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11 Fragen an einen Würzburg-Fan

Das Spiel des VfB bei den Würzburger Kickers ist nicht nur das letzte in diesem Jahr, auch der FWK ist für VfB-Fans die letzte Unbekannte in der Liga. Mit Kickers-Fan Paul (@KeckPaul) sprachen wir über seinen Verein, die Partie am Sonntag und über Würzburg.

Rund um den Brustring: Hallo, erzähl doch bitte mal was über Dich. Wie bist Du zu den Würzburger Kickers gekommen?

Paul: Servus, ich bin der Paul und zu den Kickers bin ich im Studium gekommen, als ich Anfang der 90er in Würzburg studierte. Ein Studienfreund, der glühender Anhänger war (und ist), belatscherte mich so lange…bis ich halt mal mit ging. Gegen 1860 war es (damals die Kickers als Aufsteiger) in der Bayernliga. Und es hat “klick” gemacht. Ich war von dort an ständig dabei, bis runter in die Bezirksliga. Meine Herrn! Stadionsprecher war ich auch ein paar Jahre – es war immer hochemotional. Wie immer, wenn man zurückschaut. Und seit drei Jahren leben wir Fans quasi wie in einem Traum – es ist immer noch unfassbar.

Rund um den Brustring: 2008/2009, also vor gerade einmal sieben Jahren, seid Ihr aus der Bayernliga abgestiegen, jetzt spielt Ihr in der zweiten Bundesliga, nachdem Ihr durch die 3. Liga durchmarschiert seid. Hast Du für diesen steilen Aufstieg eine Erklärung?

Paul: Für diese Entwicklung gibt es natürlich nicht nur eine Erklärung. Da war natürlich zum einen Glück dabei – und das nicht zu knapp. Kurz bevor es den Verein zerbröselt hat, übernahmen Personen (auch aus der Fanszene des B-Blocks) Verantwortung und entwarfen ein Konzept mit einem einigermaßen radikalen Ansatz. Alles sollte professioneller angegangen werden, keine “Freunderlswirtschaft” mehr etc. Es kam das Glück einer Ligenreform, wo man in einer Saison eine Liga “überspringen” konnte. Und schlussendlich das Engagement von Seiten der Wirtschaft mit einem Sponsorenkonzept ähnlich wie beim FC Heidenheim; verstärkt durch einen großen Anteil von Flyeralarm. Dennoch waren wir sowohl in der Regionalliga, in der 3. Liga und jetzt in Liga 2 vom Budget her immer einer der Kleinsten. Was sich aber durchzieht, ist die seit Jahren großartige Kaderplanung und -Zusammensetzung, sowie natürliche Glücksgriffe bei den Trainern. Hollerbach ist die Krönung – ein Ex-Kickers-Spieler hievt den Verein immer höher. Sensationell.

Rund um den Brustring: 1977 verpassten sich der FWK und der VfB knapp, als die Kickers in die 2. Bundesliga Süd aufstiegen, die der VfB gleichzeitig in Richtung erste Bundesliga verließ. Welche Bedeutung hat die die Rückkehr ins Unterhaus für Würzburg?

Paul: Für Würzburg hat das eine sehr sehr große Bedeutung, obwohl man fairerweise schon sagen muss, dass Würzburg immer eine “Basketball”-Stadt sein wird – allein schon wegen Dirk Nowitzkis Wirken bei den damaligen X-Rays der DJK Würzburg. Jahrzehntelang spielte nur die Rivalität zwischen Rot (Kickers) und Blau (Würzburger FV) in den diversen Ligen eine Rolle. Und alle hingen der Vergangenheit nach – also Würzburg wurde quasi wachgerüttelt durch die furiosen Aufstiege. Allerdings mäkelte dann der amtierende OB dann noch herum, dass Fußball ja doch nur das Theater des kleinen Mannes sei…kam nicht wirklich gut an, dieser Spruch.

Rund um den Brustring: Aktuell steht Ihr punktgleich mit Mitaufsteiger Dresden mit 24 Punkten auf Platz 8. Der Vorsprung auf die Abstiegsplätze ist größer als der Rückstand auf die Aufstiegsplätze. Ist der Klassenerhalt nach der Hinserie also schon in trockenen Tüchern?

Paul: Der Klassenerhalt ist definitiv noch NICHT in trockenen Tüchern – da bleibt noch genug zu tun. Was es uns eventuell leichter macht: Wir haben nicht den Druck. Die Prämisse war: Den Aufstieg nehmen wir jetzt mit, obwohl er für die Strukturen im Verein sicher etwas zu früh kam (Luxus Problem) – und wenn wir drin bleiben…Riesenfeier! Abstieg (was ich nicht glaube) – kein Beinbruch.

Rund um den Brustring: Zuletzt habt Ihr viermal in Folge Unentschieden gespielt. Seid Ihr auf Rekordjagd, oder wie kam es zu dieser Serie? 😉

Paul: Ach die Unentschieden! Ganz ehrlich – diese Spiele hätte man alle gewinnen können…das gegen Düsseldorf und Aue sogar MÜSSEN. Ok, gegen Sandhausen hatten wir Glück…wir sind schon die Remiskönige 😄 – wird aber traditionell in der Rückrunde besser!

Rund um den Brustring: In Eurem Kader steht mit David Pisot auch ein ehemaliger VfB-Spieler, der viel für unsere Zweite gespielt hat, in der Bundesliga aber nur in jenem ominösen Spiel zum Einsatz kam, als Armin Veh gegen den HSV aus Verletzungsgründen drei Jugendspieler in die Mannschaft warf. Wie macht er sich bei Euch?

Paul: David Pisot ist unverzichtbar! Einer der besten im Kader – für mich nicht nachvollziehbar, dass der nicht bei einem “größeren” Verein spielt. Total sympathisch, geht immer volle Kanne und gibt nicht auf. Und: kicken kann der auch.

Rund um den Brustring: Was sind die Stärken der Kickers, wovor muss sich der VfB in acht nehmen?

Paul: Die Stärken des FWK sind ganz klar die Defensive und die Grundeinstellung des Teams. Es wird kein Ball verloren gegeben und es wird immer nach gesetzt. Zweikämpfe werden intensiv, aber nicht foul geführt. Der VfB muss sich definitiv vor Soriano in acht nehmen und dass die Defensive nicht so vogelwild agiert wie gegen Hannover 96. Dann schepperts nämlich.😄

Rund um den Brustring: Und wie kann man dem FWK beikommen?

Paul: Das Manko ist die mangelnde Chancenverwertung. Beikommen kann man dem FWK tatsächlich über schnelle Außen – da wir zum Teil relativ hoch verteidigen bzw. auf der Seite von Junior Diaz Geschwindigkeitsnachteile haben.

Rund um den Brustring: Viele VfB-Fans sehen Euer Stadion zum ersten Mal von innen. Was erwartet einen als Gästefan dort?

Paul: Das Kickers- Stadion am Dallenberg (im Neusprech Flyeralarm-Arena) hat mit einer Arena nix zu tun. Es ist ein Oldschool Fußballstadion aus den 60ern inmitten einer Wohngegend! Da ist nix mit Wohlfühloase😄 Die Haupttribüne ist überdacht – der Rest nicht! Nur die Harten, usw.. Aufgemöbelt und den Regularien von DFL und DFB angepasst natürlich. Sitzplätze ausschließlich auf der Hauptribüne – und das sind die ausgedienten Sitzschalen vom Betze…

Rund um den Brustring: Und welche Empfehlung hast Du für diejenigen, die mit dem Spieltag auch einen Stadtbummel in Würzburg verbinden wollen?

Paul: Natürlich wäre es toll, wenn Ihr im Mai hier spielen würdet. Da lockt das Weindorf in der Stadt und alles wäre viel schöner. Ich empfehle unbedingt den Besuch der Residenz und des Doms (Kerze für den Sieg o.ä.) und natürlich den Genuss einer “Geknickten mit” (das ist eine Würzburger Bratwurst mit Senf) – nur echt bei der Bude am Markt. Die lange Schlange weist den Weg😄 Wer nach dem Spiel noch bleiben möchte: Fussballfachsimpeln im extrem lässigen LOMA in der Sanderstr. (Erreichbar mit der Straßenbahn). Ach ja, Verkehr: wer mit dem Auto kommt – parkt auf der Talavera und fahrt mit der Straßenbahn zum Dallenberg. Weil dort ist Parken ein Alptraum – außer Ihr reist früh an.

Rund um den Brustring:Was ist dein Tipp für’s Spiel?

Paul: Uaah, schwierig. Für uns ganz klar DAS Spiel in der Hinrunde. Diese Begegnung war innerhalb von 2 Stunden ausverkauft. Torlos wirds nicht werden. Der VfB wird mit Wut im Bauch kommen – mir wärs lieber gewesen, sie hätten gegen 96 gewonnen…aber gut: es wird ein begeisterndes 2:2! Aufstiegs-Favorit bleibt für mich der VfB und ich freu mich aufs Rückspiel. Da können eventuell beide Vereine feiern!

Rund um den Brustring: Vielen Dank, dass Du dir die Zeit genommen hast, mit uns zu sprechen. Schöne Feiertage und einen guten Rutsch!

Paul: Dir und allen VfB Fans schöne Weihnachten und ne gute Rückrunde!

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Lennart kommt aus der Nähe von Kassel, lebt mittlerweile in Darmstadt und ist seit den späten 90ern, etwa seit dem Pokalsieg 1997, treu ergebener Fan des roten Brustrings. In weiser Voraussicht kaufte er sich im Sommer 2006 ein Trikot von Fernando Meira. Seit 2005 ist er auch VfB-Mitglied, seit 2006 ist er Mitglied des offiziellen Fanclubs VfB-Supporters Hessen, außerdem Besitzer einer Heim- und Auswärtsdauerkarte. Auf Twitter findet Ihr ihn unter @l_sauerwald.

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