlechte Umsetzung

Zwei Spielanalysen zum Frankfurt-Spiel gibt es noch. Auf Spiegel Online beschäftigt sich Christoph Ruf mit dem Versagen des VfB-Systems gegen Frankfurt:

Es geht also nicht um eine Abkehr vom Spielsystem, sondern um dessen bessere Umsetzung. Dass die Offensivspieler des VfB die gegnerischen Abwehrspieler tief in deren Hälfte attackieren, ist gewünscht. Doch zum Teil geschieht das in vorderster Front noch zu unkoordiniert, die Reihe hinter Daniel Ginczek und Martin Harnik kam nicht nur gegen Frankfurt mit dem Verschieben nicht mehr hinterher, Lücken klafften auf, die einen Großteil der bisher zehn Saisongegentore zur Folge hatten.

Trifft es meiner Meinung nach ganz gut, wurde ja bereits besprochen. Weniger treffend ist die Analyse, Harnik versemmele seine Chancen aus Eitelkeit, weil er sich kurz vorm Torschuss bereits als Torschütze sehe. Wer sich selber im Interview nur Mittelmäßigkeit attestiert, bei dem kann ich mir aber nicht vorstellen, dass ihm auf dem Platz die Eitelkeit im Weg steht. Sehr weit hergeholt.
Auch Frieder Pfeiffer lobt in der Süddeutschen Zeitung das System des VfB:

Wenn der Schwabe [Zorniger] also auch kurz vor dem Heimspiel gegen Frankfurt – was im Bundesligavergleich eher unorthodox anmutet – seine Spieler aus nächster Nähe beim Aufwärmen beobachtet und dabei versucht, bis zur letzten Sekunde Einfluss auszuüben, lässt das einige Schlüsse darauf zu, wie es dieser 47-Jährige geschafft hat, das VfB-Spiel deutlich tiefgreifender umzugraben, als das ein halbes Dutzend Vorgänger je imstande waren zu tun.

Er weist aber auf die Fehleranfälligkeit hin. Der VfB lässt sich jedoch mit langen Bällen viel zu einfach auskontern.

Tyton fehlt die Präsenz

Der Kicker geht nochmal auf Przemyslaw Tyton ein, der Unterstützung von Alexander Zorniger erhält. Auch ich kann das Tyton-Bashing nur bedingt nachvollziehen. Er ist im Vergleich zu Ulreich keine riesige Verbesserung, aber die Elfmeter sind nicht alleine auf seinem Mist gewachsen. Leider ist er, wie auch Ulreich, in vielen Situationen noch zu unsicher. Der VfB braucht endlich einen Torhüter, der im Strafraum – ohne Foulspiel selbstverständlich – alles abräumt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Ulreich hatte in seinem eigenen Strafraum nie die nötige Präsenz und auch Tyton geht sie noch ab. Ich habe Langerak im letzten Jahr nicht wirklich beachtet, ich hoffe aber, dass er eher der Typ ist.

DieTorshow des VfB-Nachwuchses gibt es bei Fupa.net.

Lennart kommt aus der Nähe von Kassel, lebt mittlerweile in Darmstadt und ist seit den späten 90ern, etwa seit dem Pokalsieg 1997, treu ergebener Fan des roten Brustrings. In weiser Voraussicht kaufte er sich im Sommer 2006 ein Trikot von Fernando Meira. Seit 2005 ist er auch VfB-Mitglied, seit 2006 ist er Mitglied des offiziellen Fanclubs VfB-Supporters Hessen, außerdem Besitzer einer Heim- und Auswärtsdauerkarte. Auf Twitter findet Ihr ihn unter @l_sauerwald.

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